Review

Der Heilsbringer für Videospielverfilmungen?

Auf den Schultern von "Warcraft: The Beginning" lagen große Hoffnungen & Erwartungen. Von Gamern, von Fans, von Kritikern, wegen den genialen & mega erfolgreichen PC-Spielen, wegen dem talentierten Regisseur, dem Budget oder dem schon in den Trailern beeindruckenden CGI. Diese Liste lässt sich beliebig fortsetzen. Leider enttäuscht das Endprodukt die meisten dieser Hoffnungen, obwohl es bei weitem kein wirklich schlechter Film ist & vielleicht sogar die ambitionierteste Spiele-Verfilmung aller Zeiten - mutig, episch & ohne jegliche Bremsen oder überlange Einführungen in die belebte Welt. Das verlangt Respekt. Leider trüben den Spaß & die Spannung an dem Krieg der Orks gegen die Menschen, doch zu viele Kleinigkeiten, über die man sich länger aufregt, als einen der positive Bombast unterhalten kann.

Es wäre ein Leichtes, den Film in einer Kritik zu zerreißen, was sicher viele Kritiker weltweit gerne nutzen. Da der Film aber Eier hat, viel Positives bietet & spürbar von Fans für Fans gemacht ist, werde ich es nicht so einseitig gestalten. Trotz ernüchternder finaler Wertung. Denn ich glaube, den Hardcore-Fans der Spiele wird der Film richtig gut gefallen & jedem der plumpe Schauwerte will, ebenso. Ähnlicher Fall wie vor einigen Monaten bei "Batman v Superman" oder momentan etwas bei "X-Men: Apocalypse": Kritiker haben es leicht den Film zu zerpflücken, beim Publikum kommen sie jedoch oft weitaus besser an. Wer der beiden Parteien im Endeffekt richtig liegt, kann man nicht wirklich sagen, sollten doch Kritik, Kunst & Unterhaltung ähnliche Gewichtung behalten. Da ich aber nie der hartnäckigste Zocker der Spiele war, weder "World of Warcraft" noch der älteren Strategie-Spiele, sehe ich mich leider eher bei den (vielleicht zu) strengen Kritikern. Umso mehr man in der Materie Warcraft ist, desto großzügiger wird man über einige Mängel hinwegsehen. Fast könnt ihr die Wertung dann mit 2 multiplizieren. 

Richtig toll war ohne jeden Zweifel die Optik: etwas großspurig, thematisch zusammengeklaut & CGI-heavy, jedoch sahen die Sets sowie die Orks & allgemeinen Effekte exzellent aus. Das Budget sieht man. Schon allein die vielen detaillierten Orks, alle etwas anders, waren Eyecandy & teilweise emotionaler & mitreißender als die Menschen-Storyline. Mutig ist auch die überlebensgroße Anlage der Geschichte & Herangehensweise - episch vom bombastischen Soundtrack bis zu massiven Schlachten. Auch hier wieder gut kopiert, obwohl man alles schonmal gesehen hat, von Meisterwerken wie "Herr der Ringe" bis zu Katastrophen wie "Dungeons & Dragons". Lustigerweise schliddert "Warcraft" oft auch genau zwischen diesen zwei Extremen hin & her, fühlt sich teilweise halbgar & unrund an, verhebt sich oft an seinem eigenen Epic-Ansatz in z.B. kitschigen Dialogen oder seltsamen Entscheidungen & einfach dummem Writing. Gerade gegen Ende überschlägt sich Vieles & ärgert maßlos. 

Da es sich um den Auftakt einer ganzen Reihe an Filmen handeln soll, kann ich damit leben, dass er sich etwas unrund & abgehakt anfühlt. Mit lächerlichen Twists wie Menschen, die auf einmal Orks easy niedertrampeln oder waghalsige Theorien für Fortsetzungen entwickeln, weniger. Für all seine große Bilder, Themen & Orks, fühlt sich "Warcraft" überraschend belanglos & schnell vergessen an. Flach genießbar, wenn man sich jedoch etwas stärker konzentriert & nicht 1-2 Augen zudrückt, schwer für gut zu erklären. Fans erfreuen sich trotzdem an brillantem Fan-Service, wie den Einbau bekannter Zauber, Effekte, Charakter oder sogar einer tollen kurzen Szene von oben, wie in den klassischen Strategiespielen. Oft ist der Film einfach noch zu sehr Videospiel, um als Film ernst genommen zu werden. Vor allem dialogtechnisch ist das oft einfach zum Haareraufen. Die Darsteller der Orks waren die Besten, Paula Patton ist selbst als Halb-Ork überragend heiß & Travis Fimmel als kesser Superheld/Menschenkrieger Anduin sticht ebenfalls weit heraus. Der Rest war bescheiden bis schlicht zum Fremdschämen. Die stärksten, überraschend harten Szenen, sind die Fights in die Orks verwickelt sind. Etwas schade sind die unterentwickelten & kaum genutzten weiteren Spezies der Welt, wie die Zwerge. Man merkt, ich bin extrem unentschlossen & würde gerne mehr Punkte vergeben... wofür mir dann wohl die "Warcraft"-Sympathie noch etwas fehlt. 

Fazit: nicht ganz die erhoffte Kehrtwende in der traurigen Kategorie der Videospielverfilmungen - trotz epischer Ansätze, gelungenem Fanservice & grandioser Optik. Das Fantasy-Epos wirkt oft einfach zu flach & die Kopfschüttelmomente inklusive seltsamer Entscheidungen der Charakter häufen sich gegen Ende zu einer unterhaltsamen No-Brainer-Halb-Enttäuschung.

Details
Ähnliche Filme