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Oh Yes, He Can!

Liebesfilme - ein schweres Terrain, leicht in Kitsch & Plattitüden zu verfallen. Ein Porträt des mächtigsten Mannes der Welt, dem amtierenden amerikanischen Präsidenten, Barack Obama - die noch schwerere Aufgabe, da Kritiker & blinde Unterstützer beide stören. Und dann auch noch seiner Frau Michelle genug oder sogar ebenbürtig Platz einräumen. In der Kombi klingt das nach einer Mission Impossible. Und trotzdem hat man mit "My First Lady" dieses Kunststück geschafft, in dem man "einfach" das erste Date bzw. einen ganzen Tag in der jungen Beziehung zweier Menschen festhält. Nur ist das halt zufällig, so könnte man fast meinen, das berühmteste Pärchen der Welt - Michelle Robinson (damals) & Barack Obama. Beide begegnen sich in diesem Sommer '89 in Michelles Anwaltskanzlei & verbringen einen ersten Tag zusammen, u.a. mit einer Kunstausstellung, einem Kinofilm & einem Besuch in Baracks alter Kirche bzw. Heimatstädte seiner Gemeinde. Doch Michelle sieht das Ganze lange Zeit gar nicht gerne, erst recht nicht als Date & ist tief besorgt um ihren Status als intelligente, unabhängige & ehrgeizige (Karriere-)Frau...

Jeder Präsident kriegt die Filme über ihn & seine Ära, die er verdient hat... Tja, dann fällt das Fazit zu Obamas zwei Legislaturperioden wohl (bisher) ziemlich bezaubernd, sweet & umwerfend aus. "My First Lady" ist wahrscheinlich der beste Liebesfilm des Jahres & hat extrem viel Charme, Style & Intimität. Fast gänzlich ohne in blinde Lobpreisungen oder kultige Verehrung für das Super-Paar zu fallen, geht es hier erst einmal um zwei schlaue, besondere & sich zuerst gar nicht mal so sehr anziehende Menschen. Nicht den Präsidenten & seine First Lady, sondern um zwei junge Menschen die sich an einem magischen Tag gegenseitig beeindrucken, inspirieren & so näher kommen. Bezaubernd, sehr ruhig & jederzeit glaubhaft. Kitsch kennt der Film nicht & er ist exzellent geschrieben. Vorausschauende Dialoge & weitestgehende Politikfreiheit tun mehr als gut, fordern Geist & Herz gleichermaßen. Wenn man kein Fan der Obamas ist, wird man es hierdurch sicher auch nicht. Doch selbst dann müsste man anerkennen, dass diese Lovestory  in den Kinderschuhen das gewisse Etwas hat & einfach funktioniert. Im Film wie im wahren Leben.

Wenn dann auch noch immer wieder auf Rassenproblematik oder Gleichberechtigung eingegangen wird, wenn ein paar der schönsten Ecken Chicagos anvisiert werden (auch daher passt der Alternativtitel "Southside With You" aus anderen Teilen der Welt ebenso gut) & der Style zeitlos, musikalisch cool & oft sogar überraschend ehrlich rüberkommt (ich sag nur Marihuana!), dann vergehen die knackigen 80 Minuten wie im Flug. Kurzweilig, lehrreich & mit viel Herz. Hier sind der Weg & seine interessanten Persönlichkeiten das Ziel, kein kitschiges Ende mit einem Kuss im Regen. Wer also diesen Monat ein Date hat & ins Kino will mit ihr - geht die Extrameilen & sucht diese pochende Perle. Ihr werdet es sicher nicht bereuen & danach habt ihr sicher wesentlich mehr Herzklopfen wie Gesprächsstoff als bei "Ein ganzes halbes Jahr" oder "SMS für Dich". Gegen den kommenden Präsidenten wirken andere Liebesfilme einfach wie hohle Quatschfritten. Ein Satz noch zu den zwei herausragenden & sympathischen Hauptdarstellern: Oscarnominierungen wären absolut nicht zu unrecht, die sind der Wahnsinn & treffen ihre Vorbilder genau richtig!

Fazit: realistisch-romantisches erstes Date des mächtigsten (& dafür unglaublich coolen) Paars der Welt - der süßeste & stilvollste, intimste & inspirierendste Liebesfilm des Jahres! Nicht nur für Demokraten & Obama-Fans ;)

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