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Staffel 1

Eigentlich hatte er sich ja auf seine Farm zurückgezogen, wo er mit seiner Familie in Ruhe leben wollte, doch als eines schönen Tages seiner ehemaliger Chef Mickey Moreno (Yuval Segal) auftaucht und ihm berichtet, daß ein als tot geltender Terrorist doch wieder aktiv ist, erwacht das alte Jagdfieber in Doron Kavillio (Lior Raz): der wortkarge, bullige Mittvierziger kehrt zu seiner Einheit zurück, einem eingeschworenem Team aus Anti-Terror-Spezialisten der israelischen Verteidigungsstreitkräfte. Durch ein weitverzweigtes Netz von Spitzeln wie auch durch Verhöre verdächtiger Palästinenser hat der israelische Geheimdienst herausbekommen, daß Abu Ahmad alias "der Panther" nicht nur immer noch am Leben ist, sondern auch wieder aktiv werden will im Westjordanland. Eine erste heiße Spur des für über 100 Morde an Israelis verantwortlich gemachten Top-Terroristen führt zu einer Hochzeit: Dort soll dessen kleiner Bruder heiraten, und man ist sich sicher, daß Abu Ahmad bei der großen Familienfeier auftauchen wird. Doch die mit Sprach- und Ortskenntnissen bestens vertrauten Israelis werden trotz ihrer Zuckerbäcker-Lieferanten-Tarnung erkannt und müssen, ohne den Gesuchten gefunden zu haben, eilends den Rückzug antreten, wobei neben anderen der junge Bräutigam erschossen wird. Während das Team noch über seinen Mißerfolg berät und weiter nach dem "Panther" fahndet, entschließt sich die schwer traumatisierte Braut, einen Selbstmordanschlag durchzuführen: Eines der Team-Member hatte nämlich eine Schachtel Zündhölzer bei der Familienfeier verloren, und dessen Werbeaufdruck einer israelischen In-Disco nutzt die junge Frau, dort einen Sprengsatz zu deponieren. Mit insgesamt 5 Toten dort, darunter der Freundin eines der Team-Member, dreht sich die Spirale von Gewalt und Gegengewalt immer weiter...

Hauptdarsteller Lior Raz, früher selbst in einer israelischen undercover-Einheit tätig, bevor er für Arnold Schwarzenegger und andere Prominente als Bodyguard diente, hatte die Idee zu dieser Action-Serie und schrieb auch am Drehbuch mit. Der Titel Fauda, was arabisch soviel wie Chaos bzw. Durcheinander bedeutet, wird von der Spezialeinheit als Codewort verwendet, wenn etwas schiefgelaufen und ein sofortiger Rückzug bzw. Hilfe von außen notwendig ist. Das kommt zwar nicht oft, aber doch ab und zu einmal vor, denn so sehr sich das halbe Dutzend Anti-Terror-Spezialisten - mit Drohnen, Nachtsichtgeräten, Wanzen und Waffen technisch ohnehin haushoch überlegen - mit Schminke und Verkleidung auch auf seine Einsätze vorbereitet, so vorsichtig und unberechenbar agiert auch die Gegenseite.

Fauda erhebt den Anspruch, neben der Spezialeinheit auch die palästinensische Seite zu zeigen - ein Unterfangen, das bei einer israelischen Produktion zu diesem hochsensiblen Thema freilich ein wenig eine Schieflage aufweist, denn stets sind die Team-Member die Guten, während von der arabischen Seite meist nur deren Werdegang zum Terror hin gezeigt wird. Immerhin nimmt sich Fauda die Zeit, die (teilweise reichlich abstrusen) Gedankengänge der sich zu neuen Märtyrern hochstilisierenden Männer (meist Söhne ums Leben gekommener Väter) zu beleuchten, die sich aufgrund irgendwelcher Vorkommnisse der Vergangenheit und einem fragwürdigen Sendungsbewußtsein zu (meist Bomben-) Anschlägen entschließen. Daß sie dabei keineswegs immer den Segen ihrer Familien haben, sondern die Mütter und Witwen ihnen sogar im Gegenteil trotz aller Verachtung gegenüber den Juden vom Terror abraten, mag dabei überraschen. Weniger überraschend ist jedoch der Umstand, daß das Team am Ende dann doch alle erwischt - die dabei eingesetzten Methoden sind allerdings alles andere als fein.

Angesichts dieser Konstellation fällt es schwer, mit einem der Akteure mitzufiebern - Hauptdarsteller und Ideengeber Lior Raz ist es ziemlich sicher nicht, denn der erweist sich schon zu Beginn als Stinkstiefel, der seine Ehefrau Galy (Neta Garty) nur als Mutter seiner beiden Kinder betrachtet, sie aber sonst in jeder Hinsicht vernachlässigt. Kein Wunder, daß diese ein heimliches Verhältnis mit Teamkollege Naor hat, was später noch zu folgenreichen Spannungen führt. Auch der Rest des Teams, das sich in extrem maskuliner Optik trotz ihres gefährlichen Berufes zwischenzeitlich mit reichlich lockeren bis zotigen Sprüchen als Truppe von Sonnyboys präsentiert, lädt nicht unbedingt zum gedanklichen Unterstützen ein. Am wenigsten der Jungspund Boaz, ein eher auf seine Äußeres bedachter und allein dadurch schon überhaupt nicht zu den anderen passender Hitzkopf, der nach dem Tod seiner Freundin bei obigem Disco-Anschlag völlig durchdreht und durch seine Disziplinlosigkeit nicht nur das Team, sondern auch sich selbst in große Gefahr bringt.

Im Gegensatz dazu agiert Teamleader Moreno stets beherrscht, weiß seine Männer wohl einzuschätzen und überzeugt durch seine ruhige, überlegene Vorgangsweise. Daß er ein heimliches Verhältnis mit der jungen Drohnenspezialistin Nurit (Rona-Lee Shim'on) hat, beflügelt ihn zusehends - am Ende hat er allerdings hart zu knabbern an der Eigenmächtigkeit des von ihm persönlich zurückgeholten Alphatiers Doron, der mit fast allen Teammitgliedern einen nicht autorisierten Alleingang startet, wofür sich Moreno beim israelischen Verteidigungsminister, der dessen Truppe schon mal abschätzig als "Schläger" bezeichnet, verantworten muß. Bemerkenswert auch der israelische Geheimdienstleiter Hauptmann Ayub (Itzik Cohen), ein mit allen Wassern gewaschener Taktiker, der es jedoch versteht, auch seinen Gegnern gegenüber mit einer gewissen Empathie aufzutreten, die ihn (inklusive kleiner schmutziger Tricks) oftmals vollkommen gewaltfrei ans Ziel bringt.
Auf der palästinensischen Seite gewinnt die Figur des erst 20-jährigen Bruders des "Panthers", Walid, an Kontur, der von Handlangerdiensten bis zu Vermittlungen mit der Fatah, der konkurrierenden Hamas und den Familien stets die Balance wahren und für seinen abgehoben wirkenden Bruder die Lage koordinieren muß. Als der berüchtigte "Panther" über eine jordanische Connection an Nervengas gelangt, das er für einen Mega-Anschlag einsetzen will, muß der schmächtige Bursche mit dem Ziegenbärtchen eine Entscheidung treffen. Daneben tritt auch die palästinensische Ärztin Shirin (Laëtitia Eïdo) als love interest von Doron bald ins Rampenlicht...

In 12 Folgen zu je etwa 32 Minuten stellt Fauda den keineswegs glamourösen, in manchen Szenen auch durchaus unangenehm mitzuverfolgenden Alltag eines Teams von Spezialisten zwischen tagelangem Warten, Privatleben, Vorbereitung und schließlich dem Einsatz dar, beleuchtet auch ausführlich das Vorgehen der Terroristen und ihrer Gefolgsleute und Familien und umschifft mit dieser Mischung geschickt sämtliche sich dem neutralen Zuschauer möglicherweise stellenden politischen Fragen - "es ist eben so, wie es ist" könnte man hier aus der Serie zitieren. Bei dieser ersten Staffel von Fauda klappt das erstaunlich gut: 8 Punkte.

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