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Wer bei THE NEON DEMON die dünne Story bemängelt, könnte genausogut Picasso fehlenden Naturalismus vorwerfen. Nicolas Winding Refn geht es spätestens seit VALHALLA RISING um etwas gänzlich anderes – nämlich um archetypisches Genrekino, dem er in den letzten Jahren mit der Überspitzung von idealisierten 80er-Jahre-Elementen seinen eigenen Markenstempel NWR aufgedrückt hat. Und so ist auch THE NEON DEMON nicht reine Oberfläche, sondern eine zutiefst sinnliche Erfahrung – zumindest für diejenigen, die mit Refns Stil und mit dem Genre des irrationalen Thrillers auf den Spuren von Lynch und Argento etwas anfangen können: Hinter den Kulissen von NWRs L.A. Modebranche spuken die Phantome von MULHOLLAND DRIVE, BLACK SWAN und Heidi Klum.

Schon das Opening mit seinen changierenden Hintergründen und der scharfen Neontypografie ist ein Erlebnis und in den folgenden knapp zwei Stunden möchte man am liebsten alle paar Minuten einen Screenshot anfertigen, um ihn gerahmt an die Wand zu hängen (Kamera: Natasha Braier). Für solche Filme wurde die Bluray entwickelt. Der coole Elektrosoundtrack (Cliff Martinez) überträgt vom ersten Ton an die unterschwellige Bedrohung, die sich im Film erst nach und nach manifestiert und am Ende in einem vielleicht etwas zu drastischen Finale (im wahrsten Sinne des Wortes) ausbricht. Es sind diese Elemente, aus denen der Film seine Spannung bezieht – was ihn in gewisser Weise hermetischer gestaltet als seine Vorgänger, die zumindest einen rudimentären Spannungsbogen in Charakterentwicklung und Plot vorzuweisen hatten. Auf THE NEON DEMON kann man sich nur einlassen.

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