Auf seinem „Ghost Ship“ entfesselt Steve Beck erneut die Geister im Auftrag der Produktionsfirma Dark Castle.
Analog zur Gespensterjagd am Beginn von „13 Geister“ muss es auch in „Ghost Ship“ erstmal kurz rundgehen, ehe man die Charaktere einführt. Hier darf der Zuschauer den späteren Schauplatz, das Kreuzfahrtschiff Antonia Graza, zu seiner Blütezeit sehen. Nach einer atmosphärisch sehr gut gemachten Kamerafahrt vom Meer auf das Schiff, wird man Zeuge eines geselligen Tanzabends an Bord. Doch dann ereignet sich ein blutiger Unfall, jeder weiß, dass hier etwas faul ist, aber bevor man dies erklärt verlässt man die Szenerie.
Stattdessen lernt man Sean Murphy (Gabriel Byrne), den Kapitän des Bergungsschiffes Arctic Warrior, und seine Crew kennen. Das Bergungsteam ist ein Haufen mit allen Wassern gewaschener Profis, die unter extremen Bedingungen arbeiten können. Dies ist auch einer der Gründe, warum sich der junge Pilot Jack Ferriman (Desmond Harrington) an sie wendet und ihnen erklärt, er habe ein verlassenes Schiff in internationalen Gewässern gefunden, brauche aber eine Mannschaft, um es zu bergen. Genau hier kommt die bunte Truppe von Artic Warrior ins Spiel, die den üblichen bunten Haufen an Hallodris bilden, die in derartigen Filmen immer das fragwürdige Objekt (Raumschiff, fremder Planet, Geisterschiff usw.; zutreffendes bitte einsetzen) durchsuchen.
Da man in internationalen Gewässern gefundene Schiffe und ihre Ladung quasi dem Finder gehören, ist das Bergungsteam schnell bereit den Profit einzusacken. Bei dem verlassenen Schiff handelt es sich um die vor vielen Jahren verschwundene Antonia Graza, doch bald muss das Team feststellen, dass an Bord seltsame Dinge vorgehen…
Wie schon „Haunted Hill“ und „13 Geister“ schlägt auch „Ghost Ship“ in die Kerbe des actionreichen Neo-Horrorfilms, der Freunde des subtilen Geistergrusels kaltlassen dürfte. Doch wer diese Mischung mag, der kommt durchaus auf seine Kosten. An die Story sollte man allerdings keine so großen Ansprüche stellen, denn diese funktioniert nach alten Strickmustern. So ist an sich schon durch den Titel klar, was an Bord des Schiffes passiert und auch wer überlebt kann man sich recht gut denken. Doch diese alten Schemata setzt Regisseur Steve Beck recht temporeich um. Die Charaktere sind bunt zusammengewürfelt und bieten durch ihre kleinen Macken schnell eine gewisse Vielfalt, auch wenn ihnen Tiefe fehlt. Auch der erdachte Hintergrund, warum in der Vergangenheit die Sterberate an Bord unangenehme Höhen erreichte, ist ganz nett, wenn auch nicht gerade originell.
Sicher bieten Filme nach diesem Strickmuster selten Innovationen, sodass man „Ghost Ship“ hieraus nicht unbedingt einen Strick drehen kann. Negativer fällt da schon der Showdown auf, den Beck (ähnlich wie in „13 Geister“) einfach zu sang- und klanglos abwickelt. Aller überzähliger Nebenfigurballast, der sich in die Schlussphase retten konnte, wird kurzerhand verhackstückt und die finale Konfrontation ist viel zu schnell gegessen. Am Ende wird dann auf herkömmliche Weise noch angedeutet, dass das Grauen eventuell noch nicht vorbei ist.
Doch wenn man vom Showdown mal absieht, so bekommt man gut inszenierte Genreware geboten. Der Schauplatz des Geisterschiffes ist stimmig in Szene gesetzt, was mir gut gefallen hat, da ich Horror auf hoher See mag. Auch die Spezialeffekte sind wie bei Joel Silver üblich auf der Höhe der Zeit, nur die Explosionen hätte man etwas besser tricksen können. Das Ausscheiden der Figuren bringt softe Action nach dem üblichen 10-kleine-Negerlein-Prinzip, ist aber ordentlich gemacht: Da fliegt etwas in die Luft, ein Tauchgang endet im Räderwerk usw. Der Härtegrad ist recht hoch, allerdings fand ich die Rückblende zur Blutnacht am Ende des zweiten Drittels doch etwas sehr heftig.
Gabriel Byrne bringt hier zwar nicht die beste Leistung seiner Karriere, aber auf gewohnt gutem Niveau spielt er den Rest der Truppe an die Wand. Julianna Marguiles arbeitet ganz gut gegen ihr „Emergency Room“-Image an und auch die restlichen Nebendarsteller sind für einen Horrorfilm ganz gut, aber kein Vergleich zu Byrne, wie gesagt.
Alles in allem erfindet „Ghost Ship“ sein Genre nicht neu, aber man bekommt Altbekanntes atmosphärisch dicht vorgesetzt und wirkliche Längen gibt es nicht. Ungefähr auf gleichem Niveau wie „13 Geister“, wobei mir das Szenario von „Ghost Ship“ etwas mehr zusagt.