Review

Anfang der Siebziger Jahre hat Regisseur Jack Starrett mindestens zwei kluge Entscheidungen getroffen; wenn nicht sogar derer vier, wenn man alles zusammenzählt und es nicht getrennt voneinander zählt. Starrett hat jeweils die Einführungen von Slaughter und Cleopatra Jones gedreht, mit beiden bei Publikum und Kritikern damit großen Erfolg und dennoch auf die logische und auch zeitlich kurz darauffolgende Fortsetzung, die jeweils wesentlich schlechter ankamen: verzichtet. Übernehmen tut hier für ihn der Routinier und Handwerker Gordon Douglas, der zuvor schon alles und alle inszeniert hat; ein Mann noch der tausend Taten und vom Studio für seinen Umgang mit Budget und Stars engagiert, welcher aber eine einheitliche Linie zumindest auf den ersten Blick missen lässt, auch gerade wenn oder trotzdem er sich als Nachfolger von Starrett hierbei durchaus schon aufdrängt. [Douglas hat kurz zuvor an Zwei Galgenvögel - Skin Game mit u.a. Louis Gossett Jr. mitgewirkt, und auch die Weiterführung von In der Hitze der Nacht, den Zehn Stunden Zeit für Virgil Tibbs mit Sidney Poitier gedreht.]:

Nach den Ereignissen in Mexiko, bei denen der ehemalige Green Beret und frühere Police Captain Slaughter [ Jim Brown ] aus Rache am Mord an seinen Mord einen Gutteil der lokalen Mafia ausgeschaltet und ihr Geschäft empfindlich gestört hat, setzen diese unter Order von Duncan [ Ed McMahon ] einen Attentäter auf den Mann an; welcher zwar einige seiner besten Freunde ausschalten kann, das eigentliche Ziel aber verfehlt. Slaughter, welcher vom örtlichen Polizisten Reynolds [ Brock Peters ] schnell vorgewarnt wird, sich aus der Angelegenheit herauszuhalten und die Finger von den Waffen zu lassen, schlägt dieses natürlich in den Wind und wendet sich bezüglich Informationen an den Hustler Joe Creole [ Dick Anthony Williams ]. Währenddessen hat Duncan mit dem Auftragskiller Kirk [ Don Stroud ] einen neuen Spezialisten für die Drecksarbeit engagiert, wodurch auch Slaughters Freundin Marcia [ Gloria Hendry ] alsbald in tödliche Gefahr gerät.

Abgesehen von den Produzenten hinter dem Dreh wurde auch das komplette Team selber ausgetauscht, bis auf Brown natürlich, und wo Neuzugang Charles Eric Johnson als Drehbuchautor immerhin einer der führenden Autoren der (kurzen) Welle an Black Renaissance Cinema und damals und ein Vierteljahrhundert später bspw. auch noch maßgeblich für Kameraden Fred Williamson und dessen Texte verantwortlich ist. Die dort stattfindenden Figuren werden auch nicht erwähnt, die Handlung selber schon und ist auch Auslöser. Der Titelsong fehlt. Johnson wählt auch hier einen direkten Einstieg, eine nassforsche Verfolgungs- bzw. Wettjagd hoch zu Ross und anschließend ein heimtückischer Angriff auf ein Picknick per Segelflieger, und wo nicht bloß der junge beste Freund unseres Polizisten getötet wird, sondern auch noch seinem väterlichen Begleiter die halbe Schädeldecke samt Perückenfiffi durch einschlagende Kugeln wegfliegt. Eine kurze sommerliche Idylle draußen im weiten Grün nur, wo der Frieden der Gesellschaft blutig gestört und Rache heraufbeschworen wird. Bis dahin dauert es allerdings etwas, werden erstmal diverse Hinweise abgeklappert, eine Art Detektivspiel, bei dem man am Ende wieder da landet, wo man anfangs schon war und was von sich aus allein bestimmt nicht sonderlich raffiniert oder dramaturgisch spannend auf herausragende Art und Weise ist.

Spielend in der amerikanischen Großstadt, also dort, wo das Publikum auch zu Hause weilt, ist der Film auch wesentlich mehr 'zeitgenössischer' als zuvor, wesentlich mehr Disco und Hippie, was sich vor allem auch an der Person des Joe Creole und seinem Umfeld darstellt und damit auch an einem schon zum Klischee gewordenen Übertreiben, welches zusammen mit einigen anderen frühen Szenen (die Unterwasserattacke von Auftragskiller Kirk im Swimmingpool auf ein armes Opfer, wobei er fast wie Der weiße Hai vorgeht und das auch so prononciert ist) reichlich Trivialität beigibt, die der Vorgänger nicht so versprühte. Dafür verlässt man hier den 'weißen Mainstream' auf jeden Fall stärker und wendet sich an die Zielgruppe, die auch der Hautfarbe des Titelhelden entspricht und lässt sich auch tatsächlich im eigenen Milieu mit Bekannten und Freunden und auch einer richtigen Lebensgefährtin interagieren, statt nur für den Moment nur hellhäutige Menschen und Ingrid Steeger an seine Seite zu stellen.

Bald müssen diese aber auch dran glauben oder geraten zumindest in Gefahr, sodass ab der zweiten Hälfte der Laufzeit das Tempo ab einem Einbruch in eine Villa angezogen wird; was eher ein Ausbruch daraus nach erfolgreichen Diebstahl und gegen ein Dutzend schießwütiger Leibwächter ist. Ein Attentat mit einem Scharfschützengewehr auf einem Häuserdach und zwei brutale Prügeleien in Wohnungen – die zweite gegen einen alten Karateka und einen irischen Preisboxer, die noch Kampfgeräusche wie zehn nacktsche Affen machen, wenn sie selbst schon erledigt am Boden liegend sind – schließen sich an, überhaupt ist der Film dem nicht gerade handzahmen Erstling gegenüber in Sachen Gewalt noch einen Tick derber, allen voran auch in der Geschichte mit dem Klebstoff und der Luftröhre eingestellt. Nach dem schießwütigen Finale und der Destruktion des feindlichen Hauptquartiers durch Schnellfeuerwaffen, Handgranaten und anderes Bestück wird noch eine Fortsetzung in Paris angeteasert, zu der es leider nicht gekommen ist.

Details
Ähnliche Filme