David Leans großes Irland-Epos - oder ist es genau das nicht? Der Osteraufstand 1916 spielt zwar eine nicht unwichtige Rolle in diesem Liebesdrama von David Lean (dessen größter Misserfolg bei Kritik und Publikum dieser Film werden sollte) - aber im Vordergrund steht der Konflikt einer hübschen, nervös-sprunghaften jungen Frau (Sarah Miles, die Frau des Drehbuchautors Robert Bolt, erweist sich als gute Wahl für die Rolle), die zwischen einem überaus verständnisvollen, gutherzigen Ehemann (wunderbar von dem hier völlig gegen sein Rollenbild eingesetzten Robert Mitchum gespielt) und einem kriegstraumatisierten, melancholischen jungen britischen Offizier (Christopher Jones), der in dem kleinen irischen Dorf (komplett für diesen Film gebaut) wie seine Kameraden als Landesfeind verrufen ist, wählen muss. Eine kleine Geschichte in einem übergroßen epischen Gewand? Groß sind an diesem Film vor allem die atemberaubenden Naturaufnahmen von der irischen Westküste. Wenn man sich für die Kunst der Landschafts-Kinematographie und die Natur Irlands interessiert, muss man diesen Film sehen.
Der Film hat aber auch seine weniger erfreulichen Seiten. Die irische Dorfbevölkerung ist zu sehr als hässlich-gemeiner Pöbel gezeichnet, der zudem in etwas steif inszenierter Art und Weise immer, wenn es für eine Szene nötig ist, untätig an der Straße herumlungert und der Dinge harrt, die da kommen. Der omnipräsente scheinbare "Dorftrottel" (John Mills bekam für diese Darbietung einen "Oscar") wird von den Dorfbewohnern natürlich unablässig gequält. Zur Stelle ist da der ebenso omnipräsente, volksnah-zupackende Dorfpriester (Trevor Howard in einer klischeehaft kirchenfreundlichen Rollenzeichnung). Die irischen Rebellen sind als überaus finster und hinterhältig dargestellt. Barry Foster macht darstellerisch eine gute Figur als ihr Oberhaupt Tim O'Leary - bevor ihn wenig später mit seiner Rolle in Hitchcocks "Frenzy", die ihm immer nachhängen sollte, sein schauspielerisches Schicksal ereilte. Leo McKern als heuchlerisch-opportunistischer Gastwirt Ryan (ebenfalls eine zu sehr ins Negative hineingeschriebene Figur) vermag es, gegen das stereotypisierende Drehbuch anzuspielen und seiner Figur eine sympathische und glaubwürdige Seite zu verleihen.
Gegenüber der visuellen und darstellerischen Größe des Films versagt neben einigen Aspekten des Drehbuchs vor allem die Filmmusik von Maurice Jarre. Mit Irland als eigenwilliger Natur- und Kulturlandschaft weiß der Komponist nichts anzufangen, knüpft nirgendwo an das musikalische Erbe der Insel an (gerade vor diesem geschichtlichen Hintergrund mit seinen Rebellenliedern ein Unding) und ergeht sich in kleingeistigen Genrestücken wie den ärgerlich entstellenden Zirkusmärschen beim Auftritt von John Mills' eigentlich sehr komplexer Figur, die dadurch zum Clown herabgewürdigt wird. Nur das Hauptthema entfaltet ab und zu eine anziehende und unterstützende Wirkung. Dass es noch viel schlimmer ging, hatte Jarre allerdings einige Jahre zuvor mit seiner schauderhaften, von kitschiger Chromatik überladenen "Doktor Schiwago"-Titelmelodie gezeigt. Trotzdem hätte ein Komponist mit Gespür für die Szenerie mit diesen teils atemberaubenden Bildern wesentlich mehr anfangen können und müssen.
Atemberaubende Bilder: Noch ein weiterer Beteiligter bekam für seinen Beitrag zu diesem Film einen "Academy Award", nämlich Kameramann Freddie Young, und das wirklich mehr als zu Recht. Doch auch Regisseur David Lean, der auf die Bildkomposition viel Sorgfalt verwandte (in einem Ausmaß, das in der heutigen Filmindustrie wohl nicht mehr denkbar wäre...) muss man für die visuelle Größe des Films danken - der im Ganzen doch deutlich zu Unrecht so wenig populär ist.
Beispielsweise die Liebesszene in einem kleinen Wäldchen scheint in ihrer naturmagischen Intensität Einfluss auf thematisch ähnliche Darstellungen in John Boormans optisch nicht minder brillantem "Excalibur" genommen zu haben. Ein in wenigen Punkten angreifbares, aber in manchen Punkten auch unverzichtbares und unersetzliches Werk eines idealistischen Regisseurs.