Review

Staffel 2

Einige Zeit nach den Ereignissen der 1. Staffel ist die kleine israelische Spezialeinheit um Doron erneut gefordert: eine neue Qualität des Terrors beschäftigt Hauptmann Ayub vom Inlandsgeheimdienst Shin-Bet. Diesmal sind es arabische Studenten, der hebräischen Sprache mächtig, die sich mit Kippa als Juden verkleidet an Bushaltestellen und Grenzposten in die Luft jagen. Koordiniert werden die Anschläge von einem neuen Akteur, der aus dem Ausland zurückkommt: Nidal "El Makdessi" (Firas Nassar), zuletzt in Jordanien und Syrien wohnhaft, davor auch in Europa (Amsterdam), ein junger Mann, der wesentlich geschliffenere Manieren hat als die üblichen Hamas-Aktivisten und streckenweise durchaus smart auftritt, will sich sein Stück vom (terroristischen) Kuchen sichern, wurde doch sein Vater in Staffel 1 von Doron in die Luft gesprengt. Doch zunächst muß er seine Gruppe junger Studenten instruieren, was nicht so glatt abläuft, wie er sich das vorstellt. Zudem gerät er mit seinen Plänen unweigerlich ins Visier der Hamas, deren Anführer Abu Samara (Jameel Khoury) in ihm sofort eine unerwünschte Konkurrenz wittert und ihn - frelich vergeblich - anzuwerben bzw. umzustimmen versucht. Denn El Makdessi hat ganz andere Pläne: er will sich nicht nur nicht der Hamas unterordnen, sondern im Westjordanland eine "Filiale" des islamistischen Staates (IS) eröffnen - und ganz besonders hat er es auf Doron und dessen Familie abgesehen...

Nach dem großen Erfolg der 1. Staffel von Fauda (vor allem in Israel) dauerte es nicht lange, bis Netflix weitere Episoden drehen ließ - natürlich wieder unter federführender Mithilfe von Hauptdarsteller Lior Raz, einem früheren Spezialagenten. Erneut ist der Schauplatz das Westjordanland, wo der hochgerüstete israelische Geheimdienst in Absprache mit der Armee (IDF) und eben jener kleinen Spezialeinheit versucht, die terroristischen Aktivitäten einiger Palästinenser klein zu halten. Auch dieses Mal ist es ein einzelner Anführer, der die Sicherheitskräfte schwer beschäftigt, durch zahlreiche Wendungen immer wieder entkommen kann und - das ist kein Geheimnis - erst ganz am Ende der letzten Episode erwischt wird.

Die personellen Veränderungen im Spezialteam betreffen neben dem Führungsoffizier (diesen Part übernimmt nun Eli, selbst früheres Teammitglied und nach einer Verletzung von einem Weiterbildungsseminar in London zurückgekehrt) auch ein neues Teammitglied: Sagi heißt der junge vollbärtige Mann, der den ermordeten Boaz aus Staffel 1 ersetzt und sich zum Einstand gleich an Nurit (Rona-Lee Shim'on) heranschmeißt. Die bisher für Drohnen zuständige junge Frau wiederum muß mit dem Verlust ihres bisherigen Partners Moreno, der am Ende von Staffel 1 von einer Bombe erwischt wurde, erst einmal klarkommen, gibt dann aber Sagis Drängen nach. Im Laufe dieser 2. Staffel nimmt sie auch offensiv an einigen Kommando-Aktionen teil, meist zur Tarnung schwarz gekleidet, wobei sie sich durchaus bewährt. Dorons Nebenbuhler Steve dagegen kommt mit der attraktiven Schwester seines getöteten Chefs Moreno, Marwa, zusammen.

Dazwischen agiert der nach wie vor stets mürrisch dreinblickende Doron, der meist, wenn auch nicht immer, seinen sechsten Sinn beweist und dessen Schlüsse sich oftmals als richig erweisen. Auch diesmal gerät er mit seiner Eigenwilligkeit und seinem (grundsätzlichen) Autoritätsproblem mit seinem (neuen) Chef aneinander - immerhin lernt man auch seinen Vater Amos (Igal Naor) kennen, einen warmherigen, verwitweten Farmer, der mit seinen palästinensischen Nachbarn stets gut auskommt.
Ein weiterer positiver Charakter, der in dieser Staffel eingeführt wird, ist Maher, der Leiter der palästinensischen Autonomiebehörde, ein immer korrekt gekleideter Mann, den eine längere Freundschaft mit Hauptmann Ayub verbindet. Dummerweise ahnt er nicht, daß sein Sohn zu jenen Studenten gehört, die El Makdessi für seine Selbstmordanschläge rekrutiert hat...

Hauptdarsteller Doron selbst ist sich noch nicht sicher, wie seine verheimlichte Liaison mit der palästinensischen Ärztin Shirin weitergehen soll - die ist nämlich jetzt pro forma mit dem ehemaligen Laufburschen Walid verheiratet, der in der Hamas Karriere gemacht hat und sie somit zu beschützen in der Lage sein soll. Doch das stets von Drohnen überwachte Leben ohne Familie in einem konspirativen Haus schmeckt der empathischen Shirin überhaupt nicht.
Doron muß in dieser 2. Staffel zwei schwere Schicksalsschläge hinnehmen: für den einen kann er nichts, den anderen verursacht er durch eine im Trauerschmerz getroffene (Kurzschluß-)Entscheidung allerdings selbst. "Sie sterben mir alle weg" wird man ihn gegen Ende der Staffel ungewohnterweise schluchzen hören - doch am Ende bleibt der eisenharte Glatzkopf weitgehend unberührt von den Geschehnissen um ihn herum, die er schlichtweg als "gegeben" ansieht bzw. zur Kenntnis nimmt.

In Sachen Action und Brutalität nimmt sich die Serie wie schon in Staffel 1 kein Blatt vor den Mund, wenngleich einzelne Szenen wie das Einprügeln auf einen gefesselten Gefangenen nur schwer erträglich mitzuverfolgen sind, wohingegen auf der Gegenseite eine Köpfung nach IS-Ritus erstaunlich (oder besser: erfreulich) kurz geschnitten ist. Beide Seiten schenken sich nichts, es wird gesprengt, gefoltert und "ausgeschaltet", wie es die Situation gerade erfordert. Genau diese, stets durch ein paar nicht allzulange private Szenen unterbrochene kompromisslose Härte, die eine gewisse Authentizität rüberbringt (ob es in Wirklichkeit tatsächlich so ist oder noch viel grausamer, sei dahingestellt) machen jedoch den Reiz von Fauda aus. Lediglich der grundsätzlich repetitve Charkter des Drehbuchs (ein Hauptschurke, der von einem nahezu unbesiegbaren Team gejagt und erst ganz am Schluß erledigt wird) rechtfertigt einen kleinen Punktabzug gegenüber Staffel 1, was immer noch solide 7 Punkte bedeutet.

Details
Ähnliche Filme