Warum der Film, eine einfache Actionkomödie mit Schwerpunkt auf dem Letzteren, so lange in der Mache, in der Schwebe zwischen der Ankündigung im November 2013, bereits vollgesogenen Marketing im Mai 2014 und endgültigen Erscheinen auf den Leinwänden August 2015 war, ist nur das einzige und eigentliche Rätsel, dass die Produktion umgibt. [Ähnlich ominös auch das sprichwörtliche und komplette Verschwinden der genrenahen Buddy Cops, die seit 2012 absent sind.] Ausgestattet ansonsten mit durchaus erkenntlichen, da in den Bildern sichtlich verwendeten Geld, dass die Finanzierung stützen sollte und bei der die Veröffentlichung ausführenden China 3D Digital Entertainment Limited Distribution auch in den Taschen vorhanden ist, stellt sich der ehemals als Hong Kong Undercover Cop betitelte Film als eigentlich sicheres Beispiel für anziehenden Kommerz, als die nicht ganz so harmlose, aber dadurch auch noch mehr auffallende und dennoch leichte Unterhaltung für die genau dies suchenden Massen dar. Besetzt zudem mit zumindest einem Star, der die Fahne der Komödie in HK als mittlerweile fast einziger (neben im kleineren Rahmen Chapman To) und dies auch schon sei gut zehn Jahren hochhält:
Auf einem nächtlichen Ausflug, angelegt als Mischung aus Vogelkunde und Spannertour, wird der Nichtsnutz James Man Tze-leung [ Mark Wu ] mit seiner Videokamera Zeuge eines Verkehrsunfalls mit tödlichen Ausgang. Sehen und Aufzeichnen tut James dabei auch, wie der eigentliche Fahrer, der unter Alkoholeinfluss stehenden Milliardärssohn Roger Li [ Terry Zou ], Spross des Tycoons Li Man-shan [ Lau Kong ], mit seinem Assistenten Ho Wing-yat [ Eric Wang ] schnell die Plätze tauscht. Zwar ahnt die Polizei und die Öffentlichkeit etwas von dem Schwindel, halten allerdings alle Beteiligten und Mitwisser dicht; so dass sich der ermittelnde Inspector So [ Peter So ] dazu gefordert sieht, den Undercoverpolizisten Dream Dragon Lau [ Ronald Cheng ] auf den schweigsamen James, einem aus der Kindheit Bekannten anzusetzen. Dabei erfährt Dragon zwar die Beweggründe für dessen Aussageverweigerung, die seine Schwester Man Tze-kwan [ Aya Yu ] betreffen, erfährt aber auch gleichzeitig von einer bereits auf den Störrischen angesetzten Killer noch unbekannter Identität. Da sich James, ein Statist im Filmgeschäft, derzeit (aussichtslos) für die Castingshow "The Man of China" bewirbt, schließt sich Dragon dem Auswahlprozess an, wobei er auf den merkwürdig an seinem Zielobjekt interessierten Yu Ching-hong [ Zhang Chi ], einem ausgewiesenen Martial Arts Experten trifft.
Selbst die Verweise sind sicher, bezieht man sich in der Materie und der Ausgestaltung dessen auf bereits bekanntem Werk; eine quasi Fortsetzung von Chengs Undercover Hidden Dragon (2006) bzw. Super Model (2004), die weiterhin die Formeln von ebenso seinen Dragon Loaded 2003 (2003) und Dragon Reloaded (2005), nur auf gröberen Wege fortführt. Das ist in dem Fall nicht schlimmes, sondern vielmehr der Vorteil, wird aus den Bezügen zu früher und einst hier bereits ein festgelegtes, nicht festgefahrenes Universum und auch die Regeln darin angestrebt. Die Rollen sind bereits verteilt, die Figuren klar, die Geschichte, die sich um einen Autounfall unter Trunkenheit, eine Vertuschung dessen und das Ausschalten des einzigen Zeugen dreht, ist durch seine einzelnen Bestandteile, allen voran auch die Nebencharaktere – wie den Sündenbock der Intrige, einen früheren Police Commisioner, der das Schmuspiel privat überwacht, der vermeintliche Bösewicht und der tatsächliche etc. – schon interessant und im Kontext kräftig genug, auch die etwaigen Leerläufe zu überstehen.
So ist die Bedrohung des Zeugen vom ersten Moment an im Raum, und wird dies auch erstaunlicherweise auch nie vergessen; obwohl man zwischendurch natürlich in die lautmalerischen Sprüchen, die offensive Verbalkomik und selbst einige gross out Szenen wie eine sehr ungewöhnliche (und sehr zum Würgen reizende) Lebensrettung geht. Überhaupt stellt sich der Witz und die Pointen, die von Regisseur und Co-Autor Mark Wu stammen, als eher derbes Material, mit viel Flüchen – die auf der Tonspur noch anwesend, in den Untertiteln aber getilgt, bzw. abgeschwächt sind – und viel Grimassen, der ganzen Bandbreite des knalligen Schelmentums ohne Rücksicht auf Verluste dar. Zart besaitet ist hier demnach niemand und darf der Zuschauer, gerade bei der erwähnten Maßnahme zur Lebensrettung – die schon zum Wegschauen zwingt – nicht sein. Angenehmerweise wird dies aber nicht zu ärgerlich, trifft sicher nicht jede Idee auch ihr Ziel, aber hat man schon Verkrampfteres im Bemühen der Filmemacher und mehr nachteilige Versteifung des Drehteams gesehen. [China 3D ist zuletzt wenigstens dahingehend positiv als Lieferant von Ware aufgefallen, die sich weniger um Zensur schert, siehe auch 3D Sex and Zen: Extreme Ecstasy, Due West: Our Sex Journey, oder Imprisoned: Survival Guide for Rich And Prodigal, von denen die ersten Beiden auch derartig erfolgreich und preisbewusst waren, dass Sequels in Arbeit sind; Angebot und Nachfrage an weniger politisch Korrekten und dem Rückgang in frühere CAT III Gefilde scheint also zu stimmen.]
Hier ist doch noch Spielfreude vorhanden, wird aber auch die Ausgangsgrundlage stets berücksichtigt und wirft man allenthalben Parodien – von Comrades: A Love Story bis zu Infernal Affairs – und tatsächliche oder vermeintliche Gastauftritte von Michael Bay, Louis Koo und Chrissie Chau als sie selber und so Augenfang alle paar Minuten in die Waagschale und steigernd zum Gewicht. Die Blicke sind übrigens auch gerade die kräftigen (Tag-und-Nacht)Panoramen der Metropole HK und seltsamer- und interessanterweise auch gerade die männliche Statisterie wert, was dann wenigstens adäquat zum ausgeschriebenen Wettbewerb des „The Man of China“ gilt. Der Einfall des stattfindenden Casting und der anschließenden Show als Begleitung stammt spätestens vom derart gleichsam aufgemachten Beauty on Duty (2010), in dessen Fahrtwasser man den Buddy Picture Anteil aber wesentlich mehr anzieht, teils auch überdreht und aus einer anderen, einen äußeren, satirischen Ebene sieht, und getreu dem Motto des Entertainment auch so mancherlei Actionszenen einbringt, die so verkehrt gar nicht sind. Schüsse mit der Nagelpistole, Tritte ins Gesicht, mehrere kleinere Parcours-Einlagen, Prügeleien durch Mauern hindurch, Stürze die Treppe hinab, und überhaupt auch so einige Tote in der Szenerie, die dann gar nicht mehr so lustig wie verabredet wirkt.