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Staffel 3

Eine neue Mission führt Doron (Lior Raz) in eine arabische Familie im Westjordanland: dort soll er, natürlich inkognito und mit einer glaubhaft gefälschten Vita als Boxtrainer getarnt, für mehrere Monate die Familie Hamdan observieren, um an Informationen zu einem gesuchten Terroristen aus deren Reihen zu kommen. Doron freundet sich dabei mit dem jungen Bashar (Ala Dakka) an, dem er eine große Boxkarriere prophezeit und für den er bald so etwas wie ein Ersatzvater wird - kein Wunder, denn dessen leiblicher Vater Jihad kommt gerade nach Verbüßung einer 20-jährigen Strafe aus dem Gefängnis frei. Jihad Hamdan (Khalifa Natour), für den selbstverständlich eine große Feier ausgerichtet wird, erweist sich dabei als nachdenklicher Heimkehrer, der seine besten Jahre in einem israelischen Gefängnis verbringen mußte und - zumindest innerlich - keineswegs mehr von den Idealen seiner Jugend, der Hamas, überzeugt ist.
In der Zwischenzeit taucht auch der gesuchte Fawze Hamdan (Amir Khatib) auf, allerdings nicht bei der Familie, sondern bei einem Treffen zwischen Hauptmann Ayub und und dem Chef der palästinensischem Autonomiebehörde, Maher, wobei er letzteren erschießt und Ayub verwundet. Diesen unerwarteten Zwischenfall mit mehreren Toten, verursacht durch ein Killerkommando aus dem Gaza-Streifen, hatte niemand erwartet, und so muß Doron so schnell wie möglich handeln, um den gesuchten Fawze auszuschalten - selbst um den Preis, seine langsam und sorgfältig aufgebaute Identität aufzugeben. Fawze jedoch, dem der Ruf vorauseilt, Verräter 10 km gegen den Wind zu riechen, ist bereits mißtrauisch geworden und teilt seinem Schwager, dem jungen Bashar, ganz unverblümt mit, daß dieser Boxtrainer ein israelischer Spion sei. Hin- und hergerissen will Bashar Doron warnen, wird dabei jedoch von Fawze überrascht, der dies geahnt hatte - so muß Doron Farbe bekennen, es gelingt ihm gerade noch, seine Einheit herbeizurufen und Fawze zu liquidieren, seine Tarnung ist jedoch dahin. Noch viel schwieriger ist jedoch die Situation für Vater und Sohn Hamdan: Einerseits hatte der Vater heldenhaft im Knast geschwiegen, andererseits gerät der Sohn in den Verdacht, mit den Israelis zusammengearbeitet zu haben - ein gravierendes Problem für die ganze Familie, die ihren Ruf gefährdet sieht. Was nun der Vater, vor allem aber der Sohn unternehmen, um die Situation zu meistern, ist das Hauptthema dieser 3. Staffel...

Einige Monate nach den bisherigen Ereignissen (2. Staffel) steht auch im 3. Teil von Fauda die Jagd nach palästinensischen Terroristen im Vordergrund. Anders als bisher wird der anfangs Gesuchte jedoch diesmal schon in der 2. (von insgesamt wieder 12) Episoden erschossen - eine Variante des Drehbuchs, um nicht immer einen Hauptschurken erst ganz am Schluß zur Strecke bringen zu müssen. Fortan konzentriert sich das Geschehen dann auf Vater und Sohn Hamdan, wobei letzterer tief enttäuscht von Doron ist, der in seinem jungen Leben eine zunehmend größere Rolle gespielt hatte. Auch Doron kämpft mit seinem Gewissen, das Vertrauen des jungen Mannes so mißbraucht zu haben, ganz im Gegensatz zu seinen Vorgesetzten, für die nur der Erfolg, den gesuchten Fawze erwischt zu haben, zählt. Doch Dorons "Draht" zu Bashar wird bald wieder gebraucht werden...

Mit der bekannten Mischung aus Action-Szenen und persönlichen Dramen weiß auch die 3. Staffel seine Fans bei Laune zu halten. Zur Abwechslung und Spannungssteigerung rückt das Team ab Mitte der Staffel dann in den Gaza-Streifen ein, wo ein deutlich raueres Klima herrscht als im Westjordanland - hier sind die Männer komplett auf sich allein gestellt und die Armee kann ihnen nur bedingt helfen. Der geneigte Zuseher ahnt jedoch schon, daß die Mission auch dort erfolgreich abgeschlossen werden kann - und es dennoch neben dutzenden toten Palästinensern auch in der kleinen Spezialeinheit einen Verlust geben wird.

Kritisieren könnte man die meist glimpflich ausgehenden Action-Sequenzen, in der sich Drehbuch-Co-Autor Doron und seine Männer stets gegen eine zahlenmäßige Übermacht behaupten können. Dies war zwar schon in den ersten beiden Staffeln so, doch hier fällt es besonders auf, vor allem bei der Mission im Gaza-Streifen, wo ihnen statt terrorverdächtiger Zivilisten diesmal schwerbewaffnete Elite(?)-Soldaten gegenüberstehen - doch auch die gehen sang- und klanglos unter. Arabische Zuseher beklagten sich über einige geschilderte Begleitumstände im Gaza-Streifen, wie sprachliche Eigenheiten oder die Tarnung als Handelsreisende, welche nicht der Realität entsprechen sollen, was dem europäischen Zuseher mangels Fachwissen freilich nicht auffällt. Weiters kritisiert wurde die (winzige Neben-)Rolle des arabischen Physiotherapeuten, welcher Hauptmann Ayub betreut, dann aber von Hamas-Leuten genötigt wird, gegen diesen aktiv zu werden - was den Eindruck erwecken könnte, daß arabisches Krankenhaus-Personal in Israel grundsätzlich von der Hamas erpressbar sei.

Das kleine Team unter der Leitung von Eli erfährt allerdings vorerst keine personellen Veränderungen, bis Avichay (Boaz Konforty), als Scharfschütze der bisher ruhigste der Truppe, ein Mißgeschick passiert und er während eines Einsatzes einen eigenen Mann der IDF abschießt - dieses "friendly fire" soll für ihn noch weitreichende Konsequenzen haben.
Doron wirft nebenbei ein Auge auf die in der Serie neu eingeführte Gaza-Koordinatorin der IDF und landet mit der toughen Brünetten auch schnell in der Kiste - was niemanden überraschen dürfte. Später jedoch wird eine riskante Entscheidung ihrerseits das Verhältnis deutlich eintrüben. Am Ende der Staffel, die eher unspektakulär endet, wird Doron wieder alleine sein - und übrig bleibt, wie schon bisher, nur Schmerz und Trauer. Und das auf beiden Seiten - aber vielleicht ist dies auch die Kernaussage von Fauda: Es gibt in diesem Flecken Land keinen Glanz, keine absolut Guten oder Bösen, jede Seite hat ihre Geschichte und rechtfertigt ihr Handeln mit den Verfehlungen der jeweiligen Gegenseite.

Auch diese Staffel enttäuscht die Erwartungen nicht und eignet sich zum binge watching, und so darf sich die Fanbase schon auf eine im Gespräch befindliche 4. Staffel freuen. Für diesen 3. Teil von Fauda sind jedenfalls 7 Punkte angemessen.

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