Review

Trotz Sendeterminverschiebung aufgrund der Anschläge in Paris hielt man sich über den Inhalt des zweiten Teils des großen Tilort-Zweiteilers bedeckt und selbst Schweigers persönlichem Presseblatt, der TV Movie, verweigerte man nähere Informationen zum Finale. Weder Ausschnitte noch Storydetails wurden raus gegeben. Angeblich alles nur, um die Spannung aufrecht zu erhalten. Hat sich diese konsequente Infosperre letztendlich gelohnt? Wir werden sehen...

Inhaltlich schließt man dort an, wo "Der große Schmerz" aufgehört hat. Terroristen kapern die Tagesschau und nehmen Geiseln. Nicht etwa, um die Abschaffung der GEZ-Gebühren zu erpressen, sondern um an Firat Astan (Erdal Yildiz) zu gelangen. Wird der Gangsterboss ihnen nicht innerhalb eines gesetzten Zeitlimits übergeben sollen Geiseln erschossen werden. Eigentlich kein Problem, da Nick Tschiller (Til Schweiger) den Mörder seiner Ex schnell in die Griffel bekommt. Trotz Rachegedanken scheint er Astan den Terroristen übergeben zu wollen. Doch Nick vermutet, dass da mehr im Busch ist, und begibt sich mit Astan auf eine Stadtrundfahrt durch Hamburg, um hinter die wahren  Hintergründe der Geiselnehmer zu gelangen. Fortan ist er nicht nur im Visier von russischen Killern, sondern auch in dem seiner eigenen Leute.

Genau wie die Story knüpft auch Til Schweiger (Der Eisbär) nahtlos an seine Leistung aus "Der große Schmerz" an. Den Action-Haudrauf wickelt er routiniert ab, aber bei emotionalen Szenen gerät er ins Schwanken. Ist bei ihm aber auch nix Neues. Von seiner Tochter Luna (Schutzengel) bekommt man zum Glück weniger zu sehen als noch in den Vorgängern. Meinetwegen hätte sie auch die ganze Folge über im Schneewittschenschlaf verweilen können, aber mit der Schlussszene will man uns wohlmöglich zukünftige Tatorte mit Schweiger Jr. als Ermittlerin androhen. Hoffentlich nicht! Erdal Yildiz (Kokowääh 2) gibt nachwievor einen brauchbaren Schurken ab und auch Fahri Yardim (Der Medicus) setzt abermals die darstellerischen Highlights. Ok, so schwer ist das auch nicht. Wie schon in "Kopfgeld" darf Britta Hammelstein (Helmut Schmidt - lebensfragen) hier größer auftrumpfen als sonst, was sie wieder gut macht. Indessen gibt Arnd Klawitter (U-571) den schmierigen Politiker, der mit der Zeit aber mit immer den gleichen Sprüchen nur noch zu nerven beginnt. Zuguterletzt schlägt sich noch Nils-Bruno Schmidt (Das Blut der Templer) als SEK-Anführer recht wacker.

Hat man gedacht nach dem eher spärlichen Actioneinsatz in "Der große Schmerz" wird nun im Finale groß aufgedreht, so stellt sich schnell Ernüchterung ein. Pustekuchen mit Action-Overkill! Wollte man ein Zugeständniss an die traditionelle "Tatort"-Klientel machen oder nicht Gefahr laufen den kommenden Kinofilm zu toppen? Geschenkt! Immerhin wird kurz mal eine Panzerfaust ausgepackt, was bei einem Teil der besagten Klientel schon für erhöhten Blutdruck sorgen könnte. Auch werden wieder mal ein paar Russen eliminiert, aber ansonsten beschänkt man sich da drauf, dass Tschiller mit Astan quer durch die Hansastadt cruist, während sein Partner versucht hinter die wahren Machenschaften der Geiselnehmer zu kommen. Und auch Astan kocht insgeheim sein eigenes Süppchen, was gegen Ende immerhin zu einem netten und überraschenden Plottwist führt. Tatsächlich ergeben sich hier und da ein paar spannende Momente, die besser gesetzt wurden als im ersten Teil. Vielleicht hat man aus den Fehlern der ersten beiden Tilorte gelernt, da selbst Schweigers Actionparts nicht mehr so sehr over the top insziniert wurden. Kann aber auch wie gesagt an obigen Gründen liegen. In der Gesamtrechnung hebt das diesen Fall dennoch nicht wirklich über das Mittelmaß hinaus. Dazu werden die besagten Spannungsmomente zu oft von Leerlauf-Momenten abgelöst, die sich wie Gummi ziehen. Gegen Ende wird zwar wieder ein wenig das Tempo erhöht, macht den Braten trotzdem nicht fetter als er ist.

Insgesamt etwas besser als "Der große Schmerz", aber nicht ganz so gut wie "Kopfgeld", den ich als Schweigers bisher unterhaltsamsten Einsatz ansehe, wenngleich auch der über einige Schönheitsfehler verfügt. Nun die finale Frage: hat mich der 2-Teiler heiß auf den im Februar anstehenden Kinoausflug gemacht? Nicht wirklich! Heimvideo-Sichtung dürfte genügen oder spätestens die TV-Ausstrahlung Anfang 2018!

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