Rob Zombie's 7. Filmdebüt
Eine Gruppe Schausteller wird entführt und muss sich in einen Parcours Arenenkämpfe mit Psychophaten liefern. Wer 12 Stunden überlebt erlangt die Freiheit zurück...
Endlich, nach Jahren der in Mode gekommenen seichten Geisterfilme, welche die heutige Horrorfilmlandschaft präsentiert, mit Knarrtsch hier, paranormale Vision da, kommt mal wieder was garstig böses in die Kinos. Wer wäre besser dafür geeignet als Rob Zombie? :D
Da harte Horrorfilme derzeit alles andere als "In" sind, war es schon für Rob Zombie schwer diesen Film zu realisieren, als auch einen Verleih für eine Auswertung zu finden. Kommt einen ja schwer bekannt vor, wenn man zu "Haus der 1000 Leichen" zurück blickt, welcher auch auf Halde war, bevor sich Lionsgate erbarmte ihn zu vertreiben.
"Haus der 1000 Leichen" ist das ideale Stichwort auf "31" bezogen. Rob Zombie liefert mit "31" sozusagen ein Best of, auch mit Insidergags aus seinen bisherigen Filmen, ab. Visuell gleicht der Film zumindest sehr Zombies Regiedebüt und punktet durch den eigenwilligen Grindhousestil als auch einer kranken, verstörenden und kompromisslosen Atmosphäre, welches auch die Merkmale von "Haus..." waren. So hat Zombie auch wieder aus seiner Stammbesetzung einen klasse Cast zusammengestellt, allen Voran natürlich seine Frau Sherry Moon Zombie, welche wie gehabt darstellerisch perfekt besetzt ist, aber leider in so wenigen Filmen zu sehen. Auch bei den restlichen Darstellern geht dem Genre Fan das Herz auf, Meg Foster, Malcom Mc Dowell, Jane Carr, Judy Geeson, Lew Temple um nur ein paar zu nennen. Das Zombie ein Gespür für talentierte Schauspieler hat, erkennt man beispielsweise an Richard Brake, welcher Doom Head spielt, in Halloween II noch als Nebendarsteller zu sehen, erkennt Zombie die Talente seiner Darsteller und nutzt sie für seine Filme. So spielt Brake einen zentralen Charakter unter den Killern und zeigt was es heißt ein echt krass Geisteskranker zu sein. Eine absolut hammer Darstellung!
Darsteller, Kulisse und Musik sind sehr stimmig. Der Film hat eine Klasse unbehagliche Atmosphäre. Verschiedene visuelle Stile sorgen für Abwechslung und erheben sich deutlich von den 08/15 Einheitsbrei. Typisch Rob Zombie, im besten Sinne.
Leider kam der Film bei den Fans (die Kritiker eh) nicht all zu gut weg, immer wieder zu lesende Kritikpunkte sind die schwache Charakterzeichnung, verfickte Wortwahl (oder für Feingeister: vulgäre Ausdrucksweise), Gewalt und degradierende Dialoge gegen Frauen, als auch die Verherrlichung von Nationalsozialistischen.
Einige Punkte sind schon nicht ganz unbegründet andere schlichtweg fehlinterpretiert. Die Einführung der Charakter für ein 08/15 Puplikum, ist bei einen Rob Zombie Film immer schwer, da die Dialoge sich auf scherzhaftes sexuelles Gerede zentralisieren, was aber auch ein Typisches Markenzeichen Zombie's ist, wenn sich die Dialoge um Titten, Ärsche und wer wenn fickt (Feingeistmodus: besamt) drehen.
In ein Rob Zombie Film ist kein Platz für die perfekt strahlenden Helden, die immer saubermann sind, immer das richtige tun, sagen und dabei immer geleckt aussehen. Die Zombie Charaktere haben meist immer Ihre Ecken und kannten, tragen aber dennoch Ihr Herz am rechten Fleck.
Was die Gewaltdarstellung betrifft, so schwelgt der Film nicht in hektorliterweise spritzenden Kunstblut, das Gesamtpacket macht es aus, so beherbergt der Film wie erwähnt eine düstere kranke Atmosphäre mit einigen expliziten Gewaltspitzen. Gerade in den Gewalt- und Kampfszenen dominieren schnelle rasante Schnitte, anstelle ewig drauf zu halten wie jmd. zerlegt wird. Was nicht heißen soll das der Film aufzeigt das Sterben eine schöne Sache ist. Es ist aber schon ersichtlich das einige (un-) sinnige Handlungen scheinbar nur getätigt werden um den nächsten Ekeleffekt aufzubauen. Die Effekte sind klassischer Natur handgemacht und wenn zum Einsatz kommend, alles Andere als zimperlich. In Zeiten von permanenten CGI Gewitter verdient das schon eine Erwähnung.
Wo ich seinerzeit in "Haus der 1000 Leichen" in Kino war, leerte sich mit der Zeit immer mehr die Vorstellung, die Besucher munkelten wie scheiße der Film doch wäre, so auch meine Freunde. Ein Umstand der sich bei meinen Kinobesuch in "31" ähnlich verhielt. Hier und da nörgelten die Besucher das der Film scheiße ist, verliesen die Vorstellung inklusive das einige scheinbar keine brutaleren bzw. verstörendere Filme kennen und manch Besucher geschockt über das gezeigte war und man munkeln hörte "wie krass". Was aber wer wie schrecklich empfindet ist aber individuell zu werten und Horror hat viele Gesichter. Zumindest hat der Film so polarisiert das keiner sein Smartphone gezückt hat um sich anders abzulenken. Aber bekanntlich sind ja oftmals die großartigsten Kultfilme die, die seinerzeit in den Kinos nicht der große Wurf waren. So ist seit Jahren ja auch "Haus der 1000 Leichen" schon als Geheimtip bekannt und hat sich zum berüchtigten Kultfilm entwickelt. Vorstellbar das auch "31" in einigen Jahren diesen Status inne hat, genug Potenzial fährt der Streifen dafür auf.
So hab ich eine Kritik gelesen bei der von Hitlervergötterung geredet wird, bei jenen Menschen die sich deswegen aufregen kann ich nur sagen, dass genau das Zombies Absicht war, es wird zu keinen Zeitpunkt eine politische Aussage getroffen, vielmehr dient es als Stilmittel um ein unbehagliches beklemmendes Gefühl zu schaffen, was ja bei naiveren Naturen so gut funktioniert hat, das Zombie sich gleich NS-Gut vorwerfen lassen muss.
Die Dialoge und Gewalt gegen Frauen sind klar vorhanden, aber die Männer sterben nicht minder übel in den Film, letztlich sind es die Frauen die Stärke beweisen und sich nicht kampflos niedermetzeln lassen. Es ist schon eine Kunst und sehr einfach Frauenverachtend zu schreien, wenn man die stärke und den Kampfgeist der Damen komplett ausblendet um sich zu begründen.
Ich hingegen habe eher andere Kritikpunkte, so erschließt sich mir nicht weswegen jährlich diese "Spiele" stattfinden, auf genauere Hintergründe der Organisation wird leider nicht eingegangen (ein Aspekt der deshalb schon schade ist, da Malcom Mc Dowell, als Initiator ruhig mehr Screentime hätte haben dürfen). So konzentriert sich der gesamte Film auf den Parcours der Entführten und deren Kampf ums Überleben.
Der für mich größte Kritikpunkt ist jedoch die typisch unüberlegte Handlung der Charaktere, was kein "normaler" Mensch in der Form oder Sitaution tun würde, machen Sie! Wie bereits erwähnt wirkt das Handeln m.U. lediglich zur Vorbereitung einer nächsten Ekelszene. Ich glaube kaum das ich Appetit verspüren würde wenn ich gerade um mein Leben gekämpft habe und es noch nicht ausgestanden ist, mich von der Gruppe zu trennen um mir allein ein Bild von der Umgebung zu machen, den Killer die Chance zu geben sich wieder zu erheben anstelle ihn gleich korrekt umzulegen etc... die typischen Klischees halt. Nach Logik bei Horrorschockern zu fragen ist ja eh immer so eine Sache, so erschließt es sich mir nicht wie die Auftraggeber ohne Kameraüberwachung das Spiel nachverfolgen konnten. Aber letztlich sind die Kritikpunkte nur punktuell und für einen Horrorfilm eher zweitrangig, da diese Art Film Ihre Stärke aus Atmosphäre und Suspense holen statt formvollendeter Logik.
Das die FSK zunächst die Freigabe verweigerte, ist zwischen lächerlich und nachvollziehbar einzuordnen, da schon wesentlich brutalere und explizietere Streifen problemlos eine Freigabe erhielten, aber welches Material die Jugendschützer, als für Deutschland nicht kompatibel erachteten, kann man sich schon denken, jmd. zu töten ist nun mal nicht mit einen Schlag oder Messerstich getan, da muss man schonmal länger zulangen. Aber letztlich zählten sicher nicht nur einige Gewaltdarstellungen zu der Entscheidung, das wie erwähnte kompromisslose Gesamtpaket inklusive NS Symbolik dürfte zu der 1. Freigabeverweigerung geführt haben. Erst nach Widerruf und Wiederholungsprüfung bekam man letztlich doch noch eine 18er Freigabe. Da man schon für eine Kinofreigabe herumgezickt hat wird man sich wohl für die Heimkinoveröffentlichung von der unzensierten Kinofassung verabschieden müssen. Zwar neige ich immer zu der naiven Vorstellung (oder Wunschtraum), das daß gezeigte auch für den Heimkinomarkt zu vertreten ist, aber das ist halt nur trügerische Hoffnung, die sicher wie eine Seifenblase zerplatzt. Bleibt nur zu hoffen das der Film für die DVD/BD Auswertung nicht all zu sehr für eine FSK 18 runtergekürzt werden muss. Ob nun 5 oder 20 Messerstiche machen zwar auch nicht die Qualität eines Films aus, aber hier und da gibt es ja schon ganz üble Schnittfassungen, wenn es Freigabeverweigerungen hagelt.
Fazit:
Wer kein Bock mehr hat immer nur seichten paranormalen Grusel zu sehen, wem Halloween II (2009) und Haus der 1000 Leichen (2003) gefallen hat, Abstriche bei Logik und Handlung macht , der ist in diesen Streifen bestens aufgehoben. Was man zu sehen bekommt ist wirklich grotesk und krank, eine herrlich düstere Atmosphäre, Kult Darsteller in Massen, ein schöner Old School Soundtrack und klassische von Hand gemachte Spezialeffekte lässt dieses Halloween das Kino zu einen klasse Horrorerlebnis werden.