Review

iHaveCNit: Creed (2016)
21.01.2019

Eigentlich habe ich zu diesem Film bereits eine Kritik aus meiner Vor-“iHAveCNit“-Zeit geschrieben, die muss jedoch ein wenig angepasst werden. Es war der 19.01.2016, fast genau auf den Tag vor 3 Jahren, als ich mir „Creed“ im Kino angesehen habe. Der aktuell 32-jährige Ryan Coogler, der fast auf einen Tag genau 1 Jahr älter ist als ich hatte eine Idee, wie man den Rocky-Mythos in Form eines Spin-Off erweitern und ausbauen kann. Und das ist ihm mit „Creed“ wunderbar gelungen.

Adonis Johnson, unehelicher Sohn von Apollo Creed und Amateurboxer, will aus dem Schatten seines berühmten Vaters treten und in den Profiboxsport einsteigen. Dafür zieht er von L.A. nach Philadelphia und nimmt Kontakt mit dem einstigen Rivalen und sehr guten Freund seines Vaters, Rocky Balboa auf.

War ich ein halbes Jahr zuvor von „Southpaw“ sehr beeindruckt, muss ich sagen, dass „Creed“ das aktuelle Duell der beiden Boxerfilme klar nach Punkten für sich entscheidet. Woran liegt das ? „Southpaw“ hatte als Boxerdrama vor allem in seinem Handlungsverlauf vom Anfang bis zum fortgeschrittenen Mittelteil das Problem, einen Tiefschlag nach dem anderen zu verpassen und sich somit in sich selbst zu wiederholen. Zusätzlich hat die formelhafte Nutzung der gängigen Boxerfilmklischees allgemein für ein eher durchwachsenes Meinungsbild gesorgt.

Ich habe mir vor „Creed“ noch zur Einstimmung die alten Rocky-Filme angesehen und kann sagen, dass mit „Creed“ ein sehr guter 7. Teil entstanden ist und das Spin-Off der Rocky-Saga vollends aufgegangen ist. Die Nostalgie und die Verbindungen zu den vorigen Teilen ist extrem dezent und nie aufdringlich und damit aus meiner Sicht eindeutig besser gelungen als z.B. bei dem 7. Teil des Star-Wars-Franchises. Der Film hat zwar geringe Schwächen, wenn man sich die obligatorische Love-Story und den leicht farblosen Antagonisten ansieht, aber ansonsten ist der Film unglaublich stark. Michael B. Jordan macht als Adonis eine sehr gute Figur, seine gereizte Art und seine innere Zerrissenheit in Bezug auf seinen Vater und die Physis als Boxer im Ring werden von ihm wirklich glaubhaft rüber gebracht. Richtig auf den Punkt ist er jedoch erst, wenn Sylvester Stallone an seiner Seite ist, der aus kreativer Sicht mit Rocky Balboa den Grundstein für ein komplettes Subgenre des Sportlerdramas kreiert hat. Die Figur des Rocky Balboa kann nicht ohne Sylvester Stallone und umgekehrt. Wie Stallone hier den alten, gebrechlichen, ehemaligen Boxstar rüber bringt, ist wirklich toll. Rocky Balboa ist ein Charakter, der für den Kampf und das Boxen gemacht wurde, nichts bringt ihm mehr Freude, als im oder in der Nähe eines Boxrings zu sein. Das ist das einzige, was ihm noch wirklich geblieben ist, nach dem Tod seines Trainers, dem Tod seines Rivalen/bester Kumpel, dem Tod seiner Frau, dem Tod seines besten Freundes und dem Verlust durch Wegzug seines Sohnes. Das Adrians ist für Rocky zudem ein Zufluchtsort, in dem er in all seinen Erinnerungen schwelgen kann. Den Kampf, den ihm nun in „Creed“ zusätzlich noch aufgebürdet wird, lässt uns förmlich am Leben dieses großartigen Filmcharakters aus Philadelphia teilnehmen.
Aus visueller und filmischer Sicht hat der Film streckenweise ganz interessante Einfälle, die Kampf- und Trainingssequenzen sind sehr innovativ umgesetzt. Der Soundtrack lässt neben einigen neuen Einfällen und auch durch ganz dezent eingesetzte alte Themen einen Wiedererkennungswert hervorblitzen. Die ganze Story ist auch sehr dynamisch, witzig und dramatisch ohne Leerlauf erzählt worden, so dass in den knappen 2 Stunden und 15 Minuten sehr viel passiert – ohne die Story übermäßig zu überfrachten und den Zuschauer bei Laune zu halten. Das Ende entspricht auch nicht dem üblischen formelhaften Klischee und ist daher etwas ausdifferenzierter und intelligenter gelöst. Alles in allem wurde ich extrem gut unterhalten und ich bin gespannt, wohin der Weg im zweiten „Creed“ gehen wird.

„Creed – Rocky´s Legacy“ - Multiple Look – 9/10 Punkte

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