Inhalt:
Um das Jahr 400 vor der christlichen Zeitrechnung ist China kein einheitliches Ganzes. Das Land ist in mehrere Reiche geteilt, Fürstentümer, die um die Vorherrschaft kämpfen.
Das mächtigste dieser Reiche ist Qi, und dieses will seinen Einfluss weiter ausdehnen.
Im Reich Wei ist der Schwertkämpfer Nie Zheng (Wang Yu) ein gelehriger Schüler des Meisters Wu (Fang Mien).
Einer seiner Mitschüler, Xu Shi (Chang Pei-Shan), neidet ihm seine Freundin, die schöne Xia Ying (Lisa Chiao).
Einen Kampf mit Nie Zheng verliert Xu, und er rächt sich mit Hilfe mehrerer Kämpfer, Meister Wu und etliche Schüler werden brutal ermordet.
Doch auch Xu wird von Nie Zheng und Mitschüler Du Po (Cheng Lui) getötet. Die beiden Männer verlassen den Ort des dramatischen Geschehens...
Du Po geht in das Reich Han...,, dessen Kaiser (Cliff Lok) ist schwach, und steht unter dem Einfluss des skrupellosen Premiers Han Kui (Huang Chung-Hsin). Dieser will sein Land an das Reich Qi verraten...!
Du Po schließt sich dem recht schaffenden Minister Yen (Tien Feng) an, der die Unabhängigkeit des Reiches Han verteidigen will.
Han Kui lässt die Familie von Yen töten..., und auch Du Po kommt bei diesem Massaker um. Doch kann er Yen noch mitteilen...: Will dieser sich rächen, muss er sich an Nie Zheng halten!
Nie Zheng lebt im Reich Qi als Metzger..., und kümmert sich um seine Mutter (Lin Jing) und seine Schwester Nie Rong (Li Hsiang-Chun).
Yen kann Nie Zheng erreichen..., beide Männer freunden sich an..., und Yen kann Nie Zheng ein luxuriöses Leben bieten. Ständig sind schöne Frauen um sein Wohl bemüht, eine davon wird gar seine Konkubine, die schöne Zhao (Chiu Sam-Yin). Doch kann er Xia Ying nicht vergessen...
Nie Zheng soll den Verräter Han Kui töten, so wünscht es Yen..., doch erst als Nie´s Mutter stirbt, und seine Schwester verheiratet ist, wendet er sich dieser Aufgabe zu,
Er nimmt wieder den Kontakt zu Xia Ying auf..., um dann -sich als Edelmann und Gesandter Qi´s ausgebend- Han Kui in dessen Festung aufzusuchen.
Als Attentäter..., als "Assassin" völlig auf sich gestellt, nimmt es Nie Zheng mit einer ganzen Armee auf...!
Es kommt zum blutigen Show-Down um Leben oder Tod........
Fazit:
Im Jahre 1967, dem Jahr in welchem Chang Cheh einen Meilenstein des KungFu-Genres erschuf... "The one-armed swordsman" ("Das goldene Schwert des Königstigers", siehe mein Review auf dieser website), konzipierte er ebenfalls diesen so subtil-gedehnten wie aber auch unterhaltsam-blutigen Swordplay-Eastern für die Studios der Shaw Brothers, wiederum mit Wang Yu in der Titel-Rolle.
Die Studio-Sets der Shaw Brothers mit ihrer gekünstelten Natur unter dem Blau eines ebenso künstlichen "Himmels", aber auch stilvolle Outdoor-Locations wie die Movie-Town der Shaw Brothers oder eine weitläufige Festung nutzend..., dort entwickelte Chang Cheh eine gedehnt-subtil erzählte Story um die brüchige Männlichkeit eines heroischen, letztendlich einsamen, harten Kämpfers: Wang Yu.
So kommt typisches Sixties-Eastern-Feeling ala Shaw Brothers auf, eine gediegen-gepflegte Atmosphäre.., ein Swordplay-WuXia-Leckerbissen Marke Shaw.
Die Ausstattung wirkt üppig, die Kostüme tun ein übriges..., und gefightet wird eher wenig. Die Story ist es, auf die Chang Cheh hier sein Augenmerk setzt, die er so subtil wie trotzdem spannend umsetzt.
Alles dreht sich um die brüchig wirkende Männlichkeit eines Helden, der den Tod nicht scheut, dem Ehre und Loyalität wichtig sind, der den Luxus verlässt..., so wie letztendlich seine große Liebe..., um in den Helden-Tod zu gehen.
Chang Cheh, der legendäre Meister-Regisseur, der Maradonna im Spielleiter-Team Run Run Shaw´s, er setzt diese Geschichte mit einer fabelhaft-gekonnten Mischung aus Stringenz und Subtilität um. Und das lässt den Betrachter stets am Ball bleiben.
Längen sollte man hier eigentlich vermuten..., doch wenn, merkt man diese nicht, denn es gelingt Chang Cheh hier, auch die melancholisch-gefühlvollen Momente geschickt mit einzuweben. So ist diese Geschichte in einer dichten Atmosphäre stets fesselnd erzählt, und mündet in ein blutiges, dramatisches Finale. Schön Chang.
Wang Yu ist der Held, der titelgebende Assassin, der letztendlich -trotz Freundin- einsame Kämpfer,... mit einer Mischung aus Coolness und Schwermut beißt sich Wang Yu durch dieses Helden-Epos.
Natürlich geht es nicht nur um Loyalität, um einem Verräter das Handwerk zu legen. Auch Rache ist ein Motiv..., und Wang Yu, dem sein Auftraggeber ein luxuriöses Leben ermöglicht, er will dem entsagen..., um seiner Liebe willen, aber um vor allem den Kampf aufzunehmen.
Schöne Frauen, allen voran gar eine ihm sich hingebende Konkubine, vor seinen Augen also diese attraktiven Damen die musizieren oder "Blindekuh" spielen.
Gar heitere Momente also..., doch der Held, ihm wird während des lustigen "Blindekuh"-Spiels der Damen bewusst: Seine große Liebe, und seine schließlich blutige Berufung, sie dürfen nicht vergessen geraten.
Chang Cheh, der Meister des Bloodsheds, setzt also hier gar erstaunliche Nuancen inmitten der gepflegten Shaw-Sets.
Doch Wang Yu ist auch die Kampf-Sau. Im Finale darf er sich endlich austoben.
Lisa Chiao ist seine Partnerin, er muss sie verlassen, sie gerät fast vergessen..., doch der Held kehrt zurück. Nur kurz letztendlich..., denn das blutige Drama muss seinen Lauf nehmen. Lisa ist schön.., und spielt ihre Sequenzen voller Melancholie so eindringlich wie es nur geht.
Lisa Chiao war denn später auch die Partnerin Wang Yu´s in den ersten beiden "One-armed swordsman"-Eastern.
Cheng Lui ist hier eher in einer Nebenrolle zu sehen, man kann nicht von einem Gespann Wang Yu/Cheng Lui sprechen, beide gehen nach einem gemeinsamen Kampf ihrer Wege. Tien Feng, oft Vaterfigur oder Villain in vielen Klassikern des Genres, ihm obliegt es, den Helden auch einen solchen werden zu lassen, und entsprechend zu positionieren. Tien Feng spielt dabei seine ganze darstellerische Routine aus.
Huang Chung-Hsin ist der Villain, der skrupellose Verräter im Gewand des ersten Premiers seines Landes, kommt aber kaum mal ins Bild. Es sind seine Schergen, eine ganze Armee, der sich Wang Yu stellen muss, sie sind denn seine Hauptgegner.
Schöne Frauen umgeben den Helden..., so Li Hsiang-Chun als dessen Schwester, Chiu Sam-Yin als dessen Gespielin an der Spitze von Unterhaltungsdamen, die Wang Yu zu seinem Wohl ´zur Verfügung gestellt´ werden.
Sie sind nur das visuelle Sahnehäubchen oben drauf.
Wichtigstes in einem Eastern: Die Action, und in diesem frühen Stadium des Genres ist das Swordplay.
Nun, es wird nicht so wahnsinnig viel gefightet, denn die Story stand hier mal vordergründig im Focus. So sind ein paar wenige, doch kernige Fights vor dem Finale eingestreut.
Doch in diesem Endfight rockt die Action..., fast wie Ti Lung in "König der Shaolin" ("Delightfull Forest", siehe mein Review auf dieser website), mäht sich hier Wang Yu durch zahllose Feinde in einer Festung..., und blutüberströmt und von Pfeilen getroffen, macht Wang Yu immer weiter, immer weiter.
Einige irreale Fliegereien sind für einen Sixties-Eastern unvermeidlich, und während der Held schwerste Verletzungen wegsteckt, streckt er selbst fast alle Gegner mit einem einzigen Schwerthieb nieder..., okay, das ist die Art in solchen Streifen.
Und das Ende ist so dramatisch wie heroisch. Es würde mich nicht verwundern, wenn Chang Cheh für den Show-Down in "König der Shaolin" Anleihen von sich selbst heranzog..., eben aus ´seinem´ "The Assassin".
Für die Fights waren einmal mehr die Kampf-Choreographen Tang Chia und Lau Kar Leung zuständig. Während andere die in den 60ern Eastern drehten, die Akteure in den Action-Szenen stets eher hölzern aussehen ließen, konnten diese beiden Kampf-Regisseure bereits früh vergleichsweise knackige Fights auf die Leinwand bringen, alle Achtung.
Der Soundtrack ist einmal mehr geklaut: Die Melodie aus dem Bond-Film "You only live twice" konnte vor allem die melancholischen Momente gelungen untermalen.
"The Assassin" ist ein weiterer solider, überzeugender Genre-Beitrag des Meister-Regisseurs Chang Cheh aus dem Hause Shaw Brothers.
Die subtile, trotz Gedehntheit stringent umgesetzte Story gefiel, Wang Yu in bestechender Form. das typische Shaw Brothers-Feeling, und ein blutiges Finale im Massenkampf "1vs100", sind Gründe genug..., für überaus passable 8/10 Punkte in meiner Bewertung.