Weil die Welt der Orcs zu einer unbewohnbaren Wüste verkommen ist, öffnet ihr Schamane, der sich der schwarzen Magie verschrieben hat, ein Portal zur Welt der Menschen. Dieses wird zunächst von einer Vorhut kampfeserprobter Krieger durchschritten, die sofort erste Dörfer überfallen. Der von Dominic Cooper gespielte Menschenkönig setzt alle Hebel in Bewegung, um sein Reich zu beschützen, so beauftragt er seinen Schwager, einen gestandenen Ritter, gespielt von Travis Fimmel, mit der Aufklärung der Überfälle und wendet sich an den Wächter des Reiches, gespielt von Ben Foster, einen mächtigen Magier. Während den Menschen ein Halbblut aus dem Lager der Orcs, gespielt von Paula Patton, in die Hände fällt, kommt es bei diesen zu einer Verschwörung gegen den Schamanen und seine todbringenden Fähigkeiten.
Computerspielverfilmungen sind ein eher leidiges Thema und genießen keinen allzu guten Ruf. Wie sollte es auch anders sein, bei einem Sub-Genre, in dem sich ein Uwe Boll in einer ihm unnachahmlich dilettantischen Weise unsterblich machen konnte, das aber auch ansonsten eher für filmischen Bodensatz, für schlechte Effekte, platte Geschichten und hölzerne Darsteller steht. „Tomb Raider“, „Resident Evil“ und deren Fortsetzungen zählen noch zu den besseren Genre-Vertretern. Da der hochbudgetierte „Prince of Persia“ 2010 an den Kinokassen floppte, sank Hollywoods Interesse an den entsprechenden Stoffen noch weiter, sodass lange wenig investiert wurde. Doch jetzt wollen es die Studios scheinbar noch einmal wissen: Dieses Jahr erscheinen mit dem Animationsfilm „Angry Birds“, mit „Assassin`s Creed“ und eben „Warcraft“ gleich drei vergleichsweise hochbudgetierte Computerspielverfilmungen, wobei letzterer, wie der Titelzusatz „The Beginning“ bereits andeutet, zudem der Auftakt einer neuen Franchise sein soll. Und gerade als solcher erfüllt er definitiv seinen Zweck.
Wenn die gewaltigen Hammer der muskelbepackten Orcs auf die in diesen Momenten regelrecht fragil wirkenden Ritter und ihre Schilde einschlagen, ist „Warcraft“ eine regelrechte visuelle Naturgewalt. Nicht nur, dass die via Motion-Capture zum Leben erweckten Orcs mit ihren massigen Körpern, ihrem Unterbiss und ihren unzähligen Kriegsinsignien bis ins kleinste Detail gelungen entworfen sind, sodass sie sich individuell stark unterscheiden, auch Mimik und Bewegungen sind derart großartig animiert, dass die Ungetüme nicht nur als den Menschen feindlich gesinnte, böse und invasive Macht wahrgenommen werden, sondern auch als ein Volk mit inneren Konflikten, mit widerstreitenden Gruppierungen. Neben der opulenten Ausstattung und den grandiosen Computertricks, sind es die visuell eindrucksvollen Kampf- und Schlacht-Sequenzen, die auch in 3D absolut überzeugend ausgefallen und allein schon fast das Eintrittsgeld wert sind. Die digitalen Effekte sind ebenfalls großartig, werden aber ein wenig zu inflationär gebraucht, wenn sich die Zauberer ins Kampfgeschehen einmischen. Sie verkommen jedoch nicht zum Selbstzweck, sind Teil der Handlung und treiben diese voran. Die zahllosen Schauplätze, die aus den Computerspielen entnommen sind und wohl vor allem die Fangemeinde begeistern sollten, sind ebenfalls eine Augenweide, wenngleich sie wohl noch besser ausgesehen hätten, wenn etwas mehr an Originalschauplätzen gedreht worden wäre. Nichtsdestotrotz muss sich „Warcraft“ visuell auch vor den größten Vorbildern nicht verstecken, was auch der durchgängigen Liebe zum Detail geschuldet ist.
Dass Duncan Jones ein brauchbarer Regisseur vor allem für innovative Sci-fi-Stoffe ist, hatte er mit „Moon“ und „Source Code“ unter Beweis stellen können. Mit „Warcraft“ zeigt er nun, dass er auch mit einem Budget von etwa 160 Millionen Dollar umgehen und in visueller Hinsicht in der Champions League mitspielen kann, wenngleich nicht unerwähnt bleiben sollte, dass ihm mit Simon Duggan ein Blockbuster-erprobter Kameramann zur Seite stand. Eine gute Entscheidung des Regisseurs war es auch, die Welt der Menschen und die der Orcs gleichberechtigt darzustellen, auf beiden Seiten Sympathieträger zu platzieren, wenngleich im Zweifelsfall für die Menschen Partei ergriffen wird. Jones` geradezu wahnwitziges Erzähltempo ist dagegen diskutabel, es hat seine Vor- und Nachteile.
Auf der Haben-Seite kann verbucht werden, dass „Warcraft“ so zwei Stunden lang gute bis sehr gute Unterhaltung bietet und nie auf der Stelle tritt, obwohl die Handlung aus allerhand altbekannten Fantasy-Elementen zusammengeschustert ist. Zudem kann Jones so quasi im Vorbeiflug immer wieder auf Schauplätze und Figuren aus den frühen Videospielen der Prä-WoW-Ära verweisen, was deren Fans sicherlich erfreuen dürfte. Er kann zahlreiche Figuren und Orte einführen, auch die Nichtkenner des Videospiels in eine Welt entführen, die in den möglichen Fortsetzungen noch stärker an Konturen gewinnen sollte und dürfte, wenngleich Tempo und Umfang anfangs auch etwas verwirrend sein können.
„Warcraft“ entfaltet, weil alles so schnell geht, aber nicht den epischen Atem, wie ihn der Genre-Primus „Herr der Ringe“ durchweg aufwies. Dafür fehlen, neben einem wirklich monumentalen Score, die tieferen Dialoge, dafür mangelt es den Figuren zu sehr an Profil. Warum die anderen Völker von Azeroth nicht in den Konflikt der Menschen und Orcs eingreifen, bleibt genauso offen, wie die Frage, was genau es eigentlich mit der schwarzen Magie auf sich hat. Viel ärgerlicher ist aber, dass viele der wirklich interessanten Figuren nicht vertieft werden, weil sich Jones die dafür notwendige Zeit nicht nimmt. Was die Motivation hinter den Handlungen des von einem gewohnt vielseitigen Ben Foster verkörperten Wächters ist, wird beispielsweise überhaupt nicht erklärt. Wie es um das Innenleben des Halbbluts Garona bestellt ist, das zunächst bei den Orcs lebt und sich dann auf die Seite der Menschen schlägt, wird ebenfalls nicht weiter vertieft, sodass die Figur sehr kryptisch bleibt, was definitiv nicht der trotz des Unterbisses bezaubernden Paula Patton geschuldet ist. Dennoch ist sie der interessanteste Charakter des Films und einer der Gründe dafür, dass das offene Ende wirklich Lust auf mehr macht. Von daher hat die anfängliche Oberflächlichkeit vielleicht auch ihr Gutes, weil dieser zweistündige Appetizer noch nicht viel über seine Figuren preisgibt. Dafür soll es ja noch die Fortsetzungen geben - und das offene Ende lässt mit seinen zahlreichen vielversprechenden Cliffhangern hoffen, dass es dazu kommen wird.
Fazit:
„Warcraft: The Beginning“ tritt den Beweis an, dass Computerspielverfilmungen, wenn sie denn seriös angegangen werden, mehr als nur trashigen B-Movie-Charme verströmen können. Der großartig bebilderte, bombastische Fantasyfilm, der mit seiner Liebe zum Detail, seinen zahllosen Figuren und Schauplätzen in eine interessante, zunächst aber auch etwas verwirrende Welt entführt, wirkt zwar durchweg etwas gehetzt, bietet dafür aber beste Unterhaltung. Der Film macht Lust auf mehr und insofern hat Duncan Jones mit diesem als Auftakt zu einer neuen Reihe gedachten Erstling seine Mission definitiv erfüllt. Im nächsten Teil gewinnen die Figuren hoffentlich stärker Profil, dann könnte „Warcraft“ womöglich auch einen epischen Atem entfalten.
77 %