Review

The Hateful 8 (2015) von Quentin Tarantino

Warum denn noch ein Review zu diesem Film? Meines ist inzwischen schon das Sechzehnte!
Nun, ich möchte mit meinem Beitrag auch meine Sichtweise drunter mischen - quasi als Ergänzung. Insbesondere für diejenigen, die mit dem Kauf der DVD/Blu-ray spielen, oder ihn bitter bereut haben. ;)

Sch... auf den Personenkult! Wer ist Tarantino? Wer ist Morricone? Wer ist Kurt Russell?
Natürlich hofft man mit bestimmten Künstlern (bei Drehbuch, Regie, Besetzung, Kamera, Musik...) Garanten für ein (weiteres) gelunges Werk ableiten zu können, aber dies ist keine Formel!
In erster Linie zählt immer die persönliche Unterhaltung:
Hatte man Spaß beim Angucken? Würde man den Film wieder anschauen? Auf welche Szenen freut man sich dann besonders? Worüber wird gequatscht und gelacht?
In meinen Augen wird Tarantino überbewertet. Und Entschuldigung - auch Morricone hat Mist produziert, der mir nicht gefällt. Es sind aber auch nicht alle Western von John Sturges, Gordon Douglas... gleich gut und "Die glorreichen Sieben" (2016) oder "In A Valley Of Violence" (2016) bieten den schöneren Score als "The Hateful 8" - aber sei's drum! Widmen wir uns DIESEM Film!

Wie den meisten vielleicht schon bekannt sein dürfte, handelt es hierbei um ein zufälliges Aufeinandertreffen völlig verschiedener Menschen, mit völlig unterschiedlichen Positionen, Charakteren und Zielen. Vier von ihnen lernen sich bereits bei einer Postkutschenfahrt kennen, die anderen vier finden sich in Minnies Miederwarenladen, an dem die Postkutsche wegen eines Schneesturms eigentlich nur vorübergehend Station machen will.

Soso - also eine Postkutschenfahrt und der anschließende Aufenthalt von 8 Personen in einem Raum. Klingt zunächst langweilig oder zwangsweise nach endlosen Dialogen. Richtig! Nun kommt's aber drauf an, wie das Ganze umgesetzt wird, bzw. wurde!

Etwas ungewohnt wird der Film in eingeblendete Kapitel aufgeteilt. Für Blöde? Nee, nicht ganz! Im Verlauf des Films folgt nämlich auch eine Rückblende, die die Lösung zu einem Rätsel enthält. Aha, hat also alles seinen Grund! Jau, also lassen wir uns weiter treiben... :)

Schon während der Fahrt lernt man durch die Dialoge (welche in der ersten Hälfte dominieren) die Leute nach und nach kennen, aber stimmt auch alles was sie sagen? Was führen sie wirklich im Schilde? Wer ist Freund, wer Feind? Wem könnte man trauen? Wie entwickeln sich die einzelnen Charaktere? Das Rätselraten beginnt und jeder darf und soll aber auch nun selbst den vermeintlichen Bösewicht enttarnen - Auflösung folgt...
...und die schließlich lang erwartete Action auch - wenn dann auch sehr massiv und blutig! ;)

Doch nun einige Punkte, die mir missfielen und zur Abwertung geführt haben:
Modische Aussprache, die Musik ist anfangs übel, bzw. nervt, Texte teils zu vulgär und niveaulos, Kapitelaufbau mit Erzählform, Durststrecke ohne nennenswerte Action (gerade auf einer längeren Postkutschenfahrt hätte sich angeboten die Dialoge zu straffen und dafür mehr Gefahren einzubauen, s. "Stagecoach" und Remakes), dieses grelle (Flut)Licht über den Tischen (kommt das von vorsintflutlichen Strahlern?), bei den Außenaufnahmen stört mich der verwendete Blaufilter, es wird auffallend oft das Wort "Nigger" verwendet - warum so oft? Auch andere Dinge sind überflüssig oder (in der 1. Hälfte) zu langatmig (keine Angst, richtig langweilig wird's aber zum Glück nicht)! Gegen Schluß wird der Film dann etwas übertrieben blutig.
Ach ja - und auf die Szene mit dem nackten Mann und den Hinweis zum Oralverkehr kann ich in einem Western gut verzichten, zumindest auf die Details! Was soll das? Macht das den Film nun besser?

Wie gesagt, möchte ich mit diesem Review das Gute mit dem Schlechten vergleichen, um evtl. eine andere Sichtweise über den Film aufzuzeigen oder dem einen oder anderen eine Kaufentscheidung erleichtern.

"The Hateful 8" ist bestimmt kein typischer Western. Auch sieht man keine, wie in vielen anderen US-Western und ja, sogar wie in den 11 Winnetou-Verfilmungen aus den 1960ern, sonst üblichen schönen Landschaftsaufnahmen. Nicht allein dadurch fehlt auch eine gewisse Westernatmosphäre. Und natürlich gibt's auch keine Story mit typischen Elementen.
Kurz um - bei diesem Western bitte keine bestimmte Erwartungshaltung haben, dann ist man auch nicht so leicht enttäuscht!

Man muss bei diesem Film wirklich offen sein für was Neues! Er hat seine eigene Story - ist halt mal was ganz anderes, inkl. Rätsel! Es ist einer dieser seltenen (und gewöhnungsbedürftigen) "Winter-Western", leider ohne nennenswerte, landschaftliche Reize. Und er bietet eine untypische, aber eigene und sogar schon gemütliche Atmosphäre, kombiniert mit knallharter und blutiger Action! Sowie was zum Knobeln...

Von mir gibt's für dieses, handwerklich und schauspielerisch absolut professionell gemachte, Werk 7 Punkte, wobei ich manchmal auch nur zu 6 tendiert habe.

Nachdem ich, aufgrund der Schilderung eines Freundes, der den Film bereits kpl. gesehen hatte, eine anfängliche Zurückhaltung, vielleicht sogar Vorbehalte hatte, habe ich mir die DVD zunächst von der städtischen Bücherei ausgeliehen. Ich wollte ihn irgendwann doch mal gesehen haben, hielt aber die Erwartungen flach. So schaute ich an einem Sonntag im vergangenen Dezember nachmittags die erste Hälfte an, am Abend dann die zweite.
Und was ist anschließend passiert? Ich musste viele Tage danach immer wieder an den Film denken und bemerkte, wie er bei mir doch Spuren hinterlassen hatte und ich merkte auch, wie ich mich freue ihn (bald) mal wieder anschauen.
So habe ich mir dann die DVD gebraucht gekauft und spätestens im kommenden Winter werde ich diesen umstrittenen, aber auch besonderen Western mit seinem eigenen Charme erneut genießen. Übrigens habe ich des Rätsels Lösung inzwischen schon wieder vergessen! ^^

Also, diejenigen unter euch, die den Film gesehen und auch die DVD gekauft haben, möchte ich raten, diese erstmal zu behalten. Dieser Western bot vielleicht nicht das, was man gerne gesehen hätte und es gibt viele, viele bessere, aber er hat irgendwas - irgendetwas Liebenswertes - bestimmt! Mit einer anderen Sichtweise oder nach einem Gespräch mit einem Fan, schaut man ihn ein zweites Mal (mit anderen Augen) an und kann ihm plötzlich mehr abgewinnen!?
Den anderen, die ihn noch nicht gesehen haben, rate ich einfach anschauen - aber bitte keine bestimmten Erwartungen haben, sondern nur offen sein für was Neues!

Viel Spaß und gute Unterhaltung! ;)

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