Review

Zum Zeitpunkt, da ich diese kurze Kritik verfasse, habe ich den Vorgänger "Found - Mein Bruder ist ein Serienkiller" noch nicht gesehen. Und soviel sei gleich verraten: nachdem ich "Headless" hinter mir habe, bin ich nicht sicher, ob ich mir "Found" noch antue. Kann das Hauptgericht gut sein, wenn der Nachtisch derartig miserabel ist?


Aber der Reihe nach: "Headless" basiert auf "Found" bzw. ist ein Spin-off dieses recht erfolgreichen Werkes. In "Found" kann eine Kurzversion von "Headless" begutachtet werden; einer der beiden Hauptdarsteller schaut sie sich zusammen mit Freunden an. Ursprünglich also als "Film im Film" angelegt, wurde "Headless" von Arthur Cullipher, der in "Found" für die Spezialeffekte zuständig war, auf Spielfilmlänge aufgeblasen. Finanziert wurde dies über die Crowdfunding-Plattform Kickstarter. Die benötigten rund 20.000 Dollar kamen auf diese Weise von 324 Gutgläubigen, die annahmen, ihr Geld gut anzulegen. Einen Teil von ihnen kann man im Film auf einer Rollschuhbahn im Kreis fahren sehen, andere bekamen den Murks als signierte Blu-ray.

Ich habe zum Glück nicht gespendet, aber dafür hohes Porto gezahlt, um mir die Scheibe von der amerikanischen Produktionsfirma schicken zu lassen. Ich Kamel, hätte ich besser in Rollschuhe investiert.

Der gesamte Film besteht nämlich eigentlich nur aus einer einzigen "Kern-Szene", von der die Macher derartig überzeugt waren, dass sie sich durch die gesamte Story zieht: Frauen werden geköpft, ein Auge wird aus dem Kopf gelöffelt und zerbissen, woraufhin eine weiße Flüssigkeit (Milch?) über das Kinn der Latexmaske des Killers läuft. Anschließend wird der der Schädel durch das Halsende penetriert. Klingt schaurig? Isses aber nicht. Denn dazu wurden die Szenen viel zu lausig und stümperhaft umgesetzt und die Darsteller versagen kläglichst. Dasselbe gilt für die lächerlichste Entmannung die je gedreht wurde: Ein Messer ist am besten Stück zu sehen, Schnitt, ein undefinierbarer Klumpen (Geflügelhaut?) fällt zu Boden. Nun ja, die Schnitte in Beine und Brust, die irgendwann mal zur Abwechslung auftauchen, wirken dagegen noch halbwegs überzeugend...

Habe ich etwas vergessen? Ach ja, die Handlung! Also: Der Kopfficker fickt Köpfe und löffelt Augen unter Anleitung (besser: Zähneknirschen und mit nacktem Finger auf angezogene Leute zeigen...) eines imaginären Kindes, bzw. seines Alter Egos. Dieses trägt - wie er selbst - eine Latex-Totenkopfmaske. Derlei Hobby geht der Kopfficker nach, weil er..., na? Natürlich, weil er unter einem Kindheitstrauma leidet, denn er wurde von Mama und Schwesterlein in einem Käfig gehalten und angepinkelt. Gähn. Das war's. 

Nun will ich zum Ende dieses Verrisses versuchen, doch noch etwas Gutes an "Headless" zu finden, denn schließlich behaupten die Macher ja, Anhänger des Genres zu sein, womit ein Hauch Solidarität angebracht ist. Okay, das gemalte Covermotiv hat etwas. Und okay, der Film taugt vielleicht auch, um die Genialität bedeutender Werke des Genres zu unterstreichen. Denn wenn wir uns heute vergegenwärtigen, mit welch ebenfalls geringem Budget z.B. 1981 der damals 22jährige Sam Raimi "The Evil Dead" realisierte und welche Welten zwischen Werken wie diesem und Müll wie "Headless" liegen, offenbart sich uns die Genialität der Könner des Genres und lässt uns einmal mehr in Ehrfurcht vor ihren wegweisenden Werken verharren. Und für diese Erkenntnis gebührt Arthur Cullipher Dank in Form eines Punktes. 1/10

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