Es ist mal wieder soweit: in Skandinavien liegt Schnee, die Figuren tauschen wortkarge lange Blicke, sagen wenig und irgendwo hasst jemand irgendwen oder irgendeine Volksgruppe.
In Fall von „Modus“ trifft es mal wieder die Homosexuellen, die relativ zügig als Zielgruppe eines wortkargen, offenbar amerikanischen Killers ausgemacht werden können, der seine Anweisungen für die Opfer mittels eines Köfferchens mit sechs Smartphones erhält.
Natürlich müssen die Bezüge zwischen den Opfern erstmal hergestellt werden, denn es gibt verschiedene Todesarten: Erwürgen, Messerstich, Vergiftung durch Medikamente, Erschlagen, Genickbruch. Das dauert und deswegen gibt es davon auch acht Teile (in Deutschland vier spielfilmlange Teile).
Das klingt vielleicht etwas lässig, aber „Modus“ ist tatsächlich eine ziemlich zähe Angelegenheit, die sich bezüglich der liberalen Botschaft (einmal wird gesagt, dass in Schweden wirklich jede Form von Beziehung erlaubt wäre, was unerträglich liberal ist) die „political correctness“ dick auf den Kragen gepinselt hat.
Alles beginnt sehr geschickt mit mehreren Handlungsstränge und den verschiedensten Figuren, für die man erstmal eine komplette 90-Minuten-Folge braucht, um sie alle einzuordnen, bzw. das erste Opfer überhaupt zu finden.
Was dann folgt, wirkt dann nicht innovativ, sondern wie aus einem gut verkauften Thriller abgepaust: da ist die Ex-FBI-Profilerin mit dem autistisch angehauchten Kind, dass natürlich den Täter beim Morden gesehen hat und verschont wird – weil der Täter auch mal so ein Kind hatte. Natürlich schweigt die Tochter, natürlich hat die Mama Angst und will gar nicht mitermitteln, als der freundliche Ex-Kollege (der auch schon eine Ehe hinter sich und eine tote Tochter auf dem Friedhof hat) sie um ihre Mithilfe bittet.
Hass gegen Schwule und Lesben ist für den Zuschauer viel früher auszumachen als für die Ermittler, die lange herumeiern und den Ereignissen recht patent hinterher laufen. Darum werden noch andere, kleinere Geheimnisse ausgestreut, z.B. um den Helfer des Killers, seine Motivation, die bemüht verborgene Geschichte der erstochenen Bischöfin, die den Plot am Leben erhalten, bevor alles in Kälte erstarren kann.
Der Clou der Serie ist sowieso die Decouvrierung des eigentlichen Auftraggebers und die Identifikation des eigentlichen zentralen Opfers in dem flotten halben Dutzend, alles in allem übrigens dann eine ziemlich an den Haaren herbei gezogene Konstruktion, die ich jetzt mal lieber nicht verraten möchte. Aber Schweine gehen normalerweise nicht eigenhändig zum Schlachter, wenn es im Kobel zu eng wird.
„Modus“ hat, wie so viele skandinativische Krimistoffe, zu viele Blicke, zu viel Schweigen und leider zu wenig Tempo, entwickelt aber immer wieder genügend Drive und Spannung, damit man dranbleiben möchte, präsentiert aber nicht eben angenehm zu verfolgene Protagonisten – größtenteils weil sie über die wichtigen Dinge eben nie sprechen.
Die im Film vertretene Botschaft finde ich sehr angenehm, die erzählerischen Mittel sind aber eher unwahrscheinlich und mäßig geplottet und um so amerikanischer, je öfter sie sich durch innere Direktkontakte mit dem FBI davon abheben möchten.
Alles ganz nett, aber als Blick in die Abgründe der menschlichen Seele nicht tief genug, obwohl die Serie ein paar Momente von beeindruckender Rohheit hat (für die allesamt NICHT der Killer zuständig ist).
Immerhin baut man die Figur des Täters so strukturiert aus religiöser Motivation und unmenschlichen Handlungen zusammen, das sogar die unvermeidliche finale Konfrontation zwischen Täter und Profilerin einem emotionalen Befreiungsschlag nahe kommt.
Und wenn man Modus etwas nicht vorwerfen kann, dann das er sein Ding nicht durchzieht. Knappe 6/10!