Review

The Hateful Eight

Spoiler inside...

Oh je. Hätte ich dem Film sofort nach dem wohligen Sehen eine Zahl in die toten und aufgedunsenen Augenhöhlen drücken müssen, hätte auf beiden Münzen eine 5 gestanden. 5.5. Tief in die Augenhölen gedrückt, durch Blut geronnen und doch eben nur zwei Fünfer auf halber Strecke zum Kopfinneren. Aber was geht dieser Film klasse los. Ennio Morricone hat hier endlich und völlig zurecht die oberste Trophäe im Buisiness abgestaubt. Ein unheimlicher packender Opener, großartige Bilder und ein herrlicher Rythmus weisen auf einen großen Film hin. Tarantinos achter Film zieht mich sofort in seinen Bann. Diese unheimlich kitzelnde Weite, stillstehender Schnee und der drohende Sturm, Wolken wie ein grandioser Sehfluss...hach, die erste Stunde ist einfach grandioses Kino, wie es dieser Tage nur selten daher flammt. Quellende Dialoge, egoistische Monologe und dieses unheimliche Destillat ausgedehnter Szenen und idyllischer Wiederholungen. Allein wie Kurt Russel ständig seine Brille richtet, ist einfach purer Genuss.

Auch das Drehbuch schürt anfangs gute Ecken, zieht durch elende Kanten und pustet auch einfach mal ein paar Schläge durch geschundene Augen. Samuel L. Jackson, Kurt Russel, Jennifer Jason Leigh und vor allem der grandios aufgelegte Walton Goggins ziehen alle Register und blühen in den Zeilen des Meisters auf. Vieles wirkt, geht runter und bereitet mindestens ein Lächeln. Rassenkonflikte, Humor und vor allem der makabere Vibe, machen The Hateful Eight zu einem schönen Kammerspiel für Fans, Neulinge und Münzen, die sich im Auge setzen. Tief hineingedrückt, entfalten Adern, Schleim und kleine Wimpernstücke manchmal schiefes und trocknen im flauen Dunst einer abgelegenen Hütte.

Tarantino macht eigentlich alles richtig, überrascht leider nicht und ist trotzdem ein guter Freund im Geiste - zumindest filmisch gesehen. Mir ist der Film auch keineswegs zu lang oder gar langweilig, aber doch gibt es zwei Dinge, die mich total runter ziehen. Erstens sind nicht alle Charakter gut geschreiben. Gerade Demian Bichir und auch Tim Roth kommen trotz herrlicher Eigenheiten nicht gut weg und auch später eingeführte Nebenspitzen a la Channing Tatum bringen inhaltlich wenig mit. So wenig, dass mich der geschürte Konflikt doch etwas ärgert und teils viel zu kalt an den metallischen Rundlingen drücken ließ. Die gute Spannung der ersten Stunde, der klasse Wortwechsel zwischen Jackson, Goggins und Russel können nicht immer gehalten werden.

Als zweites möchte ich die Geschichte selbst anprangern. Was soll das? Sobald gezeigt wird, dass der Kaffee vergiftet wird, erklärt Tarantino über einen total bekackten Off-Kommentar, wer, wie, was zu wichteln hatte. Bei einer derart halbgaren Story ist das einfach zu dünn, überhaupt nicht nötig und auch nicht geistreich. Der Twist hält sich für viel schlauer, als er letztlich ist und überhaupt vertraut man hier am falschen Ende der Gabe. Die Wendungen und die Konflikte unter den Protagonisten selbst, ist einfach nicht zündend. Das ist im dritten Viertel einfach eine ganz müde, ausgelaugte und abgestandene Geschichte. Das Finale ist aber grandios, richtig finster und voller seelischer Schwärze. Ich amüsierte mich, ekelte mich und stand aber doch ziemlich ratlos da.

Der famose Soundtrack, die tollen wie handgemachten Effekte und einige grandiose Drehbuchezeilen - Eintopf schmeckt hier und da eben einfach so - retten Tarantino vor einem Fall. Aber so richtig geil ist das hier alles nicht. Und so sitze ich auf dem letzen Leichnam des Filmes, lege die Münzen auf seine kalten Lieder und drücke, so fest es eben geht. Blut spratzelt an den Seiten hinaus, der Kopf knickt unnatürlich über und Blasen, Häute wie Wände platzen. Tief drin im genialen Hirn stecken nun zwei Münzen. Der vorher Erhängte liegt regungslos da und unter den Körperflüssigkeiten schimmern zwei neue Zahlen auf den Silberlingen. Schnee fällt dicht und leise. Ich zähle zur Vorsicht nochmal die Knoten - feste Stricke sind eben nicht minder gebunden - und schiele auf die Münzen wie Windungen...6.5 zähle ich da...nun gut...

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