Review

Was wäre wenn... 

... Pixar 2 großartige Filme dieses Jahr herausbringt?

"The Good Dinosaur", oder hierzulande unnötigerweise "Arlo & Spot" genannt, hat es mehrfach schwer. Ähnlich wie sein mutloser, grüner Protagonist Arlo. Anders als seine Hauptfigur, die sich durch die Wildnis (fast) alleine nach Hause kämpfen muss, soll der Film in einem Jahr bestehen, in dem mit "Alles steht Kopf" einer von Pixars Referenzen die Leinwände & Herzen eroberte. Aber noch viel härter traf es das Werk während seiner Entstehung - Regisseure wechselten, man verlor Interesse & Mut am Projekt, Ideen & ganze Handlungen wurden über Bord geworfen, die Fertigstellung dauerte ungewöhnlich lang. Nur deswegen kommen wir in den Genuss von zwei Pixarfilmen dieses Jahr. Hat all das dem guten Dino also geschadet?

Ganz klares NEIN von mir. Denn die Geschichte ist zwar simpel & wirkt wie eine innovationslose Mischung aus "König der Löwen" & "Ice Age" - der Film insgesamt ist aber wirklich emotional & ein Fest für die ganze Familie. Eines der kindlicheren & vielleicht auch nicht ganz perfekten Werke von Pixar, aber dennoch ein lohnenswerte Abenteuer über das Erwachsenwerden, Mut, Angst & Verlust. Die Optik ist atemberaubend, vor allem die fotorealistische Umgebung & Natur. 3D hingegen wie immer ein Dimmer, Schleier & Ärgernis. Achtung & Lob: der Film ist unglaublich traurig, es gibt ein paar Dialoge & Szenen, die sind harter Tobak für kleinere Kinder - aber die Natur & das Leben sind nunmal so. Eine gute Gelegenheit, mit den Kleinen mal ein Wenig über Themen wie Tod oder Survival of the Fittest zu sprechen. Manchmal wird etwas oft & vorhersehbar auf die Tränendrüse gedrückt - aber bei mir hat es gewirkt. Vor allem eine Szene zwischen Arlo & seinem kleinen Neandertaler-Begleiter Spot, in dem es um Familie geht, war heftig & meisterhaft. Auch die Idee an sich, in der, der Meteor nie einschlug & die Dinosaurier daher irgendwann gleichzeitig mit Menschen auf der Erde wandeln, hat was.

Die Geschichte an sich könnte man als gut zusammengeklautes Animations-Best Of sehen - aber besser gut geklaut, als schlecht selbst gemacht. Auch wenn manche Szenen oder auch Tiergruppen (Flugdinos = Hyänen) 1 zu 1 aus Disneys Löwenklassiker übernommen scheinen. An diesen kommt "Arlo & Spot" zwar nicht heran, aber zumindest den artverwandten "Ice Age" überflügelt man. Mit einem überraschendem Drogentrip in der Mitte des Films, einem hohen Tier-Bodycount & dunklen Trauma-Momenten, ist auch für die Eltern der Kiddies genug geboten. Ein echter Pixar, sag ich ja! 

Der hundeartige, treue & angstfreie Spot ist so mutig wie zuckersüß, Brachiosaurier Arlo entwickelt sich von einer nervenden Bangbüchse zum aufgeblühten Held & der Film bietet Szenen, die definitiv in Erinnerung bleiben. Seien es aufsteigende Glühwürmchen, matschige Wassermassen oder aus ihren Löchern geblasene Erdmännchen. Ich war nach all den Problemen hinter den Kulissen auf das Schlimmste vorbereitet - bekommen habe ich einen wundervollen Weihnachtsfilm. Aber bitte wie gesagt, nicht erwarten, den Minis wird hier leichte Nachmittagskost geboten. Und das ist auch gut so: auch unsere Kleinen, immer in Watte gepackten Ex-Babies, dürfen ruhig mal nachdenken, erschreckt & mit dem Leben konfrontiert werden ;) Genauso wie Arlo. Aber wer sich im Sommer schon über "Alles steht Kopf" aufgeregt hat, wie traurig & enttäuschend der Film doch für seine 6-jährige Tochter war, sollte hier einen großen Bogen machen. Und nebenbei mal seine Erziehungsmethoden & Weltbild überdenken.

Fazit: trotz nicht allzu innovativer Geschichte, trotz krisengeschüttelter Produktionsgeschichte - es ist ein verdammt guter & rührender Pixar-Film, der emotionaler & hübscher ist, als alles, was je mit "Ice Age" betitelt war!

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