Zwei Mädels in einem roten Mustang - Emily und Leslie - fahren auf einer wenig frequentierten Straße; und während sie vor sich hin plappern, überholen sie unter anderem einen Abschleppwagen. Der erweist sich in der Folge als lästiger Begleiter, überholt er doch die beiden Mädels öfters und wartet dann auch mal auf sie. Er scheint einen recht starken Motor zu haben und kann den Sportwagen ein ums andere Mal einholen, dessen Fahrerinnen sich langsam aber sicher bedroht fühlen. Nach einer Reifenpanne ist die zunehmend panischer werdende blonde Emily plötzlich alleine im Auto und versucht mit allerhand Tricks dem Abschlepper, der inzwischen keine Last mehr am Haken hat, zu entkommen. Ob es ihr wohl gelingen wird, den tödlichen Zweikampf zu gewinnen...?
Wem die geschilderte Situation irgendwie bekannt vorkommt, der liegt vermutlich richtig: Wrecker ist ein Aufguß des 1971er Spielberg-Klassikers Duell. Und wie immer, wenn sich eine Neuverfilmung an derartige Ikonen heranwagt, muß sie sich einen Vergleich mit dem Original gefallen lassen - in diesem Fall jedoch eher nicht, denn diese kanadische Produktion ist mehr eine schlechte Kopie denn eine wirkliche Neuverfilmung. Besonders in der ersten Filmhälfte scheinen nahezu alle Filmszenen in einer Nacherzählung des klassischen Stoffs zu bestehen, angefangen vom Durchwinken zum Überholen bis zur "Identitätsprüfung" anhand der Schuhe in einer Gaststätte. Erst dann kommen zögerlich ein paar Abwandlungen ins Spiel, von "neuen Ideen" kann man nicht wirklich sprechen. Statt dem Schulbus läßt das Drehbuch ersatzweise einen einzelnen(!) Streifenpolizisten auftauchen und den Güterzug, in den der originale David Mann geschoben werden soll, läßt man nur als Kulisse vorbeifahren - dafür gibts dann eine merkwürdige Reifenpanne, in deren Folge eins der beiden Mädels verschwindet.
Wäre dieser Aufguß wenigstens überzeugend gedreht und mit halbwegs glaubhaften Protagonisten besetzt, könnte man ihn sich als Variation eines Themas zumindest einmal anschauen - leider liegen hier die größten Schwächen des Films: Massenweise Anschlußfehler und unlogisch begründete Handlungen stören den Ablauf, dem man teilweise nur dann folgen kann, wenn man das Original kennt. So fahren die Mädels plötzlich von der Straße auf einen Kiesweg, wo anscheinend zwei Buben Fußball spielen - in der nächsten Einstellung sitzen beide in einem Schnellimbiß und entdecken den Abschleppwagen auf dem Parkplatz. Daß sie zu dem Rastplatz abbiegen, war vorher (Kiesweg) nicht zu erahnen; daß der Abschlepper auch dort parkt, wird gar nicht erst gezeigt. Warum dessen Fahrer im Schnellimbiß anwesend sein soll (er könnte genausogut draußen warten) erschließt sich ebensowenig wie der plötzliche Stimmungsumschwung der eher besonnenen Emily, die einfach mal aufsteht und einem Trucker den Burger aus der Hand schlägt - naja, weil´s im Original auch so ablief. Die dort jedoch meisterlich aufgebaute Nervosität eines mit sich selbst ringenden, verzweifelten Michael Mann, die ihn zu dieser Aggression treibt, fehlt hier völlig.
Was die beiden Hauptdarstellerinnen betrifft, so nerven diese durch ihr sinnloses Geschwätz schon nach kürzester Zeit, besonders die dunkelhaarige Leslie - dankenswerterweise verschwindet sie nach der ersten Filmhälfte. Warum das so ist, erfährt man nicht, man kann es nur erahnen, nämlich bei der einzigen halbwegs guten Idee, die Regisseur Michael Bafaro in sein schwaches Plagiat einfliessen hat lassen: Nach einer Vollbremsung aufgrund einer Reifenpanne schaffen es die beiden Mädels nicht, den Reifen zu wechseln - als der Truck sich nähert, flüchten sie in ein Feld, wobei die blonde Emily stürzt und ohnmächtig wird. Als sie wieder erwacht, ist sie allein - und der Reifen sitzt aufgepumpt und festgezogen wieder dort wo er hingehört! Wer diese sehr kurze Szene vielleicht übersehen hat: Das war der Fahrer des Abschleppwagens, der damit sein auserkorenes Opfer wieder mobil gemacht hat...
Leider geht es dann wieder mit Unzulänglichkeiten im Minutentakt weiter, erwähnt seien ein makelloses Heck des Mustang, obwohl er mehrfach von hinten gerammt wird, etwas Schreckliches im Kofferraum, was gar nicht erst gezeigt wird, oder einem laut Handlung knapp an der Fahrertür vorbeirauschenden Truck, der aber erkennbar einige Meter weiter entfernt vorbeizieht... die Selbstgespräche der immer hektischer werdenden Emily erinnern zunehmend an "Dumpfbacke" Kelly Bundy und bringen damit einen gewissen, wohl eher unfreiwilligen Trash-Faktor ins Spiel, der dem auf atemloser Spannung basierenden Original dann überhaupt nicht mehr entspricht. So gesehen ist Wrecker ein miserabler Amateurstreifen mit schlechter Post-Produktion und einem ganz billigen CGI-Effekt zum Schluß, der sich die niedrigste Wertung verdient hätte - da er aber auch als Beweis dafür dient, daß sich Klassiker nicht so leicht reproduzieren lassen, sind 3 Punkte wohl angemessen.