Hape Kerkeling dürfte derzeit auf einem absoluten Hoch, in seiner Karriere, sein. Seine 70er-Jahre-Show war ein absoluter Erfolg für RTL und auch "Hape trifft" fuhr einigermaßen gute Quoten ein. Zudem wird seine Arbeit überall in den höchsten Tönen gelobt. Nur in punkto Film sieht es derzeitig nicht so rosig aus. Sein "Samba in Mettmann" floppte böse an den Kinokassen und das wohl hauptsächlich wegen des, allenfalls durchschnittlichen, Filminhalts. Hapes Biss war beim Samba einfach verloren. Die TV-Komödie "Willi und die Windzors" gehört dagegen zu den absoluten Höhepunkten seiner Filmkarriere. Und das zurecht! Denn bissiger als hier, war Hape wohl kaum.
Das fängt schon bei der Story an. Auch wenn es am Anfang vielleicht etwas abstrus klingen mag, dass die englische Königsfamilie, nachdem die Monarchie vom britischen Unterhaus abgeschafft wurde, Unterschlupf bei einer kleinbürgerlichen Familie in Hanover sucht, so ist das Drehbuch in Wirklichkeit doch eigentlich mehr als clever ausgefallen und bietet viel Platz, für Hapes bissigen Humor. Ich würde sogar behaupten wollen, dass es in Sachen deutsche TV-Komödie selten ein besseres und einfallsreicheres Drehbuch zu verzeichnen gab, wie bei "Willi und die Windzors"!
Zurückzuführen ist das natürlich auf den herrlichen, mutigen und wirklich urkomischen Witz, den Kerkeling hier verarbeitet hat. Ja geradezu schamlos geht er hier, mit den einzelnen Familienmitgliedern der Windzors um. Königin Elisabeth ist hier eine versnobte Fregatte, die es einfach nicht kapieren will, dass ihre Monarchie nicht mehr besteht. Prinzessin Diana ist ein kleines Dummchen, Prinz Phillip dagegen ein fast schon über-schlauer Wissenschaftler und Prinz Charles der liebe Schwiegersohn von nebenan. Kerkeling macht vor wirklich niemanden halt, um ihn genüsslich durch den Kakao zu ziehen. Wirklich bösartig wird er dabei allerdings so gut wie nie, die Grenze zwischen Bissig und Böse hält er eigentlich immer ein. Nur bei einer Figur, könnte man es fast schon bösartig nennen. Denn Charles jetzige Ehefrau Sarah Fergusson, wird hier als völlig verblödete Putzfrau dargestellt, die nicht einmal richtig zeichnen kann. Hier hat Kerkeling die Grenze dann doch fast schon überschritten. Aber lachen muss man darüber trotzdem, es geht einfach nicht anders!
Doch nicht nur die Figuren sind zum Brüllen komisch, auch die herrlich groteske Situationskomik darf man nicht außer acht lassen. Wenn Charles mit seinen Söhnen frühmorgens am Bad warten muss, sich Prinzessin Diana mit Prinzessin Margareth auf eine kleine Spritztour aufmacht (oder Frühsport betreibt) oder Willi der Geduldsfaden reist, da sich Elisabeth immer noch nicht eingestehen will, dass sie nicht mehr Königin ist, dann kommt man aus dem Lachen nicht mehr raus. Alle (ja wirklich alle) Gags wurden clever durchdacht und zu Papier gebracht. Die Royals zwischen ganz normalen Bürgern, in einer ganz normalen Reihenhaus-Siedlung, auf dem Weg ins ganz normale Leben. Einfach herrlich!
Schade nur, dass man auf irgendwelche Sprachbarrieren, zwischen dem deutschen Willi und den britischen Windzors, total verzichtet hat. Hier sprechen wirklich alle perfektes deutsch. Und gerade dies hätte doch vielleicht noch für ein paar gute Witze herhalten können. Aber nun gut, wir wollen mal nicht kleinlich sein!
Was die Inszenierung angeht, hält sich natürlich alles soweit auf TV-Niveau, wobei man aber die Ausstattung des Schlosses und die Kostüme der Darsteller dennoch nicht übersehen sollte. Allesamt wurden sie wirklich glaubwürdig eingekleidet und geben ein gutes Bild der Kleiderordnung unter den Windzors ab. Musikalisch kann man auch zufrieden sein, wobei man jetzt natürlich keinen Kinosound erwarten sollte. Aber wer macht das hier schon?
Darstellerisch ist des weiteren ebenfalls alles auf grün gestellt. Egal wenn man in diesem Getümmel auch nimmt, wirklich jeder Darsteller, stellt mehr als zufrieden. Egal ob es nun Brigitte Mira als hochnäsige "Queen Mum" ist, Irm Herrmann als total versnobte "Queen Elisabeth", Ludger Pistor als kindischer "Prince Charles", Tana Schanzara, in ihrer ewig herrlichen Mutterrolle der Else Bettenberg, oder eben Hape Kerkeling, als ganz normalbürgerlicher Willi. Alle sind sie wirklich fabelhaft, in ihren Rollen, und stellen die "Creme de la Creme" der deutschen Fernsehschauspieler da. Besser hätte es kaum sein können!
Fazit: Wundbar komische TV-Komödie, wie man sie nur von Hape Kerkeling erwarten kann und wie sie in der Fernsehlandschaft nur sehr selten anzufinden ist. Ein herrlich schräges Drehbuch, wunderbar komische Charaktere und eine gekonnte und bissige Situationskomik, ergeben eine traumhafte Fernsehkomödie, die man sich nur immer wieder ansehen kann. Einer von Hapes ganz großen Höhepunkten, in seiner gesamten Karriere und, zusammen mit "Club Las Piranjas", auch eine der besten deutschen TV-Komödien aller Zeiten! Bravo!
Wertung: 8,5/10 Punkte