Eigentlich war es ja das Halloween-Vergnügungsprojekt des Jahres 2002 gewesen, aber nach Deutschland verirrt sich "Ghost Ship" wie so viele Genrevertreter erst Monate später, wenn man mit solchen Beiträgen dann auch nicht mehr huldvoll und Milde waltend umgehen kann.
Es ist nach "Haunting Hill" und "13 Geister" der dritte Film von "Dark Castle" und wie schon die beiden Vorgänger soll er simpel Gruselunterhaltung bieten, ohne jetzt in höhere Dimensionen vorzudringen. Leider jedoch ist auch "Ghost Ship" keine rechte Rückkehr zu der skuril-blutigen Qualitätsarbeit "Haunted Hill", sondern dümpelt im Fahrwasser des Nachfolgers, der ja auch schon Steve Beck als Regisseur hatte.
Das Fazit zu diesem Mann kann man gleich ziehen: Horrorfilme sollte er nicht inszenieren!
Natürlich ist der Film storytechnisch arg abgedroschen, eine weitere filmische Mary-Celeste-Variante (die hier sogar zitiert wird) vom lange verschwundenen und nun wieder aufgetauchten Schiff, auf dem das Böse umgeht, nur diesmal halt ohne Bermuda-Dreieck und Aliens.
Stattdessen stapelt sich das Böse im verfallenen Luxusliner, während eine Bergungscrew, bestehend aus besten Freunden in die gemachte Falle trappst, in der Hoffnung, den dicken Cash einzufahren.
So simpel das geplottet sein mag, deswegen kann es trotzdem durchaus effektiv umgesetzt worden sein.
Zunächst funktioniert das auch noch: statt des monströsen Hauses in "13 Geister" haben wir hier einige der verrottensten Sets, die wir seit langem gesehen haben, schön seit 40 Jahren verfallen und durchrostet. Da kann sich schon Spannung aufstauen. Da würde es uns auch nichts machen, daß die vorprädestinierte schlußendlich Überlebende in bester Ellen-Ripley-Manier schon seit der ersten Minute feststeht, da sonst nur No-Names durch die Kulissen stolpern, während Gabriel Byrne selbstverständlich den zu sterbenden Prominenten geben darf.
Leider geht jedoch mit zunehmendem Handlungsverlauf jeglicher Spaß an der Location flöten, denn dem Drehbuch fällt schon bald nichts mehr ein. Ein kleines Geistermädchen ist der supernatürliche Ausgangspunkt und viele sollen folgen, denn das böse Schiff erwacht so langsam aber sicher zum Leben.
Nur hat Beck nichts übrig für mysteriöses Ambiete, rätselhaft-unheimliche Bilder oder etwaige Zweifel: von der ersten Minute an weiß man, wie der Hase läuft und die Figuren rennen erkenntnistechnisch den Zuschauern nur noch hinterher.
In schönster Vorhersehbarkeit fliegt natürlich erst der heimatliche Schlepper in die Luft und von da an sind alle auf dem Höllendampfer zum Abschuß freigegeben. Gewürzt wird dieses Geisterbahnäquivalent mit einer Mergelleiche, etwas soften Sterbeeffekten und viel CGI-Morphing. Ach ja, zwei fressen noch eine Dose Würmer. Zwischendurch findet man noch (total überflüssig) die Goldladung des Schiffes und ansonsten darf jeder in sein ganz persönliches Schicksal reiten, während uns die Rückblenden über das schon Geahnte aufklären.
Besonders dämlich dabei die Tatsache, daß ein halbes Dutzend der besten Freunde in einer leisen Streßsituation sofort mit dem Vorschlaghammer aufeinander losgehen und der Quotenschwarze anschließend in spontaner Geilheit auf die knusprig gebliebene Sängerin des Dampfer rauf will, während er sich einredet, daß eine Halluzination kein Vertrauensbruch ist.
Zwischendurch hält man uns noch per (nicht gezeigtem) Foto bis zum Showdown damit hin, wer wohl der Böse in der Story ist, obwohl wir das seit Minute 10 sowieso schon gewußt haben und die Auflösung am Ende kommt auch ein wenig arg schnell, um uns dauerhaft wieder aufzuwecken.
Wenigstens einen Hauch netter der obligate Schlußgag, aber ein Film, der seine beste und graphischste Szene gleich zu Beginn hat (der Drahtseilmoment, lecker!), hat uns da eh schon alle Zähne gezogen.
"Ghost Ship" ist mit allen Schwächen des Genre behaftet, ein reichlich einfallsloser, formelhafter und bisweilen sogar dummer Film, den man in heiterer Stimmung sicher mit Wohlwollen durchstehen kann, weil er einem sowieso nichts abverlangt, nicht einmal Grusel. Ein zwar passabel getrickstes, aber sonst absolut leeres Routineprodukt, in seiner ganzen Konstruktion so morsch, wie das Kreuzfahrtschiff, auf dem es spielt.
Die Reihe braucht dringend frisches Blut - und laßt es uns dann bitte sehen. (4/10)