„Du hast an Weihnachten Schusswaffen dabei?!“
US-Regisseur Michael Dougherty hatte mit seinem 2007 erschienen Langfilmdebüt „Trick 'r Treat - Die Nacht der Schrecken“ den Kanon der Halloween-Filme um einen liebevollen Beitrag erweitert. Sein Zweitwerk ließ bis 2015 auf sich warten, die US-amerikanisch-neuseeländische Koproduktion konnte dafür aber den Major Universal als Geldgeber gewinnen: Statt Halloween hat sich Dougherty nun Weihnachten vorgeknöpft und mit „Krampus“ eine lose auf der alpenländischen, der Konditionierung leichtgläubiger Kinder durch Angst dienenden Sage um eine Art Horrorversion Knecht Ruprechts basierende Horrorkomödie geschaffen.
„Könnte 'n Elch sein... oder 'ne Ziege.“
Ende Dezember, irgendwo in den USA: Als so ziemlich Letzter unter Gleichaltrigen glaubt der kleine Max (Emjay Anthony, „Wenn die Liebe so einfach wäre“) noch an den Weihnachtsmann und verfasst einen persönlichen Brief an den weißbärtigen alten Zottel. Doch als die Verwandtschaft (Allison Tolman, „The Gift“, David Koechner, „Cheap Thrills“, Maverick Flack, Sage Hunnefeld und Conchata Ferrell, „Two and a Half Men“) inklusive Hund Rosie (Thor) und Max‘ Cousinen Stevie (Lolo Owen, „Virus Outbreak: Lautloser Killer“) und Jordan (Queenie Samuel, „Nothing Trivial“) anlässlich der bevorstehenden Weihnachtsfeierlichkeiten zu Besuch kommt, finden letztere ebenjenes Schriftstück, woraufhin sie sich über Max lustig machen und ihn damit aufziehen. Bei Max‘ Eltern (Adam Scott, „Piranha 3D“ and Toni Collette, „Little Miss Sunshine“) und seiner Schwester (Stefania Owen, „In meinem Himmel“) liegen ebenfalls längst die Nerven blank, weshalb Max seinen Brief kurzerhand zerreißt und mit Weihnachten nichts mehr zu tun haben möchte. Doch damit ruft er den Krampus (Luke Hawker, „Black Sheep“) auf den Plan, der es von nun an auf die Familie abgesehen hat. Ein Schneesturm am Weihnachtsmorgen isoliert die Familie von der Außenwelt, die nun notgedrungen eine Schicksalsgemeinschaft bildet, während die österreichische Großmutter (die Wienerin Krista Stadler, „Das süße Leben des Grafen Bobby“) mit ihrer Vermutung, dass der Krampus seine haarigen Finger im Spiel hat, richtig liegt. Egal, ob man an ihn glaubt oder nicht: Einer nach dem anderen wird dran glauben müssen…
Im Vorspann werden Zeitlupenbilder chaotischen Konsumwahns anlässlich des Fests von einem besinnlichen Weihnachtslied konterkariert und damit die Doppelgesichtigkeit der Weihnachtstradition skizziert. Wie einst in „Schöne Bescherung“ fungiert das Öffnen von Adventskalendertürchen als den zeitlichen Ablauf strukturierender Datumsanzeiger. Auch die Familienverhältnisse erinnern an jenen Komödienklassiker, jedoch bekommt man es hier mit offener Feindseligkeit und Tränen statt Slapstick und Klamauk zu tun. Im TV läuft eine Schwarzweiß-Version der Weihnachtsgeschichte Dickens‘, kurioserweise beliefern die Vandalen von DHL die Gegend mit Konsumgütern und die Oma faselt mit ultrafiesem Hinterwäldler-Ösi-Akzent. Vom Krampus sieht man zunächst nicht viel und der Film entwickelt sich über einige der Gruselstimmung abträglichen Dialoge in Richtung einer Komödie, wo er mit seiner Sequenz vom zum Leben erwachenden und Max entführenden Lebkuchenmännchen dann auch ausgiebig Halt macht. Daraufhin erzählt die Oma von früher und vom Krampus, ungewöhnlicherweise als Animation visualisiert.
Die meiste Zeit sind Tonfall und Stimmung jedoch betont ernst und unheimlich, weshalb sich die humoristischen Szenen wie Fremdkörper anfühlen. Im weiteren Verlauf entwickelt sich „Krampus“ zu actionreicher Home Invasion, in deren Zuge sich die Menschen mittels Schusswaffen gegen die Helfer des Unholds zur Wehr setzen, was sich später auch draußen im Schnee fortsetzt. Doch damit längst nicht genug, denn Doughertys Film avanciert zu einem wahren Höllenritt, der immer noch einen draufsetzt, bevor ein hübsch gestalteter Abspann sein geplättetes Publikum langsam aus den Krallen des Krampus entlässt.
„Krampus“ erinnert ein bisschen an „House“ und an „Critters -Sie sind da!“, aber auch „Gremlins – Kleine Monster“, der ja ebenfalls in der Weihnachtszeit spielt. Die offenbar häufig in guter alter Handarbeit realisierten Spezialeffekte sind ebenso gut gelungen wie das Creature Design; das Budget dürfte zudem ins relativ namhafte Ensemble geflossen sein, das den Film als zusätzliches Standbein stützt. Ja, diese Auslegung einer alten mitteleuropäischen Sage macht viel Spaß, wenngleich sie auf etwas sehr groteske Weise zwischen Horror und Humor changiert und sich als ein Füllhorn ebenso kreativer wie plakativer Ideen erweist, das das Publikum beinahe zu übersättigen droht – was ja aber auch irgendwie zur konsumistischen Überfluss-Ausrichtung des Weihnachtsfests passt…