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Produzent Charles Band war schon immer ein Sparfuchs, aber „Trancers 5“ ist ein frühes Beispiel für besondere Dreistigkeit: Back to back mit dem direkten Vorgänger abgedreht, in und um jenes rumänische Schloss, das parallel dazu auch in der „Subspecies“-Reihe Hauptkulisse war, und dann kaum eine echte Filmlänge lang.
Denn „Trancers 5“ geht zwar nominell 75 Minuten, de facto aber eher eine Stunde, wenn man den Vorspann, die End Credits und die ellenlange Zusammenfassung von „Trancers 4“ zu Beginn des Films abzieht. Darin erfährt das Publikum, das den Vorgänger verpasst oder ob dessen Belanglosigkeit direkt wieder vergessen hat, noch einmal, was bisher geschah. Jack Deth (Tim Thomerson) seines Zeichens der beste Jäger der vampirgleichen Trancer in der Zukunft, wurde bei einer Zeitreise von einem Vieh angegriffen und mitsamt Vehikel in ein alternatives Mittelalter katapultiert. Darin tarnten sich die Trancer als Edelleute, die sich an der Lebensenergie des einfachen Volkes labten, bis Jack die Revolution der Menschen zusammen mit Shaleen (Terri Ivens) anführte und den Trancer-König Lord Caliban (Clabe Hartley) im Showdown des Vorläufers plattmachte.
Jetzt könnte ja Friede Freude Eierkuchen sein, aber Jack will ja noch nach Hause, in die Zukunft und die eigene Zeitlinie. Dort wartet ja auch noch eine Wissenschaftlerin auf ihn, die in der Mittelalter-Bewohnerin Lyra (Stacey Randall) noch eine Doppelgängerin hat, die sich massiv zu Jack hingezogen fühlt. Der hat aber keine Zeit für und Lust auf Liebeleien, sondern macht sich lieber auf den Weg zum Castle of Unrelenting Terror, wo es einen magischen Kristall gibt, der ihm genau jene Rückreise ermöglichen soll. Der Name des Schlösschens ist natürlich der Hammer und passt irgendwie zu einer Charles-Band-Produktion, denn auch hier verspricht dies wesentlich mehr als am Ende geliefert wird.

Die Trancer wollen derweil nicht einsehen, dass sie besiegt sind und haben auch noch ein Bildnis von Lord Caliban im Keller, mit dessen Hilfe sie das Original noch einmal zum Leben erwecken können. Der will Rache an Jack Deth und den Rebellen, vorher aber erstmal den magischen Stein einsacken…
Jack Deth hat also einen Quest, der Rest des Figureninventars, das aus Teil 4 übriggeblieben ist, dagegen kaum etwas zu tun. Dementsprechend üble Bremsklötze sind dann auch die Nebenhandlungen: Shaleen hat etwas Kompetenzgerangel mit Harson (Jeff Moldovan) um die Rebellen-Anführerschaft und muss sich überlegen, ob sie Trancer-Überläufer Prospero (Ty Miller) wirklich vertrauen will. Lyra ergeht sich in Liebe zum abweisenden Jack, der dann irgendwelche Bonmots raushaut, dass ein wahrer Mann der Versuchung widersteht einer Frau eine zu kleben, wenn sie ihn nervt – was für ein Feminist. Und die Trancer salbadern in einer Tour irgendwelches Blech, um auch dem dümmsten anzunehmenden Videothekenzuschauer den Simpelplot zu erklären und noch dazu Laufzeit zu schinden. Am Ende mischen sie dann alle nochmal im Showdown mit, wenn der obligatorische Angriff der Trancer auf die Menschlein ansteht, aber bis dahin ist es ein zumindest gefühlt weiter Weg.
Selbigen latscht in erster Linie Jack Deth mitsamt Begleiter Prospero zum Castle of Unrelenting Terror, wo diverse Prüfungen auf die Helden lauern, die aber alle auf das Gleiche hinauslaufen: Sie dürfen ihren Augen und den Täuschungen des Schlosses nicht trauen. Wenn eine Horde Bauchtänzerinnen, die Jack und Prospero zum ewigen Verweilen einladen, sich als Illusion entpuppen und ein Monster angreift, dann sieht man davon nicht mehr als dessen haarigen Arm – und selbst der ist wahrscheinlich ein übrig gebliebenes Requisit einer anderen Charles-Band-Produktion. Manchmal scheint sich Drehbuchautor Peter David bei der Art, wie Jack die Prüfungen angeht, von „Indiana Jones und der letzte Kreuzzug“ inspirieren lassen haben, ohne allerdings die Spannung und den Witz des Vorbilds zu erreichen. So erweist sich auch der Mainplot als lahme Ente, das Ende als halbgarer Witz, wenn Jack quasi im direkten Anschluss an den Showdown in seine eigene Zeitlinie/Dimension/whatever zurückschraddelt, die dortige Lyra abknutscht und sofort danach die Endcredits anlaufen.

Während David Nutter sich parallel zu zum vielleicht profiliertesten Regisseur der Kultserie „Akte X“ mauserte, kann er inszenatorisch hier nicht viel reißen. „Trancers 5“ sieht aus wie im Wald um die Ecke gedreht (was er ja mehr oder weniger auch ist) und auch die Kleinigkeiten, mit denen sich „Trancers 4“ noch ein wenig profilieren konnte, sind weggefallen: Das ganze Gejuckel um das (Nicht-)Funktionieren von Jacks Zukunfts-Equipment und die Fish-out-of-Water-Comedy. Die von Harson-Darsteller und Stunt Coordinator Jeff Moldovan zusammengeschusterte Kampf-Action sieht noch grobmotoriger als im Vorgänger aus und ist noch weniger vorhanden – selbst der Showdown ist laues Lüftchen, das schnell vorbei ist. Davor gibt es kaum etwas an Hauen und Stechen zu sehen und selbst das ist manchmal hilflos herbeigeschrieben, etwa wenn ein Mann aus dem Fußvolk im Wald Jack und Prospero attackiert, weil er nicht weiß, dass der Trancer die Seite gewechselt hat, und dann dran glauben muss.
So bleibt Tim Thomerson als mürrisch-knarziger Jack Deth das einzige Pfund, mit dem „Trancers 5“ ansatzweise wuchern kann. Selbst semigewitzte Oneliner sagt er noch ganz launig auf, in dieser mehr oder weniger um ihn gestrickten Filmreihe. Ty Miller, Terri Ivens und Stacey Randall haben hier so wenig zu tun, dass ihr Schauspiel kaum im messbaren Bereich ist (weder positiv noch negativ), während Clabe Hartley als Oberschurke eine Nummer schlechter als im Vorgänger agiert.

Das Gewitzteste an „Trancers 5“ ist wohl der Untertitel im Original: „Sudden Deth“. Sonst ist das Ganze ein ziemlicher Langweiler, arm an Handlung, Schauwerten und (gelungenem) Witz. Die Besetzung ist mau, abgesehen von Tim Thomerson, aber den kann man ja auch in den vier Vorgängern bewundern.

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