Review

Doch ein wenig traurig zu sehen, dass der beste Teil von Extraction mit dem Vorspann, und dessen Linienführung in rot und blau und weiß bereits wieder vorbei ist. Eine Verschwendung an Stil und Kreativität, an Versprechen und Sujet, dessen Zeichnung getreu den Farben und Formen der Stars & Stripes bzw. des Union Jack und im Stil eines The Americans (bzw. einer imaginären Modernisierung von Turn: Washington's Spies) erfolgt und sowohl die Motive des Kalten Krieges als auch viel an Kintopp von Spionagefilmen dieser Ära heraufbeschwört:

Seitdem vor 10 Jahren durch die Tätigkeit des Geheimagenten Leonard Turner [ Bruce Willis ] während eines Rachefeldzuges seine Ehefrau erschossen wurde, und der damals noch minderjährige Sohn Harry aufgrund der Bedrohung und Ängste relativ untätig war, herrscht eisige Stimmung zwischen den beiden übrigggebliebenen Männern. Mittlerweile selber in die CIA zur Ausbildung eingetreten, wird Harry Turner [ Kellan Lutz ] von seiten seines Vaters und auch im Ruhestand noch guten Verbindungen an einer weiteren Karriere vor allem im AUßendienst behindert. Als der Senior in die Fänge von Terroristen gerät, und Harrys Vorgesetzter, CIA Direktor Theodore Sitterson [ Steve Coulter ] trotz Drängen von Harry diesen weiterhin nicht an den Fall lässt, reist er auf eigene Faust und gegen ausdrücklichen Willen von Prag nach Newark, um am zuletzt bekannten Aufenthaltsort selber für das Auffinden der Geisel und die Befreiung zu sorgen. In Absprache mit Harrys Ausbilder und Leonards besten Freund Ken Robertson [ D.B. Sweeney ] wird inoffiziell die Agentin Victoria Phair [ Gina Carano ] mit der Aufgabe der Klärung vor Ort beauftragt, und zudem ein Attentäter hinterher geschickt, der sich um den abtrünnigen Agenten kümmern soll. Als ehemaliges Liebespaar mit gleichen Zielen und der der Spur des lokalen Kriminellen Drake [ Joshua Mikel ] rutschen Harry und Victoria immer tiefer in die Unterwelt hinein.
    
Anders als versprochen erfolgt davon aber nichts, zählt man bis auf Andeutungen von Mehr und Großspurigen im Text eher die Ernüchterung bis zur Enttäuschung, also die negativen Eigenschaften des Filmes selber mit. Dass es sich wieder um einen der berüchtigten 'Schnellverdienerjobs' von Willis handelt, der nur noch seinen Namen, seine (ehemalige) Reputation und ein, zwei Tage an Arbeitszeit überhaupt für die Produktion und mehr als das passive Marketing so nicht mehr hergibt: Geschenkt. Der Mann wird wissen, was er tut und er befindet sich in der Position, dies aussuchen zu können und bezahlt zu werden, und der Anreiz für die Zuschauer sowie die entsprechend schnellen und häufigen Rechteverkäufe in das In- und Ausland geben ihm recht. [Der back-to-back vom gleichen Team produzierte Marauders wird zweifellos ähnliche Wege gehen.]

Getreu der letzten Arbeiten diesen direct to video - Zuschnitts, wie bspw. dem Vice (2014), der ebenso Ideen und Prämissen aufwies, diese aber nicht umsetzen konnte oder wollte, erfolgt auch dieses Werk. Willis ist auf dem Poster und in der Ankündigung groß hervorgehoben und hat in den Bildern selber seine drei, vier Auftritte, die im Grunde bessere phone-ins, d.h. reine Cameos sind und weder Anstrengungen erfordern noch Engagement oder anderes schauspielerisches Geschick. Die Geschichte dreht sich diesmal gar um seine Abwesenheit, so dass es gute Gründe gibt, dass man ihn anfangs für wenige Minuten und dann erst wieder im Finale sieht; wenn man denn solange durchhält.

Denn spannend und mitreißend ist das Gezeigte, gedreht vom bisherigen Horrorregisseur Steven C. Miller in den 90min sicherlich nicht. Mehrfach wird in den Dialogen, gerade in der Beziehung zum entführten Turner das Wort der „antics“ erwähnt, an dessen auch positive Konnotation, gerade im Genre des Spionagefilmes man sich leider nicht und nur an die abgestandenen Klischees sich hält. Der Maulwurf in den eigenen Reihen, die abgefangenen Konversationen, aus dessen Codes nur der Neuling schlau wird und alle anderen gestandenen Mitarbeiter nicht. Die nebulöse Gemeinwaffe als MacGuffin. Die endlosen Überwachungen und Technikspielereien im Konferenzraum, der abgedunkelt wie die Lasterhöhle und rein der Lückenfüller an Material des eh an Lücken (und lense flares und an Grünfilter) reichen Filmes ist. Denn so richtig bewegt oder gar agiert wird sich in der Handlung, trotz vorgegeben engen Zeitrahmens nicht, und das was man innerhalb des schmalen Budgets zeigt, ist der Rede, selbst im Showdown in einem dunklen Fabrikgelände leider auch nicht wert.

Ganz nett ist der Schauplatz "Newark", von dem man außer Panoramen nichts, und dafür wie in Vice auch wieder Mobile, Alabama, mit teilweise gar denselben Kulissen sieht; eine Industriebrache, dessen kriminelles Netzwerk der Gegenspieler zum sonstigen Größenwahn der unternehmerischen Aktionen der 'Firma' des CIA im Genre sonst ist. Folglich bekommt man hier beizeiten eine Kneipenschlägerei in der örtlichen Biker Bar geboten; eine Szene, die es im Universum von James Bond über Jason Bourne zu Ethan Hunt so sicher nicht gibt. Eine weitere Prügelei im schummrigen Nachtclub im Anschluss ist noch die nächste 'Sehenswürdigkeit', wobei die Auseinandersetzung zwischen Kellan Lutz und einem namenlosen asiatischen Schergen auf der Gästetoilette – der wie weiland Sho Kosugi im Der Ninja-Meister gerade im ungünstigsten Moment aus der Ecke hervorgesprungen kommt – dann tatsächlich so etwas wie eine choreographisches Schmankerl, in den wenigen Sekunden jedenfalls ist.

Lutz bleibt ansonsten blass, aber das ist keine Neuigkeit, wobei die Statur zwar ansehnlich und in den (verschnittenen und verwackelten) Kampfszenen glaubhaft verkörpert ist, dies selber der Präsenz nur leider nicht hilft. Carano wird im Grunde ganz verschenkt, für eine wieder aufblühende Romanze zum Exfreund gar genutzt, und zwischendurch als dimsel in distress, ernsthaft jetzt, wie das blass-hilflose Mäuschen um die Ecke eingesetzt.

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