Zwei Filme zum Preis von einem? Da greift nicht nur der Filmsammler auf dem Grabbeltisch gerne zu, sondern im ersten Schritt auch der Produzent, der erst einmal Kapital in die Filme pumpt, bevor sie überhaupt produziert und vermarktet werden. Nach dem Erfolg der ersten Trilogie um Toulons mörderische Puppen, gefolgt von den gescheiterten Plänen um einen teuren Paramount-Kinofilm, erkannte Charles Band die Gelegenheit, zumindest weiter den Videomarkt zu bedienen und seine Franchise möglichst schnell und günstig auf insgesamt fünf Teile auszuweiten. Und was wäre wohl schneller und günstiger, als Cast und Crew nur einmal zu bezahlen und das abgedrehte Material am Schneidetisch in zwei Filme aufzuteilen?
Das Studio traf hier eine folgenschwere Entscheidung, die sich auch auf die Zukunft der Reihe auswirken würde. Bis zu diesem Zeitpunkt hatte schließlich noch jeder einzelne Teil seine kleinen Innovationen eingebracht und sich damit Alleinstellungsmerkmale erarbeitet, die es erlaubten, dass man sich je nach Präferenz seinen persönlichen „Puppetmaster“-Liebling herauspicken konnte. Im Grunde gilt das sogar noch für „Puppetmaster IV“, das erste Kapitel des back-to-back gedrehten Doppelschlags, denn auch dort werden neue Kreaturen und Charaktere eingeführt, neue Kulissen präsentiert und neue Schwerpunkte gesetzt, die man eben durchaus favorisieren kann, wenn sie den eigenen Geschmack treffen. Rückblickend ist die Bandbreite an erzählerischen Perspektiven, die in den ersten vier Filmen binnen fünf Jahren ausprobiert wurden, eine der größten Qualitäten der Gesamtreihe.
„Puppetmaster V“ ist nun der erste Teil, der keinerlei nennenswerte Besonderheiten zu bieten hat, sondern sich ganz und gar auf das verlässt, was „Puppetmaster IV“ wenige Monate zuvor mitgebracht hatte. Ob nun Sutekh in der Unterwelt oder die ausgesandten Totems im Labor, ob Decapitron mit Toulon-Kopf oder Teslaspulen, sämtliches Pulver war bereits verschossen. Für das vermeintlich große Finale, das die Reihe eigentlich abschließen sollte, bleiben nur die Schmauchspuren zurück. Allenfalls ein paar bekannte Gesichter unter den Neuzugängen können bei Genre-Fans für ein Aha-Erlebnis sorgen; so sieht man zum Beispiel Ian Ogilvy („Der Hexenjäger“) als aalglatten Firmenchef, Duane Whitaker (Maynard aus „Pulp Fiction“) als Handlanger und Ron O’Neal („Superfly“) als Detective. An fehlenden echten Schauwerten können sie in ihren kleinen Rollen jedoch nichts ändern.
Dabei ist das mächtige Aufgebot an Beteiligten mit Autoren-Credits (gleich sechs sind’s in der Summe) sehr darum bemüht, das Ganze nicht wie eine zweite Filmhälfte nach überlanger Werbeunterbrechung wirken zu lassen. Offensichtlich ist seit den Ereignissen aus „Puppetmaster IV“ etwas Zeit vergangen, denn Rick (Gordon Currie) sitzt inzwischen in Untersuchungshaft und wird des Mordes an den Doktoren Piper und Baker verdächtigt, die in Wirklichkeit Opfer der hässlichen Wichte geworden waren… aber wie verklickert man das einem Polizisten? Das Drehbuch findet nach einer unnötig langen Rückblende zur Streckung der Laufzeit dennoch einen Weg, den Hauptdarsteller zurück ins Bodega Bay Inn zu verfrachten, denn nichts böte sich schließlich mehr an als Showdown für den Kampf gegen Sutekh, der diesmal nicht mehr seine Handlanger vorschickt, sondern lieber seinen eigenen Totem aktiviert (alles muss man halt selber machen). Und als wäre das noch nicht genug, mischt auch noch Dr. Jennings (Ian Ogilvy) mit, der Direktor des zwielichtigen KI-Unternehmens, der von ominösen Geldgebern geradezu dazu gedrängt wird, sich Toulons Puppen unter den Nagel zu reißen, um dem Geheimnis des Serums auf die Spur zu kommen und damit viel Geld zu verdienen. Also bricht er gemeinsam mit drei Handlangern ins Hotel ein, wo es zum großen Aufeinandertreffen zwischen allen Parteien kommt…
Das darauf folgende Chaos kann man sich bildhaft vorstellen, auch ohne den Film gesehen zu haben. Ein fieser Dämon, ein fast schon naiv-gutherziger Lead mit seiner gleichgesinnten Freundin (wieder Chandra West) und dazwischen viel Gewusel in der Grauzone, vom schmierigen Egoisten über das dumme Kanonenfutter bis hin zu den Puppen, die es einst selbst faustdick hinter den Ohren hatten und nun die Lager gewechselt haben. Unweigerlich laufen sich diese Gruppen früher oder später in den engen Fluren des Hotels über die Füße, und manchmal kann man sich nicht ganz sicher sein, wie das Aufeinandertreffen dann ausgeht. Die meisten Situationen werden allerdings eher halbgar aufgelöst, passend zur Inkonsequenz, mit der inzwischen der Gore-Faktor behandelt wird. Blutig wird es eigentlich nur in Anwesenheit von Sutekh, und selbst bei ihm werden anstatt richtiger praktischer Effekte eher Taschenlampen abgefilmt, deren Lichtkegel sich durch das spritzende Blut langsam rot färbt. Der Grundton bleibt nahezu kindgerecht, wobei dann wiederum eine verstörende Alptraumsequenz nicht ins Bild passt, bei der Teresa Hill in einer Badewanne mit rotem Wasser liegt und diabolisch grinst, während Tunneler ihr gerade ein Loch in den Kopf bohrt.
Bei den Puppen selbst muss man die Variation inzwischen eher in ihrem Zusammenspiel suchen als in ihrem Kader. Während Tunneler und Pinhead in den ersten Filmen wie Best Buddies wirkten, die gemeinsam an der Front für die harte Action sorgten, ist Letzterer inzwischen eher mit Jester unterwegs. Der lenkt mit seinen Grimassen das Opfer ab, so dass der Muskelprotz zuschlagen kann – gar nicht so blöd. Auch Torch taucht endlich wieder in der Besetzung auf und bestreitet ein feuriges, wenn auch recht kurzes Intermezzo. Blade wird gefühlt zum ersten Mal wirklich seiner Leader-Rolle gerecht und zieht spürbar die Fäden, während er in früheren Filmen eher wie eine dunkle Eminenz im Schatten wirkte, die ihr fahles Gesicht nur auf Kommando zum Vorschein brachte, fast wie der Hellraiser-Pinhead in den Billig-Sequels der 00er Jahre. Six Shooter glänzt wieder mit ein paar Revolver-Tricks und fällt erneut durch sein unkontrolliertes Lachen auf, das nach Joaquin Phoenix’ „Joker“ auf tiefere psychologische Störungen hinzuweisen scheint. David Allen ist bei alldem übrigens zum letzten Mal mit an Bord, um die Puppeteer-Künste seiner Kollegen mit Stop-Motion-Effekten zu veredeln. Man spürt aber, dass die Bedeutung seiner Arbeit weiter abnimmt und der größte Teil der Animationen nun mit Fäden und Mechaniken gelöst wird.
Selbst Guy Rolfe kehrt als würdelos einkopierter sprechender Kopf wieder zurück, ohne auch nur einen Deut seiner schauspielerischen Qualitäten aus „Puppetmaster 3“ unter Beweis stellen zu dürfen. Er ist Teil einer Endkampf-Routine, die zum zweiten Mal in Folge auf fast identische Weise abgespult wird – Decapitron aktivieren und schon boxt der Papst im Kettenhemd. Die Saga endet (vorläufig) denkbar unspektakulär durch Wiederholung. Charles Band wäre vielleicht gut beraten gewesen, sich den ein oder anderen Trumpf für die Fortsetzung übrig zu lassen, vielleicht einen noch fieseren Dämonen als Gegner aus der Tasche zu zaubern oder im Finale eine neue Puppe aus dem Zylinder. So hat man aber nun das Gefühl, mit „Puppetmaster V“ einfach eine konfuse Variation von „Puppetmaster IV“ gesehen zu haben.