kurz angerissen*
Was die Coens mit dem Gesicht von George Clooney anstellen, während er eine Parodie auf Monumentalschinken-Heroen wie Kirk Douglas oder Richard Burton liefert, ist schon phänomenal genug; aus ungünstigem Schrägoben-Winkel präsentiert er ein angestrengtes Grinsen voller Überheblichkeit und lässt Bewunderung und Veralberung der Galeonsfiguren des alten Hollywood in nur einer Einstellung zu. Nun ist Clooney eben Clooney und seit seinem Kampf gegen die Killertomaten immer schon für einen ironischen Blick auf sich selbst zu brauchen gewesen, aber selbst die Johansson aus der Reserve zu locken und debil in die Kamera grinsen zu lassen, das ist dann wohl die eigentliche Kunst.
Josh Brolin geleitet als absoluter Coen-Archetyp wie einst John Turturro ("Barton Fink") durch ein Hollywood, das über der coolen Fassade des Hauptdarstellers einstürzt und ihn regelmäßig in die Luft hüpfen lässt wie ein aufgeschrecktes Huhn, was angesichts des lässigen Noir-Outfits mehr als genug komödiantischen Zündstoff bietet, um "Hail, Caesar" als Ganzes schon zur vergnüglichen Farce geraten zu lassen. Dazu dann noch diese ultrakünstlichen Sets, gerahmt von Palmen, Wassertürmen und weißen Casablanca-Gebäudefassaden, die einen infiniten Film-im-Film-Abyss in Gang zu setzen scheinen - erst recht, als Channing Tatum auf einmal umgeben von Matrosen eine Tanznummer aufführt, die nicht nur sein "Magic Mike"-Image auf die Schippe nimmt, sondern die Musical-Affinität der damaligen Studios gleich mit. Von all den anderen smarten Nebenrollen kleinerer und größerer Natur ganz zu schweigen; Wayne Knight, Christopher Lambert, E.E.Bell oder Dolph Lundgren haben nur szenenweise Auftritte, damit aber einen ungewöhnlich großen Impact auf die Wirkung des Films. Einer Tilda Swinton und vor allem einem Ralph Fiennes gelingen sogar mit nur wenig mehr Zeit liebevolle Charaktermodelle, aus denen sich das Hollywood-Imperium seinerzeit zusammensetzte.
Darin liegen eindeutig die Stärken des neuen Coen-Werkes. Es erscheint wie eine Fingerübung, bedenkt man die Affinität der Brüder dahingehend, sich metatextuell mit der Funktionsweise des Films als Industriezweig innerhalb der eigenen Werke auseinanderzusetzen. Aus dem Verlangen, Hollywood zwar auf einen Augenblick im Zeitstrahl zu reduzieren, darin jedoch in ganzer Breite abzubilden, ergibt sich natürlich auch eine gewisse Sprunghaftigkeit. Im fliegenden Wechsel von Sets und ganzen Genres zieht manchmal der Tiefgang von dannen; zumindest erscheint "Hail, Caesar" bei weitem nicht so dicht gewoben wie zuletzt "Inside Llewyn Davis", "True Grit" und "A Serious Man", bei denen es sich um die wichtigeren Werke handelt. Das Zwischentief der Jahre 2003 und 2004 liegt aber noch außer Reichweite.
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