Stef Aerts und Tom Vermeir spielen ein belgisches Brüderpaar, das den Kontakt zueinander ein wenig verloren hat. Die beiden beschließen dennoch, gemeinsam einen Club, das Cafe Belgica, zu eröffnen. Doch die anfängliche Euphorie über den Besucheransturm weicht schnell, als schlaflose Nächte, Kokain, Alkohol und Sex einen Keil zwischen die beiden zu treiben beginnen. Aber nicht nur das: Die Arbeit im Cafe Belgica belastet auch die Liebesbeziehungen der Brüder. Der eine distanziert sich zunehmend von Frau und Kind, für den anderen ändert sich alles, als seine Freundin schwanger ist.
Für sein Drama „The Broken Circle“ wurde der belgische Regisseur Felix van Groeningen zuletzt bei den verschiedensten Filmfestivals gefeiert und auch sein neuestes Werk „Cafe Belgica“ kam in der Heimat gut an, sodass es unter anderem auch in Deutschland im Kino zu sehen ist. Selbst beim Sundance Film Festival konnte van Groeningen für „Cafe Belgica“ einen Regie-Preis einheimsen, was angesichts der gelungenen Umsetzung auch nicht unverdient ist. Ob sein Film beim Publikum ähnlich gut ankommen wird wie bei den Kritikern wagt der Verfasser dieser Review jedoch zu bezweifeln.
Was Martin Scorsese in seinen Filmen oft im Großen zu erzählen pflegt, das macht van Groeningen hier im Kleinen. Er zeigt, wie sich die beiden Protagonisten im Rausch von Drogen, Sex und Alkohol verlieren, besonders der ältere der beiden Brüder, den seine Familie am Ende nur noch vier Mal im Monat zu sehen bekommt. Die Geschichte entspricht so zwar dem klassischen Klischee, wonach der Besitz eines erfolgreichen Clubs und der Aufstieg zu einer Größe des Nachlebens quasi zwangsläufig zu Drogenkonsum und der unendlichen Verfügbarkeit von willigen Frauen führen. Das Konzept hätte aber durchaus funktionieren können.
Denn van Groeningen könnte die Ausflüge ins Nachtleben kaum eindrucksvoller inszenieren. Die hitzige Atmosphäre im Cafe Belgica wird perfekt eingefangen, die verwackelten Aufnahmen vom Partyleben lösen sich dabei zunehmend in einem Rausch aus Neonlicht und verschwommenen Aufnahmen auf, die trotz des beschaulichen Budgets auf oberem Hollywood-Niveau mithalten könnten. Dazu dröhnt die stilsicher ausgewählte Musik, flankiert von den hervorragend choreografierten Auftritten diverser Bands, in einer Lautstärke durch den Kinosaal, wie man sie nur selten zu hören bekommt. Sex und Drogenkonsum fügen sich da fast symbiotisch ein. Schade ist aber, dass es van Groeningen kaum gelingt, die Phasen zwischen den eindrucksvollen Partys zu überbrücken.
Vor allem am Anfang tut sich der etwas spröde Film mit seiner zunächst brüchigen Erzählweise schwer, in die Gänge zu kommen, bis das Cafe Belgica endlich eröffnet wird. Im Mittelteil haben die Protagonisten dann mit allerlei Widrigkeiten zu kämpfen, welche die Selbstständigkeit und der eigene Club so mit sich bringen. Dazu gehören pöbelnde Gäste, unbezahlte Rechnungen und Streitigkeiten über die Ausrichtung des Etablissements, was ganz interessant wäre, wenn das Geschehen nicht oftmals auf der Stelle treten würde. Dass dabei auch das Familienleben des älteren Bruders thematisiert wird, ist verständlich, weil dessen Realitätsverlust so noch deutlicher zutage tritt. Die Liebesbeziehung des jüngeren Bruders mit einer Studentin hätte es dagegen nicht unbedingt gebraucht, der Film wird so nur noch langatmiger. Ein Plus sind dabei die guten Darsteller, das aufgesetzte Happy End stößt aber sauer auf. Scorsese jedenfalls hätte den Niedergang seiner Figuren konsequent bis zuletzt zelebriert.
Fazit:
„Cafe Belgica“ überzeugt zwar mit eindrucksvollen Partysequenzen, mit einem Rausch aus Drogen, Musik und Sex, erzählt aber eine klischeebehaftete Geschichte über den Absturz zweier Clubbesitzer im belgischen Nachtleben. Die spröde Erzählweise und die über zweistündige Lauflänge sorgen insgesamt für allenfalls mäßige Unterhaltung.
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