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1976. Irgendwo im Südwesten der USA. Dahin schickt Rob Zombie, der einst leidlich erfolgreiche Musiker, hier seine Delinquenten. Die rekrutieren sich diesmal aus einer recht bunten Truppe sonderbarer Gestalten mittleren Alters, die trotz ihrer vorangeschrittenen Jahre offenbar in letzter Minute noch auf den Hippie-Trip gegangen sind. Da sind ein schlaksiger Typ mit Bart und langen Haaren, der ein bisschen so aussieht wie der Regisseur selbst (Jeff Daniel Phillips), eine blonde Mother I'd like to fucking say hello to (Sheri Moon Zombie), eine sehnig-durchtrainierte Endsechzigerin (Meg Foster), ein sympathisches schwarzes Pärchen und zwei oder drei weitere austauschbare Komparsen multiethnischen Hintergrunds. Warum? Warum auch nicht? Es ist doch völlig egal, wer sie sind, wer sie waren, was sie tun oder was sie tun werden - sie werden gegen die offenbar aus dem Psychopathen-Wunderland entflohenen Mörder-Clowns, Nazi-Zwerge, Killer-Philosophen und von einer barocken Tanzveranstaltung vorbeischauenden Hintermänner ohnehin den Kürzeren ziehen. Die gequält masseninkompatible Moral des Intendanten dieses Horrorbühnenstücks gebietet das nämlich erfahrungsgemäß.

Wie immer bei Zombie wird es bizarr. Und pathologisch. Seine sonderbar zusammengecasteten Hauptdarsteller widerspiegeln nicht nur den Drang des Regisseurs, aus gesellschaftlichen Konventionen auszubrechen, sie durchleben ein ähnliches Trauma, das einst Arnold Schwarzenegger, Maria Conchita Alonso und Yaphet Kotto in „Running Man" (1986) erleiden mussten. Dabei ist es überhaupt kein Geheimnis, dass es der bärtige Amerikaner nur schwer lassen kann, seine cineastischen Vorbilder zu zitieren. Auch hier laufen die von der Straße weg gekidnappten armen Teufel auf einem abgesperrten Fabrikgelände von Raum zu Raum, um es mit einem Sammelsurium grotesk-exzentrischer Mörder zu tun zu bekommen. Deren Aufgabe ist es, wie einst bei der von Stephen King selbst wenig geliebten Romanverfilmung, die Eingesperrten mit Messern und Kettensägen zu zerfleddern - während ein paar festlich kostümierte Spinner mit Allongeperücke auf die Reihenfolge der Tode wetten.

Was sich im Prinzip nicht uninteressant anhört, gerät allerdings zur witz-, wenn auch nicht seelenlosen Werkelei eines zu Recht nicht überschätzten Regisseurs. Zwar beweist Zombie einmal mehr ein gewisses Gespür für Bauten und groovige Kulissen, doch inszeniert er seinen Film zu einer bemüht-provokanten Entwürdigung von Plausibilität und halbwegs nachvollziehbarer Unterhaltung. Rob Zombie verliert sich, ohne Blick für den Überblick, im Wust seiner nur zum Teil brauchbaren Ideen - oder deren Abwesenheit. Seine Figuren sind von ihrer Textur her grob geschnitzt, beinahe primitiv, seine Story wie Wurst in Passagen gehackt und seine Konversation regelrecht zum Davonlaufen. Besonders das pseudophilosophische Dialog-Larifari der Täter belegt unmissverständlich, dass der Musik-Regisseur sehr viel mehr wollte, als er im Stande war zu liefern. Ein bisschen „Pulp Fiction" (1994), ein wenig „Thursday" (1998) und viel zu viel „Haus der tausend Leichen" (2003) wird hier ohne den geringsten Sinn für Schliff zusammengemixt. Das Ergebnis wirkt zwar absichtlich verschroben, aber unabsichtlich wirr.

Überhaupt fühlt sich Rob Zombies neuester Extremfilm aufgesetzt an. Seine Skurrilität ist nicht stimmig oder zielführend, sondern verpufft in sinnloser Aggression. Ein neunzigminütiges Placebo-Bonbon eines um seine Daseinsberechtigung kämpfenden, wütenden Regisseurs. Wäre es ihm wenigstens gelungen, ein bedrohliches Szenario zu inszenieren oder eine spannende Geschichte zu erzählen - man würde vermutlich über das monoton sexualisierte Gefasel seiner hirntoten Paradiesvögel hinwegsehen. So aber nicht. So beginnt es nach einer Weile zu langweilen und deutlich zu machen, dass die Dialoge sträflich vernachlässigt wurden und sich Zombie viel zu sehr auf die ja gar nicht vorhandene Magie seiner Bilder verlässt. Dafür allerdings, dass sein visueller Rausch als das akzeptiert werden könnte, was er vorgibt zu sein, nämlich eine Art Geisterbahn für Erwachsene, bräuchte es einen einleuchtenden Kontext. Rob Zombies von debilen Wahnsinnigen bevölkertes Gruselkabinett bietet den aber mit Sicherheit nicht. Seine obszönen Irren sind kein Mittel zum Zweck - sie sind sprachlich mittel- und figurativ vollkommen zwecklos.

Jetzt könnten manche auf die fixe Idee kommen, Zombie für sein Casting zu danken. Immerhin verpflichtet er solch illustre Leute, wie die 80er-Porno-Queen Ginger Lynn, die hier ihren inzwischen pummeligen Vorbau aufbaut, oder die erschreckend in die Jahre gekommene Meg Foster („Sie leben", 1988), die in manchen Einstellungen aussieht wie der Imperator. Nun können diese Damen sicherlich nichts dafür, dass auch an ihnen die Jahre nicht spurlos vorüberziehen, doch muss die Frage erlaubt sein, wie es um den hier wohl anvisierten Kultfaktor solcher Rollenwahl bestellt ist. Genrelegende Malcolm McDowell, der hier einen der Initiatoren gibt, wäre da schon eher ein Fall für Beifall. Doch erlaubt ihm die befremdliche Maske aus Tonnen von Puder und aufgemalten Leberflecken in Kombination mit den ihm in den Mund geschobenen, beknackten Dialogen nicht, sein schauspielerisches Potential zu entfalten. Diesmal geht einfach irgendwie alles schief, was mutwillig auf die schräge Bahn gesetzt wurde.

Selbst Fans der beliebten „Haus der tausend Leichen" und „The Devil's Rejects" dürften zum nicht kleinen Teil ihre ziemlich großen Probleme mit diesem Psychopathen-Zirkus haben. Nun sind Clowns, das wissen wir frühestens seit Stephen Kings „Es" und spätestens seit diesem üblen Trend aus den USA und Frankreich, schon länger nicht mehr nur lustig, sondern auch potentiell gefährlich. Doch scheint es so, als habe allein das allgemeine Wissen darum Rob Zombie genügt, den Faktor „Horror" für die Gaukler seiner Manege vorauszusetzen. Viel tut der grimmige Filmemacher nämlich nicht dafür, seine Clowns mit Schrecken auszustatten. Eigentlich sind sie nur schreckliche Kasper.

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