Review

Joseph Gordon-Levitt spielt einen ledigen Verlierer, der sich mit Gelegenheitsjobs in New York über Wasser hält. Seit seine Eltern an Weihnachten verstarben und seine beiden besten Freunde, gespielt von Seth Rogen und Anthony Mackie, sich mit ihm ins Nachtleben stürzten, um ihn aufzumuntern, ist der weihnachtliche Partyexzess zur Tradition geworden, die dieses Jahr ein letztes Mal aufleben soll. Einer der drei erwartet nämlich demnächst ein Kind, während ein anderer als Profisportler Karriere macht. Da trifft es sich, dass das Trio diesmal endlich in Besitz von Karten für eine strenggeheime, exklusive Weihnachtsparty gekommen ist, an der sie schon immer einmal teilnehmen wollten. Bewaffnet mit einer Schachtel unterschiedlichster Drogen ziehen sie los, ohne zu ahnen, dass die langjährige Freundschaft in dieser Nacht gleich mehrfach auf eine harte Probe gestellt werden wird.

Wer sich einmal in den Dunstkreis von Seth Rogen und James Franco verirrt hat, kommt dort nicht wieder heraus - so scheint es jedenfalls. Joseph Gordon-Levitt, der bereits bei „50/50 - Freunde fürs (Über)leben“ mit von der Partie war, ist auch hier wieder an der Seite von Rogen vor der Kamera zu sehen, während der Regisseur der Tragikomödie über einen Krebskranken, Jonathan Levine, erneut auf dem Regiestuhl Platz nimmt. Ganz am Anfang erkennt man bereits mit Randall Park den Kim Jong-un aus „The Interview“ wieder, in welchem auch die hier erneut vertretene Lizzy Caplan mitwirkte und natürlich darf zumindest der obligatorische Gastauftritt von James Franco auch nicht fehlen, nur auf Jonah Hill wartet man vergebens. Also alles wie immer? Nach den kürzlich erschienenen Komödien „The Interview“ und „Bad Neighbors“, die an die Qualität eines „Ananas Express“ bei weitem nicht anknüpfen konnten, eine weitere mittelmäßige Rogen-Komödie, wie er sie momentan am Fließband abliefert? Nein, mit „Die highligen drei Könige“ melden sich Rogen und seine Mitstreiter noch einmal an der Spitze des Comedy-Genres zurück.

Das hat, wie bereits der deutsche Titel erahnen lässt, aber wenig damit zu tun, dass Rogen und der auch am Drehbuch beteiligte Regisseur Levine wie bei „50/50“ wieder vermehrt auf Story und Emotionen setzen würden. „Die highligen drei Könige“ ist nicht minder brachial als „The Interview“ oder „Bad Neighbors“, aber über weite Strecken witziger und im Gegensatz zu „Das ist das Ende“ auch nicht so lang, dass es bereits im Mittelteil zu Ermüdungserscheinungen kommt. Levine zündet nach einer kurzen Einführung im Stile eine Weihnachtsgeschichte ein Gagfeuerwerk und legt ein flottes Tempo vor, das er über die erste Filmhälfte und noch etwas darüber hinaus aufrechterhalten kann.

Allein die herrlich geschmacklosen Wollpullover, die durchweg als Partyoutfits herhalten müssen, sorgen permanent für Heiterkeit, vor allem der von Rogen, auf welchem ein übergroßer Davidstern abgebildet ist. Der wird natürlich mehr als einmal auch direkt Gegenstand einiger Lacher. Levine gelingen einige Sequenzen, die an Witzigkeit kaum zu überbieten sind und einigen Zuschauern durchaus länger im Gedächtnis bleiben könnten. Dazu gehören insbesondere Rogens Besuch im Gottesdienst, bei dem er sich, berauscht von verschiedensten Drogen, gehörig daneben benimmt, aber auch Rogens SMS-Chat mit einem Fremden, der ihn aus zunächst nicht nachvollziehbaren Gründen mit Penisbildern zuspammt. Bei einer derart hohen Gagquote bleiben Rohrkrepierer und leider auch unnötiger Fäkalhumor leider nicht aus, doch die wenigen Ausfälle lassen sich letztlich verschmerzen.

Ein weiteres großes Plus sind die Darsteller. Rogen überzeugt in gewohnter Rolle als sympathischer Chaot, diesmal auch wieder mit familiärem Background, was er schon im ungleich ernsthafteren „Take This Waltz“ und anderen Filmen verkörpert hatte. Daneben ist mit Joseph Gordon-Levitt einer der Stars der Stunde zu sehen, der mit Filmen wie „Lincoln“ und „The Walk“ zunehmend ins Charakterfach gewechselt ist und demnächst als Edward Snowden zu sehen sein wird. Gordon-Levitt macht sich hier, wie auch Anthony Mackie, der bei Marvel als Falcon demnächst ebenfalls groß Karriere machen dürfte, mit Spaß am Spiel und zur Freude des Zuschauers permanent zum Affen. Den drei sympathischen Hauptdarstellern gelingt es so trotz der kaum vorhandenen Story und des brachialen Humors das Treiben ein wenig zu erden und die etwas geschmackloseren Szenen zu kompensieren, was zuletzt bei „The Interview“ nicht gelungen war. Zudem sorgen die Gastauftritte einiger weiterer bekannter Gesichter für Heiterkeit. Besonders der sonst so ernste Michael Shannon, dessen Serienfigur Nelson Van Aldan aus „Boardwalk Empire“ kaum humorloser sein könnte, sorgt als kauziger Drogendealer Mr. Green für einige nachhaltige Momente, während auch der Gastauftritt von James Franco seine Wirkung nicht verfehlt. Daneben geben sich unter anderem die überraschenderweise recht witzige (und bekleidete!) Miley Cyrus sowie „30 Rock“-Star Tracey Morgan die Ehre.

Ansonsten gäbe es an der hauchdünnen Story oder den flachen Charakteren unendlich viel zu Mäkeln, doch „Die highligen drei Könige“ ist trotz oder gerade wegen des kaum zu unterbietenden Niveaus herrlich anarchisch und unterhaltsam, zumal das Ganze auch handwerklich durchaus zu überzeugen weiß. Zumindest bis kurz vor Schluss, wenn dem Film auf der Zielgeraden dann doch etwas die Luft ausgeht und Levine vollkommen ohne Not in die stereotypen Handlungsbahnen des Genres gerät. Es gibt dann ein paar emotionalere Momente, die kaum aufgesetzter sein könnten, eine plumpe Botschaft über Freundschaft fürs Leben und ein schmalziges Happy End, das dem Film überhaupt nicht gut steht. Aber es ist ja Weihnachten, da kann man einem bis dahin extrem kurzweiligen und zum Schreien komischen Film auch mal einen Lapsus durchgehen lassen.

Fazit:
„Die highligen drei Könige“ ist wie so viele Filme von Seth Rogen so simpel wie brachial, aber über weite Strecken ungeheuer witzig und rettet sich dank des sympathischen Darstellerensembles über so manche geschmacklosere Szene gekonnt hinweg. Zumindest, bis es am Ende etwas rührselig wird. Dennoch ist das Ganze absolut sehenswert und vermutlich Rogens witzigster Film seit „Ananas Express“.

75 %

Details
Ähnliche Filme