Review

Staffel 1

Die Teufel tanzen wieder ... und wie!

Als Sam Raimi auf der San Diego Comic-Con im Jahre 2014 verlauten ließ, dass er eine Fortsetzung seiner "Evil Dead"-Filme plane, frohlockte die Fangemeinde. Weiteren Applaus erntete er mit der Bestätigung, dass kein anderer als sein langjähriger Weggefährte Bruce Campbell diesmal wieder in seine Paraderolle als Ashley Williams schlüpfen werde. Das war sozusagen die Nachricht des Jahres!
Ich muss zugeben, als ich davon gehört habe, war ich Feuer und Flamme! Und die Idee, aus "Tanz der Teufel" eine Fernsehserie zu machen, stieß bei mir auch sofort auf Gegenliebe. Ganz einfach weil sich die komplette "Evil Dead"-Familie persönlich darum kümmern möchte. Für Sam Raimi, Bruce Campbell, Ivan Raimi und Robert Tapert ist es ihr "Baby". Sie halten immer noch über all die Jahre die schützende Hand über das "Evil Dead"-Franchise. Dafür muss man ihnen absolut dankbar sein, schließlich tanzen die Teufel schon seit 1978!

Nun also die Frischzellenkur! Inhaltlich spielt die Serie 30 Jahre nach den Ereignissen aus "Tanz der Teufel II". Ash arbeitet mehr oder minder "erfolgreich" seit einigen Jahren im Valueshop. Er versucht mit den grauenhaften Ereignissen auf seine Art fertig zu werden. Doch, leicht schusselig, wie er nunmal ist, zitiert er beim gemeinsamen Kiffen mit einer seiner Eroberungen aus dem Necronomicon und entfesselt das Böse von neuem! Oder war es nie weg; hat es nur all die Jahre geruht und auf seine Chance gelauert!? Nunja, nachdem es ihm wieder eingefallen ist, dass er für all den Schlamassel verantwortlich ist, begibt er sich mit seinen beiden Arbeitskollegen Pablo und Kelly auf die Suche nach einer Möglichkeit dem Bösen Einhalt zu gebieten. Doch nicht nur das Böse ist ihnen auf den Fersen, sondern auch die undurchsichtige Ruby und die Polizistin Fisher, die Ash für die Dämonisierung ihres Kollegen verantwortlich macht...

So weit, so gut... Und nun beginnt eine herrliche Achterbahnfahrt! Was ist das nur für eine außerordentlich tolle Serie geworden!
Ganz ehrlich, man merkt in jeder Faser, dass Sam Raimi genau weiß, was er seiner Fangemeinde schuldig ist. Es gibt viel Humor, tolle Musik, richtig krassen Splatter, Spannung und noch vieles mehr. Doch der Reihe nach...

Bleiben wir bei der Geschichte. Sie wird sehr geradlinig erzählt, dadurch, dass es immer nahtlos am Cliffhanger der vorigen Episode weitergeht, bekommt man den Eindruck, einen besonders langen "Evil Dead"-Film zu sehen. Das gefällt mir an der Serie sehr gut. Es gibt Hintergrundinformationen zum Necronomicon und auch zu den Hauptcharakteren. Natrürlich steht hier trotzdem der Spaß im Vordergrund. Ash haut einen Spruch nach dem anderen raus und auch seine Kollegen stehen ihm in nichts nach. Die Serie bietet in etwa die Ausgewogenheit an Lachern und absolutem Horror wie der 2. Teil der "Evil Dead"-Reihe. War der erste "Tanz der Teufel" eher ernst und bluttechnisch gesehen, sehr hart, hat sich alles im 2. Teil etwas aufgelockert um dann mit der "Armee der Finsternis" ganz in Richtung durchgeknallte Abenteuer-Komödie abzudriften.

"Ash vs. Evil Dead" bietet etwas von allen drei "Evil Deads". Es gibt kurze Rückblicke und auch eine Menge versteckte Anspielungen auf die Kinofilme. Ich finde, dass vor allem die letzte Episode der 1. Staffel phasenweise den Horror des ersten "Tanz der Teufel" erreicht. Da gibt es eher wenig Lacher und mehr Ernsthaftigkeit. Sowieso die letzten vier Episoden, in denen Ash wieder in die wohl berühmteste Waldhütte der Filmgeschichte zurückkehrt, sind grandios umgesetzt! Hier zollt das Team um Sam Raimi (er selbst hat lediglich die 1. Episode selbst inszeniert) der eigenen Filmtrilogie respekt und erweitert diese sogar.

Umgesetzt ist das alles richtig gut. Die Effekte können sich sehen lassen, hier schafft man einen sehr guten Kompromiss aus handgemachtes, vor allem bei den Dämonenmasken, und dem neuzeitlichen CGI. Sicher, man kann das CGI-generierte Blut schnell vom "Echten" unterscheiden aber mich hat das überhaupt nicht gestört. Und es "matscht" so richtig in dieser Serie! Die Macher wissen ganz genau, was sich der "Evil Dead"-Fan wünscht...

Bei den Schauspielern bleibt kein Wunsch offen, alle agieren sie mit solch einer Lust, die sofort auf den Zuschauer überspringt. Allen voran natürlich, "unser" ewiger Ash, Bruce Campbell! Aber auch die anderen machen ihre Sache richtig gut. Ray Santiago als Pablo ist, nach anfänglichen Schwierigkeiten, ein echter Sympathieträger und Dana DeLorenzo's Kelly ist gleichermaßen taff als auch überfordert, dabei aber so schön entwaffnend ehrlich, dass es einem warm ums Herz wird. Dieses Dreiergespann macht einfach riesigen Spaß!
Ergänzt werden sie von einer Lucy Lawless ("Xena"), die sichtlich eine Menge spaß an ihrer Rolle hatte. Nicht vergessen sollte man auch noch die tolle Jill Marie Jones, die die Polizistin spielt, die es auf Ash abgesehen hat. In den Nebenrollen taucht dann auch noch eine Mimi Rogers auf, die vor allem in den 80er und frühen 90er Jahren sehr bekannt war.

Sam Raimi konnte bei "Ash vs. Evil Dead" auch auf Joseph LoDuca zurückgreifen, der die originale Filmtrilogie schon musikalisch vertont hat. Erweitert wird das Ganze auch durch perfekt platzierte Rocksongs von Deep Purple, AC/DC oder auch Ted Nugent. Da muss man unweigerlich an eine andere Horrorserie denken, bei der das auch schon sehr gut funktioniert hat: "Supernatural"!

Ich bin mal gespannt, wie Sam Raimi und seine Crew das "Evil Dead"-Franchise weiterspinnen. Es soll ja ein zweiter "Armee der Finsternis" kommen und eine Fortsetzung der gelungenen Neuverfilmung. Raimi hat ja auch schon mehrmals verlauten lassen, dass er mit dem Regisseur der Neuverfilmung, Fede Alvarez, plane, die Geschichten von Ash und Mia zusammenführen zu lassen. Wäre doch auch eine Idee für die Serie... Oder die Winchester-Brüder schauen mal vorbei...

Zum Abschluß muss ich noch eine Lanze für die deutsche Fassung brechen! Ich habe schon auf einigen Plattformen gelesen, dass die Serie schlecht synchronisiert wurde. Vor allem die Stimme von Ash würde gar nicht passen. Klar, sie klingt anders, als Bruce Campbell im Original. Aber ich finde, sie passt dennoch sehr gut zu ihm bzw. zum Charakter. Jan Spitzer macht seine Sache ziemlicht gut, gerade die kauzigen, sehr launigen Sprüche von Ash bringt er witzig rüber. Im Laufe der ersten Episode freundet man sich schnell mit seiner Stimme an. Sie ist ja auch nicht gerade unbekannt. Die restlichen Schauspieler haben teilweise sehr gute, angenehme Synchronsprecher bekommen. Positiv ist mir aufgefallen, dass Lucy Lawless von Susanne von Medvey gesprochen wird, die ihr schon als "Xena" in den 90ern die Stmme geliehen hat, was für die deutschen Fans einen Wiedererkennungswert bietet.

Fazit: Eine absolut geniale Fortsetzung der "Tanz der Teufel"-Reihe, die einiges zu bieten hat, was das Fan-Herz höher schlagen lässt: viel Humor, viel Blut, interessante, zum Teil äußerst skurrile Charaktere und ein Hauptdarsteller, der alles gibt! Er spielt nicht nur Ash, er ist(!) Ash! Sicher, man sollte schon mit solch einem Stoff etwas anzufangen wissen. Wer mit Horror und Splatter bzw. mit "Tanz der Teufel" bisher gar nichts anfangen konnte, für den ist die Serie eindeutig nichts! Für alle anderen bleibt sie eine absolute Empfehlung!

Details
Ähnliche Filme