kurz angerissen*
Beachtlich, an was für einen Stoff sich Adam McKay da herantraut – und dass man ihn seitens Paramount überhaupt gewähren ließ, da seine Vita bislang ausschließlich Regiearbeiten mit Will Ferrell als Hauptdarsteller vorzuweisen hat. In diesem Fall vertraut man ihm ein wenig mehr an, nichts Geringeres nämlich als die Finanzkrise ab 2007. Einen Börsen-, Banken- und Wirtschaftsfilm. Immerhin etwas, das ein wenig Grips verlangt.
Welch ein Glücksgriff eine solch unwahrscheinliche Paarung sein kann, beweist nun "The Big Short". "Der Große Crash" hat das Thema vor fünf Jahren ja schon ziemlich spannend aufbereitet, doch selbst dieses so packend inszenierte Drama kann nicht ganz gegen McKays Werk bestehen... weil es eben "nur" ein Drama ist. McKay hingegen durchbricht mehrfach die Vierte Wand und dringt in absurden Szenenbildern direkt zum Zuschauer vor, konfrontiert ihn mit seiner eigenen Uninformiertheit und reflektiert diese mit völlig absurden Erklärsequenzen. So bekommen wir beispielsweise von Selena Gomez beim Poker recht bildhaft einen Teilaspekt der Finanzkrise erläutert; über einen anderen belehrt uns Margot Robbie in einem Schaumbad, wohl wissend, dass sie uns vermutlich in einem Moment der Unaufmerksamkeit erwischt.
Und doch ist "The Big Short" keine alberne Schote, sondern eine temporeiche, multiperspektivische Annäherung an ein Wirtschaftsphänomen, das rückblickend vor allem eine Frage in den Raum stellt: Warum hat das keiner kommen sehen? Anders als "Der Große Crash" schickt "The Big Short" nicht etwa eine einzelne Identifikationsfigur vor, die langsam Schicht für Schicht aufdeckt, sondern eine bunte Mischung unterschiedlicher Mitspieler des Systems, die zwar alle auf ihre Art egoistische Motive verfolgen, jedoch deswegen noch lange nicht als Fieslinge dargestellt werden. Selbst dem herrlich schmierig auftretenden Ryan Gosling gewinnt McKay noch positive Aspekte ab, ganz zu schweigen von Christian Bale und Steve Carell, die Hervorragendes abliefern; aber auch die Nebenrollen sind stark besetzt, sei es nun Brad Pitt im Schluffi-Modus oder auch Finn Wittrock.
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