Nachdem „The Ghost of Sierra de Cobre” in meinem Kopf zum Überraschungserfolg mutierte, war ich gespannt, was Joseph Stefano, der Drehbuchschmied von „Psycho“ noch so alles auf den Bildschirm brachte, denn wenn sich jemand erstmal in einem Genre bewiesen hat, dann ist da meist noch mehr in Reichweite.
Das Erste, was sich finden ließ, was „Revenge“, einer der beliebten „ABC Movie of the Week“, die von 1970 bis 1976 das Publikum in Scharen vor die amerikanischen TV-Geräte bannte, vorzugsweise mit spannenden Stories und all den bekannten Gesichtern, die im Kino nicht mehr die rechten Rollen bekamen oder über die Jahre ein paar Falten entwickelt hatten.
Beweisstück Nr.1 in diesem Fall: Shelley Winters“
Die Gute war nun schon in einem Gutteil ihrer Filme einen furchtbaren Tod gestorben und sollte es auch noch weiter tun (ein Jahr später etwa in „The Poseidon Adventure“), überlebt aber zumindest diesen Film.
Aber auch hier spielt sie einen Psycho erster Güte, denn Amanda Hilton hat seit dem ungeklärten Tod ihrer Tochter enorm was am Sträußchen. Nachdem sie die Besucher eines Kongresses unter die Lupe genommen hat, an dem auch ihre Tochter teilnahm, ist sie überzeugt, den Täter gefunden zu haben. Sie klaut einem Geschäftsmann namens Frank Klaner erst die Papiere und lockt ihn so in ihr Haus zwecks Rückgabe, kastelt ihn dann nach einer schmerzhaften Begegnung mit dem Kamineisen in einem Käfig im Geheimzimmer ein. Dem gefällt das so gar nicht, aber was soll er machen, nun sitzt er fest.
Derweil geht seine Frau die Wände hoch – und was macht man da, wenn es keine Spur gibt und die Chose erst zwei Tage her ist: klar, man geht zu einem Hellseher. Der wird von good old Stuart Whitman gegeben und ist ein übler Schwindler, doch was soll ich sagen: die beste Ehefrau von allen hat selbst hellseherische Kräfte entwickelt (bzw. ein seltsames Gefühl von glücklicher Intuition) und ihre Zusammenarbeit führt doch zum Erfolg…
Klingt das jetzt etwas wie aus dem Hut gezaubert? Klar, ist es auch.
Dieser übernatürliche Touch funktioniert leider überhaupt nicht, füllt aber den Film ganz gut, denn Winters und ihr Opfer Bradford Dillman kommen leider nicht auf einen gemeinsamen Nenner, weswegen sie ihn meistens nur vollkreischt, während er zurück brüllt. Leider ist das alles nicht halb so dramatisch, wie es sein sollte, da können sich die Darsteller noch so strecken, aber immerhin ist das ja auch alles nur die handelsüblichen 73 Minuten lang.
Weil die Hellsehr sich über- und unterschätzen, landet schon bald noch ein zweiter Darsteller in Shelleys Käfig und alles macht sich bereit für ein nettes, aber dann doch dramatisch eher unterentwickeltes Finale, welches die Hintergründe, etwa für den Tod der Tochter gar nicht so recht in den Fokus nimmt, wie es nötig wäre, um Mrs.Winters‘ Anstrengungen zu honorieren.
Was bleibt ist ein mittelmäßiger TV-Film, gut besetzt, irgendwie kurios, aber eben dann doch eher mit einer flachen Spannungskurve. Immerhin ist es abstrus genug, dass ich den Mischmasch genrespezifisch gar nicht recht einordnen konnte. Aber das man diesen leicht unausgegorenen Spreizschritt für verfilmungswürdig hielt, zeigt schon, unter welchem Druck die Sendeanstalten damals wohl standen. (5/10)