Joel Silver, Erfolgsproduzent der Matrix- und Lethal Weapon-Franchises versuchte sich 2002 an diesem Horrorthriller. Eigentlich ungewöhnlich für jemanden, der sonst riesige Actionblockbuster finanziert. Ob der Ausflug auf das Ghost Ship eher eine Fahrt in unbekannte Gewässer ist oder doch in sicheren Einnahmekanälen verläuft?
Alles klar, auf der Antonia Graza?
Sean Murphy (Gabriel Byrne) und sein Team sind Profis, wenn es um das Abschleppen havarierter oder verlassener Schiffe geht. Erst heute haben sie eine weitere Operation erfolgreich abgeschlossen und wollen das nun gebührend feiern. In einer Kneipe kommt plötzlich ein Typ namens „Ferryman“ (wie einfallsreich!) (Desmond Harrington) an ihren Tisch und erzählt ihnen von einem Schiff, das er auf einem Satellitenbild erspäht haben will. Anfangs recht unwillig, sagt die Crew schließlich zu und geht den Trip zusammen mit Ferryman an. Nach einigen Tagen der ergebnislosen Suche taucht das Schiff wie von Geisterhand auf (Wortspiel 1). Dabei stellt sich nach oberflächlichem Check heraus, dass es sich bei dem Kahn um den legendären Kreuzer „Antonia Graza“ handelt, der vor 60 Jahren mitsamt Passagieren und Besatzung spurlos verschwand. „Begeistert“ (Wortspiel 2) von ihrem Fund, erkunden sie den maroden Dampfer und müssen nach und nach erkennen, dass zwar von den Passagieren jegliche Spur fehlt, an ihrer Stelle jedoch Geister auf dem Schiff spuken….
Rope of death
Der Anfang von Ghost Ship hätte selbstironischer garnicht sein können. In liebevoll verschlungenen, rosa Lettern werden die Credits eingeblendet, eine Kamerafahrt zu einer Tanzveranstaltung auf dem Schiff, das Ganze unterlegt mit harmonischer Chansonmusik. Zuerst wähnt man sich im falschen Film, denn das wirkt nun nicht gerade wie das Intro zu einem „Ab 18“-Horrorfilm. Das folgt aber auf dem Fuße, denn die traute Eintracht wird jäh von einer ultrabrutalen Szene, in der ein Metallseil plötzlich losschnellt und alle Menschen an Deck bis auf ein kleines Mädchen in zwei Hälften teilt, unterbrochen. Ganz alleine bleibt nur das wie am Spieß schreiende Mädchen, das in seinem blutverschmierten weißen Kleid in dem Chaos aus Körperteilen und Blutlachen steht. Whoa, so weit, so überraschend. Was dann jedoch folgt, ist nicht mehr ansatzweise originell oder fesselnd. Die Dunkelheit auf dem Schiff wurde ja noch ganz passabel eingefangen, aber Atmosphäre und Spannung sind hier gleich null. Die Charaktere bleiben allesamt blass und rufen bei ihrem Ableben keinerlei Mitleid beim Zuschauer hervor. Die Schockeffekte halten sich angesichts der überaus lächerlichen Story arg in Grenzen und beschränken sich auf leere Korridore und Geistervisionen. Leider wurde hier inszenatorisch viel falsch gemacht, denn was haben Matrix-Effekte und ähnlicher Stilmittelschnickschnack in einem mysteriös angehauchten Horrorfilm zu suchen? Garnichts. Da dachte Regisseur Steve Beck aber leider anders und versaute sein Werk dadurch. Zudem ist Ghost Ship weder Fisch noch Fleisch. Mal auf Horror (Grundthematik), dann allerdings wieder auf Action (Flashback) getrimmt, hinterlässt er den Zuschauer ratlos am Bildschirm. Unnötige und deplaziert wirkende Splatterszenen (Haken) versalzen zudem die ohnehin nicht besonders bekömmliche Suppe.
Schauspielerisch gibt es nicht viel zu kritisieren, aber dieses Genre verlangt seinem Cast ja bekanntermaßen nie besonderes Talent ab.
Ghost Shit
Der Film krankt an seinem unfassbar idiotischen und an den Haaren herbeigezogenen Plot, der vor Logiklöchern strotzt (das genaue Schicksal einiger Charaktere wird überhaupt gar nicht weiter behandelt!) und sämtliche Spannung zunichte macht. Die dosierte Gewalt „rettet“ den Film auch nur marginal (wenn das überhaupt geht) vor dem Totalausfall. Lediglich die musikalische Untermalung sowie der ein oder andere nette Effekt ist hier auf der Habenseite zu verbuchen. Ob das allerdings die Ausleihgebühr rechtfertigt, wage ich zu bezweifeln.
Dialoghighlight: „Mit einem Geist zu schlafen gilt nicht als Fremdgehen!“
4 von 10 Seelenverkäufern
Anmerkung: Ja, ich weiß, dass es bei ofdb einen User namens „GhostShit“ gibt und hoffe, dass er mir den Gebrauch seines Nicks im Kontext dieser Review zubilligt ;-) .