Review

Die Exploitationfilme "I Spit on your Grave" und "Last House on the Left" standen deutlich Pate beim Debüt des Argentiniers Guillermo Martínez. Den schmuddeligen Grindhouse-Look bekommt er sogar recht gut hin, jedoch hält er sich bezüglich deutlicher Gewaltdarstellungen viel zu bedeckt.

Biologiestudentin Martina (Victoria Witemburg) ist in einer einsam gelegenen Gegend unterwegs, um seltene Pflanzen zu erkunden, als sie zwei Typen ansprechen. Kurzerhand wird sie verschleppt und landet im Quartier eines Sadistentrios...

Das Problem beginnt bereits mit der Figureneinführung des potentiellen Opfers, denn Martina allein bei alltäglichen Morgenritualen beizuwohnen, schürt nicht gerade erhöhtes Interesse. Erschreckenderweise erhalten ihre Peiniger ein deutlich besseres Profil, was allein durch einzelne Interaktionen, jedoch auch durch einen Kindheitsbericht geschieht.

Lang anhaltende Vergewaltigungsszenen sind zwar nichts für sensible Gemüter, doch ein keuchender Kerl im Halbdunkel, der sich so über sein Opfer lehnt, dass es fast nicht mehr zu sehen ist, schockiert wahrlich nicht so sehr. Ohnehin ist die Ausleuchtung nicht optimal, denn obgleich die Ausstattung angemessen schäbig ausgefallen ist, sieht man nur selten etwas davon. Bei den Outdoor-Szenen lässt sich nur vermuten, dass die leicht unsichere Kamera und die geringen Kontraste eher unfreiwillig zur Optik älterer Rape & Revenge - Streifen passen.

Was Genrefreunde neben der kompletten Vorhersehbarkeit ohne jegliche Überraschung am meisten ärgern dürfte, ist die mutlose Herangehensweise in Sachen Folter und Gewalt, was bei einem derartigen Titel durchaus ernüchtert. Es gibt einen Pfeileinschuss unterhalb eines Auges und sonst nichts. Es wird zwar eine Fräse angesetzt, doch das Blut spritzt lediglich im Off, während die Spaltung eines Schädels nur zu hören ist. Ein wenig nackte Haut einschließlich einer Landebahn sind zwar zu sehen, doch auch hier bleibt Martínez sehr zurückhaltend.

Wenn das Mitfiebern mit dem Opfer nur bedingt gegeben ist und die anschließende Racheaktion weder eine plausible Motivation, noch eine nachvollziehbares Sinneswandlung liefert, ist es mit der Wirkung des Streifens nicht weit her. Performt wird zwar solide und der Score fällt variabel aus, doch der Rest vermag kaum zu überzeugen.
Genrefans sollten nicht zu viel erwarten, denn um zu schockieren, erscheint das Werk rund 40 Jahre zu spät.
4 von 10

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