In bestimmten Fällen hilft es, wenn ein wenig Gras über die Sache wächst. Beispiel: Found Footage. Bereits 2014/15 sollte das Regiedebüt von Sean Carter veröffentlicht werden und den aussagekräftigen Titel „Home Invasion“ erhalten. Doch spätestens nachdem „Paranormal Activity“ ein gefühltes Dutzend mal durch den Fleischwolf gedreht wurde, war das Interesse an Wackelkameramaterial verschwunden. Insofern lässt sich „Keep Watching“ als Nachzügler einordnen, der die hektische Kamera lediglich gegen Ende etwas überstrapaziert.
Familie Mitchell kehrt aus dem Urlaub in die vier eigenen Wände zurück. Tochter Jamie (Bella Thorne), die sich häufig mit der nicht viel älteren Stiefmutter (Natalie Martinez) zankt, wird nachts von lauten Geräuschen geweckt und entdeckt, dass eine Verbindung nach außen nicht mehr möglich scheint…
Als Michael Haneke 1997 dem Bereich Home Invasion mit „Funny Games“ neue Facetten verlieh, war dies noch weitgehend frei von technischen Gimmicks oder gar computertechnischer Überwachung und Livestreaming via Internet. Die Exposition in Form von TV-Schnipseln schlägt derweil einen zeitgenössischen Weg ein, als es um die Ermordung einer Familie geht, welche Zuschauer online verfolgten und manche als Fake abtaten.
Dass dies nicht der Fall war, wird spätestens nach einer halben Stunde deutlich, als die Invasoren im Haus der Mitchells zur Tat schreiten.
Bis dahin gibt es seichte Kritik hinsichtlich einiger Individuen, die ihr Privatleben in sozialen Netzwerken derart breittreten, dass sie in jeder Hinsicht angreifbar werden. Gleichermaßen zielen einige Kamerapositionen auf eben jenen Voyeurismus ab, der bei Nutzern gewisser Streamings angesprochen wird. So befinden sich Minikameras hinter dem Display eines Weckers, in einer Mikrowelle, in einem Siphon und sogar im Schlüsselloch, wodurch eine Handvoll Szenen an Schmuddelfilme der Siebziger erinnert.
Mit Einsatz der Vermummten wird das Tempo schlagartig gesteigert. Zwar folgen die üblichen Maßnahmen wie Verbarrikadieren, kurze Intervention von außen und Gegenschlag, doch das Timing stimmt meistens und durch den Einsatz einer Drohne gibt es eine weitere unkalkulierbare Bedrohung. Leider gerät das Treiben zum Finale ein wenig unübersichtlich und gleichermaßen zu schwach ausgeleuchtet, da die Perspektiven zu rasch wechseln und die Angreifer mit Kamera innerhalb ihrer Maskierung in hektische Bewegungen verfallen.
Demgegenüber vermag ein finaler Twist zu überraschen, der angenehm garstig daherkommt und mit einem Schlag kleinere unbeantwortete Fragen klärt. Zwar bleiben einige Unzulänglichkeiten wie die Kontrolle über jede Glühbirne im Haus oder das kalkulierte Verhalten der potenziellen Opfer, doch der Ausgang wertet die Chose definitiv ein wenig auf.
Originalität sieht im Metier Home Invasion natürlich anders aus und da eine solche Ausgangslage grundlegend nicht sonderlich variiert werden kann, sollten die Erwartungen entsprechend niedrig angesetzt werden. Darstellerisch in Ordnung, kameratechnisch überwiegend übersichtlich und phasenweise spannend umgesetzt, bietet „Keep Watching“ einen soliden Genrebeitrag, den man als kleinen Snack durchaus mitnehmen kann.
6 von 10