Filme über die Zeit der Sklaverei in den US von A machen selten gute Laune. Eigentlich nie. Streicht "eigentlich". Im besten Falle erreichen sie Dreierlei: Sie berühren, vermitteln etwas und unterhalten.
Jawohl, unterhalten. Elend darf unterhalten. Wäre es anders, könnte man sich Filme oder Serien über Sklaverei, den Holocaust, über jeglichen Missstand von Völkermord bis zur Unterdrückung von Individuen kaum anschauen. Ich wollte erst schreiben, dann wären die Filme Dokus, aber das stimmt nicht. Selbst Dokumentationen benötigen einen gewissen Unterhaltungswert, um uns erreichen zu können. Wenn das Sujet, die Bilder, die Dramaturgie uns nicht bewegen, wird auch nix gespeichert, nix gelernt.
The Birth of a Nation erreicht in allen drei Punkten Höchstwerte. Vor allem berührt er in jeder Sekunde.
Die schauspielerischen Leistungen sind durchweg überragend. Regisseur Nate Parker spielt selber die Hauptrolle der historischen Figur Nat Turner, Aja Naomi King ist seine Frau. In weiteren Nebenrollen brillieren Armie Hammer als Nat Turners Besitzer, der sich selbst für liberal hält, Mark Boone Jr. (Bobby in "Sons of Anarchy"), der die komplexe Figur des Reverend Walthall spielt, sowie einmal mehr der geniale Jackie Earle Haley (mir erstmals aufgefallen als Rorschach im Überfilm "Watchmen"; aber wie die Recherche zu diesem Text ergab, ein Ex-Kinderstar oder besser gesagt Kinderdarsteller - Star wäre zu hoch gegriffen). Haley spielt einen fiesen Sklavenfänger.
Der Film erzählt Nat Turners Geschichte beginnend in dessen Kindheit bis hin zum erwachsenen Anführer eines Sklavenaufstands. Dabei schreckt Regisseur und Drehbuchautor Nate Parker nicht vor Härten zurück, wo sie nötig sind. Vor allem das Aufstandsszenario zum Schluss ist vielfach als zu kitschig und/oder zu brutal kritisiert worden. Ja, können denn diese Neger nicht mal unblutig Revolution betreiben? Keinen Bock auf solche Schwachsinns-Kritiker-Kacke. Ohnehin sind die kriegsähnlichen Szenen gen Ende wahrlich nicht diejenigen, die nachhallen. Da gibt es ganz andere, aber keine Sorge, wir bleiben spoilerfrei. Ja, ja, hintendran gibt's Gemetzel in Slomo! Gute Güte, geht Doku kucken!
Fun Fact: Nate Parker hat erzählt, dass Edward Zwick (Regisseur von "Last Samurai") ihm die Wichtigkeit von "Rauch im Vordergrund" beigebracht hat. Das bringe "Dynamik ins Bild." Nachwuchs-Directors: den stellt man her mit gemahlenem Kork.
Ich sach doch, bissken was lernen ist wichtig.
Dynamik im Bild auch. Klappt hier hervorragend. Achtkommafünf Punkte.