Kein Spaß macht dieser Film, der in vielerlei Hinsicht ganz anders ist als Tarantinos ersten 7 Filme. Der mit Sicherheit am wenigsten unterhaltsame, achte Film des Pulp-Fiction-Meisters ist eine extrem unbequeme Reise ins eigene Unterbewusstsein - so würde ich die Hütte interpretieren, in der sich der Großteil der Handlung abspielt. Hier schlummert und lauert und wartet alles, wovon man nicht zu träumen wagt. Hoffnung gibt es schon gleich gar nicht. Es gibt auch keine positiven Entwicklungen - das was positiv erscheint, wird mit wenigen Schüssen vor und in der Hütte ermordet. Zurück bleibt ein brutaler, unerträglicher Nihilismus, der sich in den bösartigen, korrupten und desillusionierten Figuren und ihren Handlungen widerspiegelt. Selbst die "Guten" dieses Theaterstücks auf bombastischen 70 mm sind von Anfang an verflucht. Sie dienen weder als Identifikationsfiguren für den Zuschauer, noch erscheinen sie einem sympathisch. Wo uns Tarantino in "Inglourious Basterds" selbst den bösen Nazi Hans Landa als hinterhältig-eloquente Witzfigur sympathisch erscheinen lässt, möchte er dem Publikum diesmal anscheinend jeden Spaß von vorneherein verderben.
Da ist nichts, aber auch gar nichts lustig. Selbst die abgeschmackte und grausame "Schwanz"-Erzählung von Samuel L. Jacksons Charakter, die als Rückblende auch zu sehen ist, macht alles mögliche, nur keinen Fun. Sie ist einfach nur widerlich.
Der Titel des Films verrät beim zweiten Hinschauen, um was es geht: Das Publikum soll die 8 Protagonisten und das, was sie verkörpern, hassen. Der Film ist ein bitter böses Lehrstück über die Mechanismen der Grausamkeit und der Dummheit. Am Ende sterben alle, das ist nur konsequent. Dass selbst die beiden "Guten" am Ende dem Tode geweiht sind, juckt den Zuschauer wenig. Bis dahin haben alle Beteiligten bereits soviel Abgründiges von sich gegeben, haben gelogen, beleidigt, gemordet und vergiftet, so dass man am Ende niemandem nachtrauert. Es ist nicht einmal mit Shakespeares Dramen vergleichbar, wo ja auch irgendwie alle am Ende immer sterben, denn hier fühlt man keine Empathie, es ist einfach wie es ist. "schade", dass alle tot sind und der Film aus ist, wird niemand sagen, eher "Gottseidank". Es ist ein Ritt durch die Hölle, den wir als Zuschauer irgendwie überleben, und der uns dennoch seltsam kalt lässt.
Wer jetzt glaubt, aus meinen Worten eine schlechte Kritik herauszulesen, ist aber dennoch schief gewickelt. Denn tatsächlich finde ich diesen 3 stündigen Trip durch die Abartigkeit des menschlichen Daseins extrem gut gemacht, gespielt und inszeniert.
Die Originalmusik von Ennio Morricone unterstreicht diese Abgründigkeit auf eine Weise, wie ich sie lange nicht mehr im Kino erlebt habe. Zurecht hat Morricone dafür den Oscar erhalten. Das musikalische Titelmotiv, das sich aus den Untiefen der Hölle (in Form eines Kontrafagotts oder sowas ähnlichem) an die Erdoberfläche schlängelt und die bitter kalte Schneelandschaft zu durchdringen scheint, dieses Motiv, das mit seinen bedrohlich wirkenden Sekund- und Terzschritten ein wenig an Williams "Der weiße Hai" erinnert, nähert sich (wie der Hai) immer mehr steigernd und lauter werdend der Hütte, in der es zum unvermeidlichen Showdown kommt. Bereits nach dem 6 minütigen Vorspann - obgleich man noch keine einzige Person gesehen hat, eben nur die sich nähernde Kutsche - weiß oder zumindest ahnt man, in welche Abgründe man in den nächsten 3 Stunden blicken wird.
Das ist alles in allem keine leichte Kost und führt dazu, dass der Film wie kaum ein anderer Tarantino-Film die Kritiker polarisiert. Ich konnte dem blutigen Spektakel jedoch eine ganze Menge abgewinnen und habe auch nach dem dritten Mal anschauen jeden einzelnen Charakter des Films gehasst!