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Medial mit der Zeit zu gehen, bedeutet bei Lifetime Television und Lifetime Movie Network (LMN), dass man sich durchaus den neuen Methoden der Nutzung von Streamingdiensten gegen Bezahlung, der entsprechenden Verfügbarkeit auch online und des Werbens um Abonnementen bewusst ist und diese bewusst einsetzt. Nicht bedeuten tut es, dass man sein Angebot ändert; ist dies doch seit Jahren gleich und wird dies in Zukunft nicht wirklich anders sein. Als bevorzugt gelten dabei die Vorlagen von Nora Roberts, bzw. die filmische Adaption von wahren Geschichten, möglichst von mehr oder minder aufsehenerregenden Verbrechen oder anderen für den Moment schlagzeilenkräftigen Vorfällen, die dann möglichst schnell und preiswert und bestenfalls auch in harmloser Natur für den Kundenfang umgesetzt werden. Lifetime Movies sind für den Hausfrauengebrauch gemacht, für verregnetes Wetter, oder für Krankheitsfälle, in denen man lustlos auf dem Sofa liegt und sich mehr oder minder entspannt durch ebensolches Programm klickt. Titel lauten A Daughter's Nightmare (2014), Fatal Honeymoon (2012), oder Accidental Obsession (2015), womit man schon das Programm des Folgenden vorgibt und gleichzeitig den Rückzug in die Sicherheit der frühen Neunziger und viel und emsig Videothekenware dergleichen und derselben Natur legt.

A Deadly Adaption führt dies zielgruppengerecht und im Grunde exemplarisch fort, und würde auch komplett in diesen Dutzendallerlei untergehen, hätte man sich nicht in der Besetzung bei Will Ferrell und Kristen Wiig bedient:

Vor fünf Jahren hat die damals hochschwangere Sarah Benson [ Kristen Wiig ] trotz schneller Rettungsmaßnahmen seitens ihres Mannes Robert [ Will Ferrell ] aufgrund eines unglückseligen Unfalls ihr Baby verloren. Die Tragödie hat sie nach all der Zeit zwar mittlerweile verbunden, der auf sich selber und alles und allen wütende Ehemann aber nicht so richtig, woran auch eine erfolgreiche Karriere als Autor für Finanzratgeber und vor allem auch ihr erstes gemeinsames Kind, die mittlerweile sechsjährige Sully Benson [ Alyvia Alyn Lind ] so richtig nichts ändern kann. Robert hat zwar inzwischen dem Alkohol als Trostpflaster und der damit verbundenen Sehnsucht nach dem Tod aus Exzess und Verzweiflung abschwören können, ist aber gerade bei dem kleinen Mädchen und ihrer Erkrankung als Diabetikerin überbesorgt und schon panisch überfürsorglich. Da sich die Kleinfamilie durch eine Annahme an Kindes statt neues Lebensglück erhofft, wird ihnen durch die Freundin und Vermittlerin Ellen Macy [ Debra Christofferson ] die schwangere Bridgette Gibson [ Jessica Lowndes ] als zünftige Kandidatin für die Adoption ihres noch Ungeborenen vorgestellt. Um die werdende Mutter besser unterstützen zu können, nehmen die Bensons die ihr Wildfremde in ihr Heim auf. Einzig Sarahs Arbeitskollege und bester Freund Charlie [ Bryan Safi ] ist der Idee gegenüber etwas zögerlich eingestellt und sieht seine Bedenken auch bekräftig, als er die Neu Eingezogene eines Tages mit dem ihr sichtlich Bekannten Dwayne Tisdale [ Jake Weary ], einem seiner Einschätzung nach attraktiven Nichtsnutz auf der Straße streiten sieht. Und auch Robert wird ein früherer Fehler bald schmerzlich bewusst. Es dauert nicht lange, und der örtliche Sheriff [ Erik Palladino ] ist in höchster Alarmbereitschaft.

Das Projekt selber wurde im Stillen, unter Verschluss vor der Öffentlichkeit und mit einer Schweigeklausel für alle Beteiligten gedreht, kurz vor Erscheinen des Filmes allerdings an die Öffentlichkeit gebracht und hat dann natürlich seine Aufmerksamkeit prompt erregt. Die Diskussion, die dann entstand, drehte sich zumeist nicht um die Qualität selber, sondern den Hintergrund, die Vorgeschichte, die allerlei Mutmaßungen zulässt und gerade auf das Ziel des Ganzen angelegt ist. Ferrell und Wiig sind Komödianten, der Autor Anthony Steel schreibt vermehrt für Saturday Night Live, ist also auch humoristisch ausgeprägt. Je nach Herangehensweise an die Film, an seine Figuren, die Dramaturgie, die Geschichte allein schon, bei der am Ende des Ganzen auch das "inspired by a true story" den Abschluss prägt, wäre bei einer Parodie bzw. Satire anders zu sehen als bei einem ernsten Drama/Thriller, um dass sich das Äußere der Inhaltsangabe und das Gehabe und Getue der Figuren dreht.

So fällt es gerade bei Ferrell in seiner Rolle schwer, nur die Figur des Robert Benson, und nicht den Darsteller, den Kasper dahinter zu sehen. Das Grinsen muss man sich erstmal verkneifen, auch gerade weil die Inszenierung keine Ansatzmöglichkeiten für eine richtige Interpretation, sondern nur die nackten Tatsachen der Geschichte und dies auch recht simpel formuliert, wie für den 'Frauensender' typisch halt, im blanken Abfilmen des Geschehens gibt. Das Amerika hier ist banal, ist stehengeblieben und hat sich zurückgezogen in den Hinterwald. Karierte Sachen und farblose Bundfaltenhosen werden aufgetragen, eine Örtlichkeit der Kleinspießigkeit wiedergegeben, in der die Familie neben Büchern über die Weltrettung vor allem auch vom Verkaufen organischer Nahrung, also zuckerfreie, glutenfreie, geschmacksfreie Früchte lebt. Der beste Freund der Frau ist ein Homosexueller aus dem Lehrbuch, so ein Typ Frauenversteher und Kummerkastenonkel, der selber keine Gefahr für nichts und niemand, sondern nur das Ohr für alle Sorgen und den Ratgeber von Weisheiten aus der Illustrierten darstellt. Das Heim, in dem die Bensons wohnen, ist nach den Worten der Neuangekommenen "I thought houses like this only existed in the movies." schon perfekt umschrieben, was erstmal und eigentlich auch für die gesamte Situation gilt: "It's working out pretty well for me so far."

Dem ist natürlich bald Pustekuchen, sonst wäre der Film kein Thriller, was er allerdings auch nicht so richtig, also nur so ein bisschen, von den Ansätzen der langweilig positionierten Kamera und der gleichsam behäbigen Montage her ist. Er- oder verschreckt wird hier niemand, weder von der formellen Wahl der Regisseurin Rachel Goldenberg her, noch von der materiellen Behandlung, in der ein auf der Straße mal zu schnell fahrendes Auto und noch so ein semiböser Redneck um die Ecke schon das höchste der Gefühle an Bedrohlichkeit ist. Der Film ist zahm, handzahm, ein Teddy, zum Streicheln, was ihn allerdings im Gegensatz zum Antonym von Knock Knock auch erträglicher, und gar interessanter und weit weniger frustrierend, aber nicht ganz so amüsant-ärgerlich, also fast ganz ohne Ecken und Kanten, zumindest nach außen hin macht.

Besser gelungen ist aber die Herangehensweise an das Thema Mann, der hier wie dort nichts mehr zu sagen, wenn auch das Geld zu verdienen hat. [In Knock Knock ist der Mann Architekt, hier Autor, während die Frau dort 'Kunst' verkauft und hier Naschkram.] Auch ist bei beiden erst dann die Gefahr da, und hat der oder die Eindringlinge leichtes Spiel, wenn der bessere Hälfte nicht anwesend ist und achtgibt. Das Kind im Manne, körperlich nicht mehr ganz so stattlich und seelisch schon in der Midlife Crisis, in der nach der jüngeren Frau gegiert und buchstäblich die letzte verfügbare Hose, der letzte Stolz noch abgegeben wird. Kein gutes Jahr für die Herren der Gesellschaft, die schon nicht mehr die Alpha-Männer und nicht mehr die Oberhäupter, sondern bestenfalls noch die Versorger, die Brötchenholer, aber nicht mehr die Entscheider in der Beziehung, sondern bloß noch die Herumgeschubsten und an der kurzen Leine sind.

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