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Nach dem Tod ihres Mannes führt Louise Legrand (Virginie Efira) den gemeinsamen Hof wenig erfolgreich weiter. Nachbar Paul (Laurent Bateau), der in sie verliebt ist, will ihr ein Stück Land abkaufen, weil sie die Hypothek nicht mehr tilgen kann. Auf dem Heimweg vom Markt fährt sie Pierre (Benjamin Laverne) an. Sie nimmt den leicht Verletzten, der am Asperger Syndrom leidet, mit nach Hause…

Immer wieder herrliche Bilder von saftig grünen Wiesen und Wäldern, gelbem Getreide und bunten Blumen unter der strahlenden Sommersonne. Und mitten in der wunderschönen Provence steht der Hof der braven Witwe mit ihren 2 Kindern, wo sich die Romanze des Kino-Sommers 2016 abspielt, wobei der Liebesfilm eigentlich keiner ist, obwohl er die Muster der romantischen Komödie nutzt. Denn das Verhalten von Pierre ist für die kleine Familie und auch den Zuschauer schwer einzuschätzen. Dabei wechselt Regisseur Éric Besnard (geb. 1964, „Ca$h“ 2008, „600 Kilo pures Gold“ 2010) ein paar Mal in Pierres Perspektive, während die Geschichte eigentlich aus der Sicht von Louise erzählt ist. Richtig nachvollziehbar wird sein Handeln dadurch auch nicht, die Asperger Krankheit ist ein frühes Stadium des Autismus. Und so ähnelt seine Figur dem einst von Dustin Hoffman dargestellten „Rain Man“ (1988) und verhält sich in etwa so eigensinnig bis trotzig. Und ein Mathe- und Computergenie ist er natürlich auch, kann nicht nur Junior bei den Hausaufgaben helfen, sondern auch noch das Konto von Louises Schuldnern hacken. So richtig sympathisch wird Pierre dem Zuschauer nicht, das ist der fleißigen Hofbesitzerin vorbehalten, doch die spröde Darstellung des Kranken durch Benjamin Laverne („Nur Fliegen ist schöner“ 2015) beeindruck durchaus. Gemeinsam mit der ebenfalls bestens aufgelegten Virginie Efira („Mein ziemlich kleiner Freund“ 2016) trägt er Sorge dafür, dass trotz der nicht besonders glaubwürdigen Handlung ein feeling good movie entstanden ist. Und immer wieder diese wunderschönen Bilder aus der Provence… (7/10)

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