Review

Kein Frieden, kein Reinschieben


Spike Lee ist ein kleiner Mann mit großer Stimme,

seine Filme sind oft ein Fest für alle Sinne.


"Chi-Raq" ist da keine Ausnahme, ein reimendes Wunder,

jeder nicht taube, schiesswütige Ami kriegt gehörig Zunder.


Ob schwarz oder weiß, das Töten muss stoppen,

so lang gibt's für Chicagos Männer nichts mehr zu poppen.


Bunt, laut und immer aufs Ganze,

Lee bricht hier mit voller Inbrunst die nächste Lanze.


Zwischen griechischer Tragödie und Rapvideo der Moderne,

trotz tonalem Chaos sah ich diese Predigt sehr gerne.


Starke Frauen, dumme Männer, tödliche Waffen,

Lee hat etwas in Deutlichkeit zu sagen, der Rest kann da nur Gaffen.


Eindringlich schreit der Film hinaus, warum wir uns gegenseitig töten,

ob uns das sogar wichtiger ist als das lustvolle Löten.


In Chicago gab es mehr amerikanische Todesopfer als im mittleren Osten,

leider ging "Chi-Raq" unter, man meint sich auf verlorenem Posten.


Warum solch ein kraftvoller Film klein gehalten wird bleibt ein Witz,

normal müsste er zumindest im Streaming auftauchen wie ein geölter Blitz.


Jetzt erst, Jahre nach Release kann man ihm klammheimliche in Deutschland sehen,

da schüttel ich mit dem Kopf, das kann ich nicht verstehen.


"Chi-Raq" will viel, manchmal weiß er nicht wohin mit seiner Kraft,

schön, dass er es doch immer wieder in die richtige Bahn schafft.


Typisch Spike Lee, seine Fans kommen auf ihre Kosten,

seine Stimme lohnt sich zu hören, im Westen wie im Osten.


Fazit: bei einem derart wichtigen Thema, wo ein ganzes Land seit Jahrzehnten nicht zur Vernunft kommt, darf man ruhig laut, vulgär und verrückt werden. "Chi-Raq" merkt man Spike Lees Leidenschaft, Wut und Herzblut in jeder Phase an. Kreativ, witzig und allem voran extrem wichtig! Hört hin!

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