Review
von Leimbacher-Mario
Staffel 1 - 8/10
Staffel 1
Indische Spezialität
"Master of None" erzählt von Dev, einem recht erfolglosen New Yorker Schauspieler mit indischen Wurzeln, der in der Stadt, die nie schläft lebt, isst, liebt, noch mehr isst und als Mit-Dreißiger versucht sein Leben endlich in geregelte Bahnen zu kriegen... Was macht die Netflix-Serie so cool? Was hebt sie von anderen Big Apple-Dramödien ab? Ist an der konservativen Hippster-Kritik was dran? Und was macht die Serie zu einem leicht verdaulichen, vollkommen lohnenswerten Zwischensnack?
Hier ein paar Gründe:
POSITIVES
- man merkt an jeder Ecke die Leidenschaft und das Herz, das Aziz Ansari in die Serie als Darsteller sowie Schreiber steckt
- Essen spielt eine wunderbar große Rolle
- Dialoge wirken meist clever, witzig, unglaublich echt und vollkommen hollywood-untypisch
- Figuren sind nachvollziehbar und trotz oder gerade wegen Fehlern sehr sympathisch
- New York bleibt ein schicker und cooler Schauplatz
- der Soundtrack rockt unterschwellig
- der Indie-Style gefällt mir
- spricht überraschend Wahrheiten an, auch welche die nicht immer angenehm sind (Kinderkriegen, Minderheiten in Film+Fernsehen, Umgang mit Eltern und älteren Menschen, Beziehungsprobleme)
- bringt Weisheiten des Lebens lockerleicht auf den Punkt
- skurrile Nebenfiguren
- außergewöhnliche Erzählweise
- wirkt ungewöhnlich lässig und nicht hastig
- voller melancholischer und nachdenklicher Untertöne
- Vieles wirkt improvisiert und hat starke Chemie
- bunte Besetzung
- dreht Vorurteile und Klischees auf links
- kann über sich selbst lachen
- kurz und knackig
NEGATIVES
- Hippster-Attitüde kann abschrecken
- nicht immer so witzig wie er meint zu sein
- kaum Fortgang der Story; viel Auf-der-Stelle-Mäandern
- ein paar Klischees gibt es doch (Midlifecrisis, indische Eltern, Hollywood-Produzenten usw.)
- Themen können sich wiederholen
- trotz aller Authentizität wirken manche Dialoge gestelzt und zu schlau für die alltägliche Welt
- tonal manchmal uneben
- zu viel New York
- hat Woody Allen vor 40 Jahren schon ähnlich gemacht
Fazit: quirlig, authentisch, sympathisch - "Master of None" erzählt clever über alles und nichts, ist ein hipper Look auf das Leben, Lieben und Leiden im Big Apple. Woody Allen gefällt's bestimmt. Mir auch. (8/10)