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Drei junge US-Rucksack-Touristen wollen in den georgischen Bergen campen - Daniel und Alicia wollen heiraten, und bester Freund und Trauzeige Chris ist daher mit von der Partie. Dummerweise hatte Alicia schon mal was mit Chris, was dieser seinem besten Freund gebeichtet hat. Als der Park-Mitarbeiter Devi das Trio am nächsten Morgen abholt und sie für ein Gruppenbild der drei auf eine Wiese dirigiert, steigt Chris auf eine Mine, die sofort detoniert, sobald er sich bewegt. Die Mine liegt natürlich nicht grundlos dort, sondern wurde von Daniel und Devi wohlweislich dort vergraben - süße Rache für den Fehltritt seines besten Freundes. Die beiden lassen den konsternierten Chris und die vergeblich flehende Alicia mitten auf dem Waldhügel allein. Nach einiger Zeit entdeckt ein Einheimischer mit Hund und Gewehr die beiden verzweifelten Touristen. Ein perfides Psycho-spiel beginnt...

Die georgische Produktion Landmine Goes Click weckt Erinnerungen an den hervorragenden No Man's Land, wo ebenfalls eine scharfe, aber noch nicht detonierte Mine die Akteure zu speziellen Verhaltensweisen zwingt. Regisseur Levan Bakhia, der auch am Drehbuch mitschrieb, hat hier jedoch mit relativ einfachen Mitteln keine Satire, sondern einen packenden Psycho-Terror-Film gedreht, der über die gesamte Länge eine konstante Spannung aufbaut, obwohl er an einigen Stellen einige Erklärungen schuldig bleibt. Der Film gliedert sich in zwei Teile, von denen der erste etwa eine Stunde dauert, dem sich ein knapp 35-minütiger zweiter Teil anschließt. Selten kann man bei einer Filmkritik so wenig auf die eigentliche Handlung eingehen wie bei Landmine Goes Click, ohne allzuviel der Geschichte zu verraten - daher sollen einige Umschreibungen und Interpretationen genügen.

Der Film, der sich zum größten Teil in einem Haus bzw. einer Waldlichtung abspielt, lebt vom furiosen Spiel seiner (wenigen) Akteure: Da ist zum einen Chris (Sterling Knight), ein eher schüchterner Bursche, der dem jungen DiCaprio ähnelt und im Lauf des Films über sich hinauswächst - zum anderen ist da der einheimische Imker Ilya (Kote Tolordava), dessen merkwürdig kauziges Gehabe den Zuseher rätseln läßt, was er eigentlich will und warum er so lange zögert - eine bemerkenswerte schauspielerische Leistung. Zwischen den beiden steht Alicia (Spencer Locke, Resident Evil), die zusehends die Nerven verliert und dies wirklich sehr überzeugend rüberbringt - ohne das übliche überdrehte Gekreische und aufgesetzte Dialoge. Wie sie langsam den Verstand verliert, erzeugt Empathie - für mich die stärkste schauspielerische Leistung im Film. Aber auch die wenigen anderen Darsteller wirken - jeder einzelne - authentisch und echt. Die drei genannten Hauptdarsteller - und das ist der große Unterschied zu anderen Rape & Revenge-Streifen - lassen dem Zuschauer durch ihr durchaus ambivalentes Spiel die Möglichkeit, sich in die Figuren hineinzuversetzen. Keiner ist von Grund auf schlecht oder böse, und das Drehbuch hat weißgott einige Überraschungen parat.

Warum Georgien? Ich kann es nur insofern interpretieren, daß der Georgier Levan Bakhia seinen Film einfach in seinem Heimatland drehen wollte - eine gute Entscheidung, denn einen Typen wie Ilya kann man sich in der westlichen Welt kaum vorstellen. Wenn aber amerikanische Touristen im "wilden Osten" stranden, fühlt man sich zunächst an die Hostel-Thematik erinnert: Wo Eli Roth jedoch ganz bewußt das Klischee vom verschlagenen, hinterhältigen Osteuropäer (damals: Slowaken, Tschechen) schürt, präsentiert Bakhia die Georgier als vollkommen normale, ja sogar recht gastfreundliche Menschen. Mama möchte das Töchterlein nicht nach Moskau reisen lassen, denn dort würden junge Mädels nur in der Disco tanzen gehen und flugs an einen Araber verkauft werden... Ebenfalls mit einem Augenzwinkern mag man die Bitte nach einer "alten Landkarte" vernommen haben, für die der amerikanische Tourist sogar bezahlen möchte - um die Antwort zu erhalten, daß man ihm dieselbe natürlich gerne ausdrucken kann... einer von ganz wenigen humorvollen Dialogen im Verlauf dieses doch sehr ernsten Films. Dass es darüber hinaus keinerlei sprachliche Kommunikationsprobleme zwischen Georgiern und Amerikanern gibt (man unterhält sich als ob man dieselbe Sprache spricht), sollte man schlicht ignorieren - es ist für die Handlung des Films auch nicht wichtig.

Trotz der Rape & Revenge-Thematik ist Landmine Goes Click dank des niedrigen Blutgehalts und der überraschenden Wendungen - die Gewaltszenen sind sehr schonend abgefilmt, der psychische Terror findet eher im Kopfkino des Zuschauers statt - ein sehenswerter Film geworden, der auch zum Nachdenken anregt. Ich bin mir nicht einmal sicher, ob die anfangs angesprochenen fehlenden Versatzstücke nicht genau diesem Zweck dienen sollen - sie könnten es zumindest. Man achte dabei auch speziell auf die letzte Einstellung des Films, die als Quintessenz des zuvor Gesehenen aufzufassen ist. 8 Punkte.

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