Im Februar 2016 kommt mal wieder ein "Tatort" in die Kinos. Natürlich mit Til Schweiger (Schutzengel), der somit auf den Spuren von Götz George wandeln will. Bis es aber so weit ist muss noch Vorarbeit geleistet werden, die man mit dem Zweiteiler "Der große Schmerz" und "Fegefeuer" verrichten will. Wie auch bei den beiden Einsätzen zuvor führt auh hier jedes Mal Schweigers persönlicher Tatort-Regisseur Christian Alvart (Pandorum) Regie, damit man sich immerhin mit einem "Hollywood"-Regisseur brüsten kann. Aber wie ist denn nun der erste Teil geworden? Schau'n wir mal:
Nachdem Nick Tschiller (Til Schweiger) Gangsterboss Firad Astan (Erdal Yildiz) bereits zwei Mal in die Suppe spucken konnte, soll der nun nach Bayern verlegt werden, damit man in Hamburg Ruhe vor ihm hat. Da Astan aber irgendwie Null Bock auf den Weiswurst-Äquator hat will er bei dem Transport dahin ausbüchsen. Helfen soll ihm dabei ausgerechnet Erzfeind Nick. Damit der auch die nötige Motivation erhält entführt man seine Ex-Frau (Stefanie Stappenbeck) und Tochter (Luna Schweiger) unter der Leitung von Killerin Leyla (Helene Fischer). Für Nick beginnt ein Wettlauf gegen die Zeit, den seine Kollegen dürfen von dem Fluchtplan nix erfahren. Leichter gesagt als getan, denn Nicks Partner Yalcin Gümer (Fahri Yardim) kommt Tschillers Verhalten recht bald merkwürdig vor...
Schauspielerisch eigentlich alles wie gehabt. Schweiger bekleckert sich nicht mit Ruhm, spielt aber immer noch recht solide. Tochter Luna (Schutzengel) gibt immer noch die Talentverweigerin, während Erdal Yildiz (Fack ju Göhte) und Fahri Yardim (Honig im Kopf) ihre bewährten Parts abspielen. Auch der Rest wie Tim Wilde (Jerry Cotton) und Britta Hammelstein (Der Baader Meinhof Komplex) schließen sich dem an. Ein halber Totalausfall ist allerdings Stargast Helene Fischer. Solange sie nicht redet stört sie eigentlich nicht groß, aber sobald sie sich heraus nimmt eine Sprechrolle zu absolvieren wird's schon ohrenfeindlich. Ihr krampfhaftes Schauspiel einer Schaufensterpuppe tut dann ihr übriges dazu. Aber auch Musik-Kollege Ferris MC (Lord of the Undead) als russischer Gangster ist da nicht viel besser.
In Sachen Action hält man sich im Gegensatz zu den Vorgängern weitestgehend zurück, auch wenn gegen Ende Nick die russische Ganovenbrut kurz zusammen ballern darf. Den großen Action-Overkill will man sich wohl für "Fegefeuer" und den Kinofilm aufsparen. Handlungsmäßig kann man immerhin etwas Spannung erzeugen, auch wenn man sich als Genre-Kenner ausmalen kann worauf es hinaus laufen wird. Bei den Vorgängern hatte man in Interviews immer wieder das Buddy Movie-Element a'la "Lethal Weapon" angepriesen, aber als echte Partner agieren hier Tschiller und Gümer immer weniger. War ihre Partnerschaft schon bei den ersten Einsätzen eher oberflächlich, so driftet man hier immer mehr auseinander, was sich natürlich auch aus der Handlung ergibt. Jedoch macht man daraus letztendlich zu wenig, sondern konzentriert sich überwiegend auf Schweigers Egotrip. Die Schauplätze kommen auch diesmal wieder gut und Hamburg gibt allgemein eine tolle Kulisse ab.
Letztendlich darf man gespannt sein was man im großen Finale gegen Astan in "Fegefeuer" sowie der anschließenden Kinobeweihräucherung Schweigers auffahren wird. Löblich wäre jedenfalls wenn man von überwiegend unfähigen Promi-Gästen wie Fischer und Ferris weg geht und Leute ran lässt, die vom Schauspielhandwerk immerhin etwas Ahnung haben. Wenn man auch hier den Titel "Tatort" großzügig ignoriert, bekommt man immerhin solide Thriller/Action-Kost geboten. Mehr nicht.