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Staffel 4

Eine kleine Auszeit auf der Farm seines Vaters hatte sich Doron (Lior Raz) genommen, der auf seine Spezialeinheit überdies im Moment nicht sonderlich gut zu sprechen ist, hatte ihm Leader Eli (Yaakov Zada-Daniel) doch konditionelle Probleme attestiert. Dann aber gibt es doch einen Grund, schleunigst wieder aktiv zu werden: Shin-Bet-Chef Gabi (Itzik Cohen), der zu seinen Spitzeln und Informanten zumindest nach außen hin ein sehr herzliches Verhältnis pflegt, ist nämlich entgegen dem Rat von Mossad-Chef Rafael (Oded Leopold) nach Brüssel geflogen, um sich dort mit einem seiner Schützlinge, Omar Tawalbe (Amir Boutrous), der kalte Füße bekommen hatte, zu treffen. Als Doron davon hört, schöpft er ebenfalls Verdacht und fliegt sofort hinterher, doch obwohl er Gabi in der dortigen israelischen Botschaft noch wohlbehalten antrifft, kann er nicht verhindern, daß kurz danach ein Hitkommando die Botschaft stürmt und Gabi entführt.
Tatsächlich steckt Überläufer Omar dahinter, der ein doppeltes Spiel spielt und der schiitischen Hisbollah einen Tip gegeben hatte. Die hält Gabi nun irgendwo in Brüssel versteckt, doch bevor Doron und die inzwischen angereiste Spezialeinheit ihn aufstöbern können, wird Gabi im letzten Moment ausgeflogen. Der sich wehrende Geheimdienstchef, der unter Folter einige Informanten im Westjordanland preisgeben mußte, erhielt dabei einen Brustschuß. Die aufgefundene Menge an Blut läßt darauf schließen, daß Gabi tot ist und die Hisbollah seine Leiche für ein Tauschgeschäft mitgenommen hatte.
Mit diesen wenig erbaulichen Nachrichten kehrt die Spezialeinheit zurück nach Tel Aviv - der Plan sieht nun vor, Omar aufzuspüren. Mittels eines gewagten Plans um zwei vom Mossad gefälschte spanische Aussteiger-Pässe auf den Namen von Omar und seiner Frau wird die ahnungslose Maya (Lucy Ayoub), eine israelische Polizeibeamtin arabischer Herkunft, in eine Intrige eingespannt, mit der sich Omar möglicherweise aus seinem Versteck locken lassen läßt. Währenddessen braut sich allerdings neues Unheil zusammen, als in Dschenin ein Leibgardist (Loai Nofi) der Palästinenserbehörde seinen korrupten Chef ermordet, um mittels seines Netzwerkes mit dutzenden, in Hinterhöfen zusammengebastelten Raketen eine neue Intifada gegen Israel auszulösen...

Vor wenigen Tagen brachte Netflix bereits die 4. Staffel der israelischen Action-Serie Fauda (arabisch für Chaos, Durcheinender) an den Start, und auch dieses Mal ermittelt das kleine Team von Spezialisten wieder gegen palästinensische Terroristen, die diesmal sogar Hilfe von der an sich getrennt gegen Israel agierenden Hisbollah bekommen. War man in den ersten beiden Staffeln neben Israel hauptsächlich im Westjordanland unterwegs und in der dritten dann auch im Gaza-Streifen, so spielt sich die Handlung diesmal in Brüssel und später auch lange im Libanon ab. Nach bewährtem Muster agiert Doron zunächst wieder als Einzelkämpfer, der sich dann aber doch wieder seinen Kollegen anschließt, freilich nicht ohne deren Vorgehen im Allgemeinen, deren Teamleiter im Speziellen und den diesmal die Einsätze koordinierenden Mossad-Mann Rafael sowie Shin-Bet-Kommandantin Dana (Meirav Shirom) stets vor Augen zu führen, daß er Befehle und Anweisungen nur dann befolgt, wenn er sie persönlich auch für richtig hält. Ansonsten scheißt Doron, die glatzköpfige Rampensau mit dem Dreitagebart, auf jegliche Staatsräson - so kennt man ihn, so schätzt man ihn.

Vom Team sind noch dem Tod des Scharfschützen Avichay (Staffel 3) immer noch Steve (Doron Ben-David), der zum Leader aufgestiegene Eli (Yaakov Zada-Daniel), der junge Sagi (Idan Amedi) sowie seine Freundin Nurit (Rona-Lee Shimon) mit dabei, später stößt als zweites weibliches Team-Mitglied noch Shani Russo (Inbar Lavi) hinzu.
Neben den zahlreichen Action-Einsätzen kommen auch wieder private Probleme zum Vorschein, so ist Nurit beispielsweise schwanger, erzählt es Sagi jedoch nicht, der, als er es dann doch erfährt, schwer gekränkt ist. Steve dagegen versucht, seine Frau, die sich von ihm trennen will, unbedingt zu halten. Auch bekommen die Partnerinnen der Team-Mitglieder Gelegenheit, sich untereinander auszutauschen, nachdem ihre privaten Wohnadressen verraten wurden und sie aus Sicherheitsgründen in einem Kibbuz untergebracht wurden. Die Rolle der Dana macht in dieser 4. Staffel einen charakterlich gereiften Eindruck, während der bisher stets smart auftretende Gabi sowohl physisch wie auch psychisch ziemlich zerpflückt wird.
Doron dagegen hält sich diesmal mit amourösen Abenteuern zurück, muß er doch unter falscher Identität die attraktive Maya in den Libanon begleiten, wo der israelische Geheimdienst ihre flüchtige Bekanntschaft mit der Frau eines Terroristen auszunutzen versucht. Daß Maya ungeachtet ihres tadellosen Lebenswandels und der Heirat mit einem Israeli nach dieser Aktion sang- und klanglos als Kollateralschaden geopfert werden soll, gehört - wie einige andere traurige Begebenheiten - zum Alltag im Geheimdienstgeschäft. Doron, der den Braten riecht, sorgt jedoch mit seiner persönlichen Anwesenheit unter ausdrücklicher Mißachtung eines Befehls dafür, daß die bereits anberaumte gezielte Tötung mittels einer Predator-Drohne abgeblasen werden muß.

Das Liquidieren von als Feinden klassifizierten Personen gehört wiegesagt zum Alltag, es ist nichts Besonderes und findet eben statt, wo man zu weit entfernt ist und/oder ein Einsatz von Soldaten oder Spezialisten nicht angebracht erscheint. Auch bedienen sich Shin Bet und Mossad, also der israelische Inlands- sowie Auslandsgeheimdienst, die im Gegensatz zu den Terroristen über das modernste Equipment verfügen (ein spezieller Reiz der Serie liegt auch darin, auf den Monitoren im Hauptquartier diverse Aktionen drohnengestützt mitzuverfolgen), verschiedenster Erpressungen und Intrigen, um die grundsätzlich äußerst mißtrauischen und vorsichtigen Gegner zu manipulieren - was allerdings nur teilweise gelingt. Durch den rigorosen Waffeneinsatz und niemals ein Wort des Bedauerns entsteht auch von Anfang an eine aufgeladene Atmosphäre, deren Spannungbogen sich bis zum Schluß konstant im oberen Bereich hält - gefallene Mitstreiter werden, und das von beiden Seiten, mit wenigen schlichten Formeln zur Kenntnis genommen, während das Rachebedürfnis stillschweigend immer weiter steigt. Und manch diskussionswürdige Begebenheit bleibt erstaunlich unreflektiert: so wird beispielsweise Danas Lebensgefährte aus einem Hinterhalt erschossen und am Ende begeht ein Filmcharakter sogar einen kaltblütigen Mord.

Was man stets bedenken sollte: Fauda ist als Action-Serie konzipiert und dient in erster Linie der Unterhaltung, eine Darstellung des israelisch-palästinensischen Konflikts an sich steht zu keiner Zeit auf dem Programm, eine Lösung(smöglichkeit) sowieso nicht. Die großen palästinensischen Familienclans erlebt man meist nur auf Trauerfeiern, wo hinter blumigen Worten der Schmerz über einen weiteren toten Sohn und der Zorn auf die Verursacher eher gedämpft erscheint - auch diesmal wird jedoch der Widerstand einzelner arabischer Bürger gegen die Vereinnahmung ihrer liquidierten Familienmitglieder durch die jeweilige Terrororganisation geschildert. Weiters verzichtet Fauda bei der Darstellung seines sämtlichen israelischen Militär-Personals, das ausschließlich aus säkularen Juden besteht, grundsätzlich auf rechtsradikale Elemente - religiöse Fanatiker, die Siedlungsproblematik im Westjordanland etc. kommen schlichtweg nicht vor. Dies schärft für den Zuschauer den Blick auf eine (meist) rein militärische Auseinandersetzung, in welcher der diesmal eher vermittelnd und deeskalierend auftretende Doron schnell die Sympathien auf seine Hauptrolle (die er sich freilich selbst auf den Leib geschrieben hat) zieht.

Insgesamt macht diese 4. Staffel ebensoviel Spaß wie die vorhergegangenen, auch wenn es auch diesmal wieder einige erstaunliche Zufälle und Ungereimtheiten gibt - z.B. Gabis viel zu riskante Reise nach Brüssel, seine - wie auch immer - geglückte Entführung aus Belgien, die sehr aufwändige Falle mit den spanischen Pässen im Libanon sowie ein Blutbad an dessen Grenze, die zeitweilige Zusammenarbeit von Palästinensern mit der schiitischen Hisbollah, der offenbar problemlose Einsatz israelischer Drohnen im Libanon einerseits sowie das befürchtete spurlose Verschwinden von Personen, sobald sie über eine Grenze wären - als ob Drohnen sich an Grenzen halten würden etc. etc.
Das überdramatisierte Finale, dem eine freche Leichenentführung vorausgeht (soviel Chuzpe ist allerdings auch wieder unrealistisch) wirkt dann wie ein drehbuchgemäß verabredetes, theatralisches Ende der ganzen Serie, schließt aber eine weitere Staffel dennoch nicht ganz aus - ich wäre jedenfalls gerne wieder dabei. Knappe 7,49 Punkte für Staffel 4.

Wer sich die israelische Serie von Anfang an geben will, findet hier eine Review-Übersicht:
Staffel 1 - 8 Punkte
Staffel 2 - 7 Punkte
Staffel 3 - 7 Punkte

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