J.J. „Copy-Paste“ Abrams hat wieder zugeschlagen. Nachdem er schon Star Trek auf dem Gewissen hat, ist das nächste Franchise dran: STAR WARS - Das Erwachen der Macht.
Inhalt:
Ein Droide bekommt geheime Pläne. Droide trifft den Helden. Droide und Held flüchten vor den Verfolgern, dabei treffen sie auf ihre Sidekicks. Held kommt mit der Macht in Kontakt. Eine Superwaffe wird vorgestellt. Held wird mit dem Bösen konfrontiert. Superwaffe wird zerstört.
Hmmm, Moment mal, die Geschichte kennen wir doch schon. Ja, genau es handelt sich tatsächlich um ein Remake von A New Hope, mit kleinen Variationen aus den anderen Filmen. Dabei sind die Rollen einfach nur vertauscht und einige Ereignisse dazugedichtet (Rey/Luke, Kylo/Vader, Han/Han+Obi-Wan, Finn/Jar Jar, Poe/Wedge, Hux/Tarkin, Starkiller/Todesstern, etc.)
Eine Aussicht auf die kommenden Filme könnte so aussehen:
E8: Rey wird ausgebildet, das Impe... ähm erste Ordnung sucht weiter nach den Jedi, Rebellen rüstet zum Gegenschlag, erneute Konfrontation zwischen Rey und Kylo
E9: nächste Superwaffe wird entdeckt, Rebellen greifen an, finale Konfrontation Rey vs. Kylo+Snoke, Kylo wechselt die Seite Snoke wird besiegt großes CGI Gedöns Ende
Und falls die Kuh dann immer noch nicht zu einem Ledersack voll Knochen gemolken wurde, werden wir auch noch Episode 10-12 ertragen müssen.
Alles in allem hat Abrams wohl nicht mehr als 10 Minuten auf dem Lokus gebraucht um sich das zurecht zu legen. Anstatt eine Geschichte zu erzählen verfangen sich die Akteure in banalen Gesprächen, die meisten Motive bleiben ungeklärt und die momentane Situation der Galaxis ist auch unklar. 30 Jahre Star Wars einfach mal nichts passiert.
Cast:
Die Schauspieler sind blass, monoton und ersticken geradezu in SW-Klischees. Wobei es keinen einzigen Charakter gibt mit dem ich etwas anfangen kann. Es fehlen auch Größen wie damals Alec Guinness oder Peter Cushing. Schade um Max von Sydow sein Potenzial wurde in weniger als einer Minute verheizt.
Hier gebe ich vor allem Abrams die Schuld. Er ist einfach nicht kompetent genug die Figuren ins rechte Licht zu stellen. Das hat er leider auch schon in anderen Filmen unter seiner Regie bewiesen. Die Schauspieler sind nicht unbedingt fehlbesetzt aber unter der Leitung Abrams kann das Potenzial nicht ausgeschöpft werden. Speziell Adam Driver hat mehr drauf, dass hat er schon in vielen anderen Filmen bewiesen. Was allerdings Daisy Ridley angeht, sie tendiert stark zum Overacting und versucht krampfhaft die Powerfrau zu geben. Und John Boyega (Hmmm) er wirkt fast schon überflüssig in diesem Film. Hier kommt ein bitterer Beigeschmack von Quote auf.
Charaktere:
Kylo wirkt wie ein verzogenes Gör das ständig Wutausbrüche bekommt und unkontrolliert Dinge klein schlagen muss. Ein Merkmal das mir übel aufstößt ist, dass er (ein Sith) sich selbst von der dunklen Seite überzeugen muss. Eines der Hauptthemen in SW war immer wie schwer es ist der dunklen Seite zu widerstehen. Bei ihm scheint es genau andersherum zu sein. Er ist so gut, dass er vom Bösen überzeugt werden muss.
Han ist leider das traurige Opfer von Disney/Abrams. Sein Schurken Image wurde in die Tonne geworfen und der Charakter in die Mittelmäßigkeit verdammt. Und am Ende bekommt er noch den unwürdigsten Abgang der Filmgeschichte spendiert.
Rey oder sollte ich sagen Super-Rey. Erfährt dass sie machtsensitiv ist und beherrscht alles und sofort: 10 Sekunden Lernzeit für den Gedankentrick?! Außerdem „beeindruckt“ sie mit einem technischen Überbewusstsein für den Falken. Und warum sie diesen komischen Stab mit sich rumschleppt (den sie nie gebraucht) verstehe ich bis jetzt nicht.
Hux eine Witzfigur die seinesgleichen sucht inkompetent, weich fast schon weinerlich.
Phasma groß in der Promotion angekündigt aber auf der Leinwand nicht einmal 1 Minute zu sehen.
Finn ist der Hampelmann der Truppe seine ewigen Slapstick versuche sind einfach nur ermüdend und wirken völlig deplaziert.
Und dann noch Snoke, er wirkt so gefährlich wie ein überdimensionaler Gollum der verzweifelt sein Ring sucht.
Filmset:
Die Setwahl wirkt von Anfang bis Ende einfach nur uninspiriert. Hier wurden keine neuen Welten erschaffen sonder nur verschiedene Klimazonen mit einigen SW Elementen abgefilmt. Und diese Zonen sind auch nur mit einer Handvoll Lebewesen bevölkert. Selbst Mos Eisley wirkt dagegen wie eine Megametropole. Und wenn ich daran denke wie der Hangar auf Yavin 4 aussah und das mit dem lächerlichen Widerstandsnest vergleiche, ist das einfach nur ein Rückschritt. Das schlimmste Set allerdings wurde am Ende präsentiert wo man zwangsläufig denk: Oh, Luke ist in Irland. Ich hätte mindestens eine Atmosphäre wie auf Dagobah erwartet.
Insgesamt hat man das Gefühl das SW Universum besteht nur noch aus einer Handvoll Planeten, 6 Dörfern, 100 Rebellen, 1000 NO Sturmtruppen, 1 Sternenzerstörer, 24 X-Wings, 50 Tie-Fighter und einer Superwaffe. Und das galaktische Zentrum befindet sich gleich nebenan.
Effekte:
Effekte, wenn es denn welche gab, sind durchweg auf dem hohen Niveau von ILM. Aber wo waren die kapitalen Schiffe? Nur ein Sternenzerstörer und ein paar lumpige Transporter? Hier hätte ich mindestens die Dimension von Episode 6 erwartet. Außerdem fehlt es an einer Vielfältigkeit der Jägerklassen (A-B-Y-Wings, Tie-Interceptor).
Das einzige Lob kann ich an die Handgemachten Kostüme in der Bar geben. Wohl das einzige mal wo etwas SW-Feeling aufblitzt. Deshalb verstehe ich nicht warum Snoke vollanimiert wurde und ein Gefühl von Herr der Ringe vermittelt.
Zum Einsatz von 3D gibt es auch nicht viel Gutes zu sagen. Ich habe selten ein Film gesehen wo es so überflüssig und deplaziert wirkt. Es gibt keine Szene wo sich der Einsatz gelohnt hat. Wurde wohl nur eingesetzt um den 3D Aufschlag zu kassieren und weil es leider Mode ist. Glücklicherweise wurde Abrams von den Jungs bei ILM abgehalten übertrieben Lens Flares einzusetzen, was den Film aber auch nicht besser macht.
Musik:
Zur Musik von John Williams muss ich sagen ich liebe seine Werke. Aber hier hat man das Gefühl er wurde negativ beeinflusst. Die Musik wirkt unscheinbar, es gibt kein einziges markantes Thema. Bei allen vorherigen Filmen gab es wenigstens eine Sequenz mit der ich pfeifend das Kino verlassen habe. Wirklich traurig, weil vor allem die Musik Star Wars so großartig gemacht hat.
Negative Punkte:
Star Wars war auch unter George Lucas Regie nicht immer ohne Fehler. Aber was Abrams sich hier geleistet hat ist fast schon ein Verbrechen. Plot und Logiklöcher ohne Ende. Man hat das Gefühl Abrams hätte sich niemals mit Star Wars beschäftigt.
Hier ein paar Beispiele:
Warum wurde schon wieder ein Todessternähnliches Konstrukt gewählt? Hat ja die letzten zweimal so super funktioniert. 12 X-Wings etwas Glück und die Sache ist gegessen. Wenn schon geklaut wird warum nicht mal im EU (Stichwort: Sonnenhammer, Galaxis-Geschütz, etc.). Während man den Todestern noch logisch, in Sachen Konstruktion und Funktionsweise, nachvollziehen kann, ist es schon schwieriger den Zuschauer einen umgebauten Planten unterzujubeln. Allein der Aushub von ein paar 1000 Kubikkilometern führt zu Problemen. Außerdem kann die Waffe nicht oft angewendet werden da die Sonne wohl recht schnell ausgelutscht ist. Und die Atmosphäre verbrennt beim Abschuss auch nicht?!
Unrealistisch ist auch dass man den Einsatz der Superwaffe überall im Universum sieht.
Ist so als ob die Venus bei uns explodiert und im nächstgelegene Planetensystem (Alpha Centauri) das Lichtspiel in Farbe und 3D zu sehen ist. (Gab es einen ähnlichen Unsinn nicht auch in Star Trek als Vulkan explodierte? Oh Abrams du und deine unterentwickelte Fantasie.)
Zum Endkampf kann ich nur folgendes sagen: wenn ein Kendo Meister gegen einen untrainierten Gegner antritt dauert der Kampf keine 2 Sekunden. Genau so sollte es sich hier verhalten. Finn der „Sanitäter“ hätte selbst gegen einen mäßig trainierten Sith Schüler, der verletzt ist, keine 5 Sekunden stand gehalten. Zumal Kylo einen Blasterschuss mit der Macht aufgehalten hat!
Oder zur Sturmtruppenausrüstung: Ein Sturmtruppenhelm kann nur Rauch filtern aber keine Giftstoffe? Selbst die billigste Gasmaske aus dem 1.WK konnte mehr als dieser Helm!
Von dem „Spezial Trooper“ will ich erst gar nicht anfangen. Von 100 normalen Sturmtruppen trifft ausgerechnet dieser eine Anti-Jedi Exot auf Finn der nur durch Zufall ein Lichtschwert hat?
Und das alles (und noch mehr) von einem Mann der behauptet selbst ein großer SW Fan zu sein!? (Sich die Filme einmal anzusehen und ein T-Shirt mit „Ich bin der größte Fan“ zu kaufen, heißt noch lange nicht einer zu sein.) Da verweise ich doch gleich mal auf den Fan-Film Tydirium. So sollte Star Wars aussehen.
Lucas hatte damals wenig Mittel, Geldprobleme und eine Menge Druck gehabt als er ANH produziert hatte. Welche Entschuldigung hat Abrams? Er hat alle Mittel der Welt: Geld (Disney), technisches Know How (ILM) und so gut wie keinen Druck laut seinen übermäßig euphorischen Pressekonferenzen. Vielleicht wäre weniger Spaß am Set und mehr Arbeit die bessere Lösung gewesen.
Fazit:
Der Film wirkt uninspiriert, unausgeglichen, banal und fast schon wie eine Parodie. Ein B-Movie mit teuren Effekten. Wo ist das Geld geblieben? Ach ja, beim Marketing und Brainwashing der „Fans“. Wäre das der erste Film gewesen ohne Franchise und Disney im Rücken, wäre er gnadenlos an den Kinokassen untergegangen. Jetzt verstehe ich auch warum so ein großes Geheimnis um den Film gemacht wurde. Disney/Abrams konnten nicht riskieren durch schlechte Kritiken die Massenhysterie zu dämpfen.
Star Wars lebt vor allem von seiner Atmosphäre und seinem Mythos. Beides wurde hier nicht vermittelt. Es wurde zu wenig gewagt und herausgekommen ist ein kalter Aufguss. Für einen heutigen Star Wars Film fehlt einfach der Tiefgang. Dafür hat sich das Universum in den letzten Jahrzehnten zu weit entwickelt. Wenn die SW Fans in Zukunft nicht kritischer mit der Materie umgehen, werden die folgenden Filme/Serien in der glattgebügelten Mittelmäßigkeit der heutigen Medien einfach untergehen.
Den Film werde ich schnell vergessen aber der fade Beigeschmack von Kommerz bleibt.