Review
von Leimbacher-Mario
Kein J-Horror-Comeback
Der „Suicide Forest“ in Aokigahara, Japan, ist einer der Plätze auf der Erde, in den mich keine zehn Pferde kriegen würden. Kein Geld der Welt, kein Notfall, keine Mutprobe, kein Ausnahmezustand. Tausende Selbstmord und seltsame Erscheinungen sind in echt einfach zu schwer zu erklären, zu fassen, will man nicht live erleben. Dagegen wirken die Katakomben in Paris wie ein Grundschulausflug. Die perfekten Vorraussetzungen also für ein amerikanisch produziertes J-Horror-Revival irgendwo zwischen „The Ritual“ und „The Grudge“? Eigentlich schon. Nur leider lässt „The Forest“ mit „Game of Thrones“-Star Natalie Dormer ärgerlich viel Potenzial liegen und ist nur ein maximal durchschnittliches Hollywood-JumpScare-Massaker. Vielleicht sogar leicht unter dem Schnitt. Es geht um eine junge Frau, die nach Japan in den berüchtigten Wald fährt, da ihre Zwillingsschwester dort abhanden gekommen ist oder sich gar umgebraucht hat. Letzteres will sie aber nicht glauben und so muss man am eigenen Leib spüren, dass mit diesen mysteriösen Wäldern nicht zu spaßen ist...
Gegen Natalie Dormer kann man hier wenig sagen. Selbst wenn sie trotz zaghafter Doppelrolle eher wenig gefordert wird. Außerdem gibt es ein paar Weitwinkelaufnahme (und auch super herangezoomte Shots der „atmenden“ Natur), die sehr toll wirken und zumindest ein paar schaurige Fratzen und den Puls zumindest kurzzeitig hochtreibende Schockmomente. Diese bleiben allerdings sehr artifiziell, vorhersehbar und generisch. Viel anders macht das das halbe Conjuring-Universum und Dreiviertel der Blumhouse-Schmiede allerdings auch nicht - was nichts rechtfertigen oder entschuldigen sondern eher einordnen soll. „The Forest“ geht kaum Risiko, jeder weiß schon zu Beginn, wie er in etwa am Ende ausgehen wird und die anfangs dichte Atmosphäre verläuft am Ende im Sand. Die letzte Einstellung ist sogar derart drangeklatscht, unverschämt und zum Kopfschütteln, dass ich mir kaum jemanden vorstellen kann, der mit einem befriedigten Gefühl im Bauch das Kino verlassen hat. Gemessen am realen Ort und dem Mythos, ist dieser Film ein absoluter Witz. Gemessen am aktuellen Gruselstandard der Traumfabrik geht das in der grauen Masse unter. Das sollte nicht der Anspruch sein. Selbst für den highlightarmen Kinomonat Januar.
Fazit: eine oberflächlich durchaus creepy Atmosphäre, viele hochwertige Wideshots, eine grundsätzlich überzeugende Natalie Dormer und die unter die Haut gehende, reale Legende vom japanischen „Selbstmordwald“ reißen „The Forest“ noch gerade so ans Mittelmaß. Es gibt leider nur noch etliche schwerwiegendere Probleme, die den Grusler runterziehen und einfach fast die komplette Spannung rauben. Z.B. billigste Jump Scares, vorhersehbare Wendungen und eine unnötig verworrene Story. Hier war mehr drin!