Review

Review zu „The Hateful 8“ (2016)

„Die Hasserfüllten 8“ ist treffender weise die 8. Regiearbeit des künstlerisch anspruchsvollen Kultregisseurs und absoluten Filmnerds Quentin Tarantino. Auch wenn sein Drehbuch vorab geleakt ist und er eigentlich diesen Film nicht machen wollte, bin ich absolut dankbar, dass er es doch getan hat.

Wir bekommen es hier mit einem psychologisch ausgefeilten Kammerspiel zur Zeit nach dem amerikanischen Bürgerkrieg mit dem Grundthema des Kapitalismus zu der damaligen Zeit zu tun. Das ist im Endeffekt auch die Folge, wenn 8 Charaktere, die total abgewrackt und abgeklärt zu sein scheinen und jeder einzelne auch eine eigene Agenda führt.
Jeder der 8 Charaktere wird extrem gut eingeführt, wir bekommen jede notwendige Backstory und auch Motivation geliefert, doch nichts ist so wie es scheint. Zunächst einmal muss ich die Auswahl der Darsteller loben. Es handelt sich entweder um übliche Verdächtige (Samuel L. Jackson), längst vergessene tarantino-erprobte Darsteller, auch aus der 2. Reihe (Kurt Russell, Walton Goggins, Tim Roth, Michael Madsen) oder auch absolute Neulinge (Demian Bichir, Bruce Dern, Jennifer Jason Leigh). Jeder dieser Charaktere ist in gewisser Art und Weise so gestaltet, dass diese als Protagonisten und Antagonisten gleichermaßen funktionieren können und gleichzeitig Symphatie und Antiphatie beim Zuschauer wecken, da man nie weiß, auf welcher Seite welcher Charakter steht. Der Zuschauer weiß auch erst, was abgeht, wenn es passiert, und dann weiß er auch nicht, was tatsächlich passiert ist.

Die Inszenierung ist der Hammer, die Kamera von Robert Richardson fängt gleichermaßen die absolut genialen Außenaufnahmen sowie auch die miskropisch kleine Atmosphäre in der Hütte ein. Jede Kameraeinstellung und jeder Schnitt sitzt. Die musikalische Untermalung von Ennio Morricone ist da nur das Topping auf dem geilen Eintopf, den uns Tarantino hier serviert. Es gibt zwar die tarantino-typischen Dialoge, Monologe, usw – aber diese werden diesmal nicht durch absolut unnötigen trivialen Bullshit belastet, sondern treffen immer passend die Situation und Handlung und sorgen mit der Inszenierung und den Darstellern für absolut nervenzerfetzende Spannung, die für tarantino-typische Verhältnisse in den klassisch tödlichen Gewaltexzessen gipfelt.
Etwas, was mich in den meisten Filmen hin und wieder stört ist die Konsequenzlosigkeit und den fehlenden Mut. Ein anderer Western trägt den Namen „True Grit“, was in etwa sowas übersetzt bedeutet, wie „Echter Schneid“ - Den Tarantino hier definitiv hatte. Manch einem kann das knapp 3 Stunden dauernde Kammerspiel etwas genervt und gelangweilt zurücklassen, vor allem, wenn man in klassischer „Tarantino-Manier“ die Story in Kapiteln aufgeteilt vorfindet, die in der Regel chronologisch aufeinander aufbauen. Da könnte das 5 Kapitel einen kleinen Bruch darstellen. Wie bei einer Wrestling-Großveranstaltung, bei dem zwischen 2 Main-Events ein Undercard- bzw. Divenmatch als Pinkelpause platziert wird. Aber genau diesen Bruch hat die Story auch gebraucht, damit der Zuschauer auch erst riecht, was „The Rock“ in der Pfanne hat, wenn es zu 100 % Sinn macht.

„The Hateful 8“ ist witzig, spannend, unterhaltsam und wieder mal ein filmisches Meisterwerk von Tarantino. Ich traue dem Film zu, auch noch in Jahren, Jahrzehnten ein definitiver Kultklassiker zu werden/sein. Ich liebe doppel- und dreibödige Kammerspiele – Und hier gehört „The Hateful 8“ klar dazu. Mein Filmjahr 2016 wird am 31.12.2016 abgerechnet. Ich habe mir erst überlegt, auch Filme mit einer 9er-Bewertung bei höherem Replay Value als „ Meinen besten Film des Jahres“ auszuzeichnen, aber das wäre den Filmen mit einer 10er-Bewertung nicht fair gegenüber. In der Kategorie „Mein Film des Jahres“ war bisher nur „The Revenant“ als Kandidat gelistet. „The Hateful 8“ gesellt sich nun auch dazu.

„The Hateful 8“ bekommt von mir 10/10 Punkte

Details
Ähnliche Filme