Review

kurz angerissen*

Schwer, etwas für oder gegen Tarantinos achten Film vorzubringen. Die auffällige Wiederholung seiner selbst kann man dem Regisseur anlasten oder auch als geschickten Schachzug begreifen. Agiert Tim Roth ideenlos, als er Christoph Waltz imitiert? Ist die stark an "Reservoir Dogs" erinnernde Ausgangssituation dreiste Selbstkopie oder gelungenes Selbstzitat? Soll die offensichtliche Tatsache des zweiten Westerns in Folge durch den Schnee kaschiert oder einfach nur neu eingekleidet werden? Selbst wenn man das Kammerspiel mit den immer noch geschwätzigen Charakterprofilen genießt, was selbst bei fast drei Stunden aufgrund der situativen Dynamiken problemlos möglich ist, so ist "The Hateful Eight" doch mit Abstand der Tarantino mit der geringsten Eigensubstanz. Lediglich der unkonventionelle Originalscore Morricones ist hier herauszuheben. Alles andere nährt sich aus dem eigenen Oeuvre, ohne jemals diesen individuellen Glanz zu bekommen, den jeder der anderen Filme auf seine Art besaß, obwohl sie alle bloß auf ihre Weise die Filmgeschichte rezitierten.

Selbst die Politisierung des Stoffes durch den Feuilleton als garstiges Rassismusdrama erscheint bloß wie ein halbgarer Versuch, dem Werk eine Bedeutung anzuhaften, für die es eigentlich nicht geschaffen scheint; vielmehr bietet es eine blanke Projektionsfläche für jede mögliche Thematisierung amerikanischer Themen. Insofern erfüllt der Schnee als weißes Papier seinen Zweck; und Tarantino erfreut sich an der Vielfalt, mit der seine roten Rorschach-Kleckse im Enddrittel interpretiert werden. Damit hat er sein bis dato flachstes und doch brillantestes Werk vorgelegt.

*weitere Informationen: siehe Profil

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